Diabetesinformationsdienst: Aktuelles https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/ Aktuelles en Diabetesinformationsdienst: Aktuelles https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/ 18 16 Aktuelles TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 18 Sep 2018 08:53:32 +0200 Schwangerschaftsdiabetes: Folgen für Mutter und Kind https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/schwangerschaftsdiabetes-folgen-fuer-mutter-und-kind//index.html Ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes erhöht langfristig das Risiko für Diabetes vom Typ-2 für die Mutter und kann zudem Gewichtsprobleme für das Kind mit sich bringen. Dies bestätigte eine Langzeituntersuchung, deren Ergebnisse im US-amerikanischen Ärzteblatt ‚JAMA‘ veröffentlicht wurden.
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Ein unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes erhöht langfristig das Risiko für Diabetes vom Typ-2 für die Mutter und kann zudem Gewichtsprobleme für das Kind mit sich bringen. Dies bestätigte eine Langzeituntersuchung, deren Ergebnisse im US-amerikanischen Ärzteblatt ‚JAMA‘ veröffentlicht wurden. Eine der wichtigsten Datenquellen zur Untersuchung des Schwangerschaftsdiabetes (auch Gestationsdiabetes genannt) ist die vor zehn Jahren publizierte amerikanische HAPO-Studie (Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcome), an welcher weltweit rund 25.000 schwangere Frauen teilnahmen.  Ein Forscherteam führte nun eine Nachuntersuchung durch von circa 4.700 Studienteilnehmerinnen der HAPO-Studie und circa 4.800 damals geborenen Kindern. Die Kinder waren inzwischen im Durchschnitt 11,4 Jahre alt. Dabei zeigte sich:
  • Von 508 Frauen, welche die Kriterien für einen Schwangerschaftsdiabetes erfüllten,  entwickelten 39,4 Prozent einen Prädiabetes und 7,9 Prozent Typ-2-Diabetes. Die Gesamthäufigkeit von Stoffwechselstörungen lag damit bei 47,3 Prozent.
  • Von 3.945 Frauen ohne Gestationsdiabetes erkrankten 18,5 Prozent an Prädiabetes und 1,6 Prozent an Typ-2-Diabetes. Die Gesamthäufigkeit lag damit bei nur 20,1 Prozent.

Schwangerschaftsdiabetes: Risiko für Übergewicht bei den Kindern

Leidet die Mutter unter Schwangerschaftsdiabetes, kommen die Kinder häufig mit einem erhöhten Geburtsgewicht zur Welt.  Auch später werden sie im Vergleich zu Kindern aus Schwangerschaften ohne erhöhte Blutzuckerwerte häufiger übergewichtig oder haben ein höheres Risiko,  selbst Typ-2-Diabetes zu entwickeln. In der Langzeituntersuchung der HAPO-Kinder waren 36,8 Prozent der Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes übergewichtig oder adipös. War die Mutter nicht an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt, lag der Anteil nur bei 28,6 Prozent.   Aus den Daten lässt sich nicht herauslesen, welchen Einfluss eine Kontrolle des erhöhten Blutzuckers (beispielsweise durch Insulin) bei Schwangerschaftsdiabetes hatte. Die meisten Diabetologen und Frauenärzte dürften sich jedoch einig sein, dass eine gute Blutzuckerkontrolle während der Schwangerschaft Spätfolgen für Mütter und Kinder verhindern kann. Quellen: Lowe Jr, W.L. et al.: Association of Gestational Diabetes With Maternal Disorders of Glucose Metabolism and Childhood Adiposity. In: JAMA, 2018, 320(10):1005-1016. Aerzteblatt.de: Späte Nachwehen eines unbehandelten Gestationsdiabetes treffen Mutter und Kind. Artikel vom 12.09.2018 (letzter Abruf: 17.09.2018) ]]>
News Diabetesinformationsdienst Schwangerschaftsdiabetes Folgeerkrankungen Adipositas Newsletter Diabetesinformationsdienst Tue, 18 Sep 2018 08:53:32 +0200
Fettreiche Ernährung stört den Rhythmus des Stoffwechsels https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/fettreiche-ernaehrung-stoert-den-rhythmus-des-stoffwechsels//index.html Wie sind die verschiedenen Stoffwechselprozesse im Körper miteinander verzahnt und welche Zeitfenster bieten sich für Therapien gegen schweres Übergewicht (Adipositas) an? Wie verändern sich Stoffwechselprofile bei fettreicher Ernährung? Das waren die Fragestellungen einer großangelegten Studie, deren Ergebnisse aktuell im Journal ‚Cell‘ nachzulesen sind.
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Wie sind die verschiedenen Stoffwechselprozesse im Körper miteinander verzahnt und welche Zeitfenster bieten sich für Therapien gegen schweres Übergewicht (Adipositas) an? Wie verändern sich Stoffwechselprofile bei fettreicher Ernährung? Das waren die Fragestellungen einer großangelegten Studie, deren Ergebnisse aktuell im Journal ‚Cell‘ nachzulesen sind. Zu jeder Zeit finden in unserem Körper Stoffwechselvorgänge statt: Nahrung wird zerlegt, Gewebe aufgebaut, Abbauprodukte entsorgt. Doch all diese Vorgänge laufen nicht einfach unkontrolliert durcheinander. Um Wechselwirkungen und Chaos zwischen all den verschiedenen Prozessen zu vermeiden, werden sie durch sogenannte zirkadiane oder 24-Stunden-Rhythmen geordnet. Die Studienautoren vergleichen das Zusammenspiel der Stoffwechselvorgänge im Tagesverlauf mit einem Orchester, in welchem die einzelnen Instrumente aufeinander abgestimmt sein müssen, damit ein Wohlklang entsteht. Um dieses Zusammenspiel näher zu beleuchten, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler  im Tiermodell über 24 Stunden Stoffwechselprofile von acht verschiedenen Geweben gleichzeitig erstellt. Untersucht wurden eine Struktur im Hypothalamus (Nucleus suprachiasmaticus), welche bei Säugetieren als Haupt-Taktgeber für die zirkadianen Rhythmen gilt, sowie der präfrontale Cortex (ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde), Muskeln, Leber, braunes und weißes Fettgewebe, Blutserum und Sperma. Die Daten wurden bei normaler und bei fettreicher Nahrung erhoben.

Zu viele Fett-Kalorien bringen Stoffwechsel aus dem Takt

Fettreiche Nahrung kann den 24-Stunden-Rhythmus stören und Stoffwechselkrankheiten verursachen – so viel war bereits bekannt. Die neuen Daten zeigten zusätzlich:
  • Bei ausgewogener Ernährung folgt die Energiegewinnung aus Fett und Zucker einem sehr geordneten Ablauf.
  • Ist die Ernährung fettreich, geht dieses typische Muster verloren und der Fettstoffwechsel dominiert. Diese Veränderungen können auch eine Insulinresistenz der Muskelzellen zur Folge haben.
Insgesamt bietet die Arbeit einen Überblick, wann welcher Stoffwechselprozess im jeweiligen Gewebe abläuft. Die Forschenden erhalten dadurch Hinweise, zu welchem Zeitpunkt stoffwechselwirksame Medikamente besonders erfolgreich eingesetzt werden können.  Quelle: Dyar, KA. et al.: Atlas of Circadian Metabolism Reveals System-wide Coordination and Communication between Clocks. In: Cell, 2018, DOI: 10.1016/j.cell.2018.08.042 Helmholtz Zentrum München: Umfassende Einblicke in den Stoffwechsel – das Orchester im Körper. Pressemitteilung vom 06.09.2018 ]]>
Adipositas Grundlagenforschung Metabolisches Syndrom Typ-2-Diabetes Newsletter Diabetesinformationsdienst Fri, 14 Sep 2018 09:04:18 +0200
Aktionsplan für mehr Bewegung – gegen Diabetes https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/aktionsplan-fuer-mehr-bewegung-gegen-diabetes//index.html Weltweit bewegen sich Erwachsene zu wenig und steigern damit ihr Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Typ-2-Diabetes, Demenz oder Krebs. Unter den Industrieländern liegt Deutschland dabei auf einem Spitzenplatz der Inaktivität. Dies berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Journal ‚The Lancet Global Health‘ und will mit einem Aktionsplan die Menschen weltweit auf Trab bringen.
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Weltweit bewegen sich Erwachsene zu wenig und steigern damit ihr Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Typ-2-Diabetes, Demenz oder Krebs. Unter den Industrieländern liegt Deutschland dabei auf einem Spitzenplatz der Inaktivität. Dies berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Journal ‚The Lancet Global Health‘ und will mit einem Aktionsplan die Menschen weltweit auf Trab bringen. Forscherinnen und Forscher der WHO haben 358 Bevölkerungsstudien aus 168 Ländern ausgewertet. Dabei flossen Umfragedaten von 1,9 Millionen Menschen zu Bewegung am Arbeitsplatz, im Haushalt oder in der Freizeit mit ein. Nach Definition der WHO wurde das Bewegungsverhalten von Erwachsenen dann als ungenügend eingestuft, wenn pro Woche nicht mindestens 150 Minuten moderate Bewegung erreicht wurden, oder 75 Minuten sportliche Betätigung.

Bewegungsmangel: Deutschland führend unter den Industrienationen

Die Ergebnisse der Auswertung im Einzelnen:
  • Weltweit beträgt der Anteil der inaktiven Menschen 27,5 Prozent. Im Vergleich zu einer Auswertung aus dem Jahr 2001 haben sich dabei im weltweiten Durchschnitt kaum Verbesserungen ergeben.
  • In den Industrieländern haben sich die Zahlen seit 2001 sogar verschlechtert, von 31 Prozent inaktiven Erwachsenen zu 37 Prozent im Jahr 2016.
  • Deutschland liegt mit 42,2 Prozent körperlich inaktiven Menschen auf einem Spitzenplatz der Industrieländer, noch vor den USA (40 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (36 Prozent).
  • In vielen Ländern sind Frauen stärker von Bewegungsmangel betroffen als Männer. Dies gilt unter anderem für die USA (48 Prozent Frauen gegenüber 32 Prozent Männern).
Regelmäßige körperliche Bewegung ist das beste Mittel, Herzinfarkten und Schlaganfällen, Diabetes vom Typ-2 sowie Krebs vorzubeugen. Bewegung wirkt hohem Blutdruck, Übergewicht und Adipositas entgegen. Auch für die geistige Gesundheit ist körperliche Aktivität förderlich.

WHO-Vision: Mehr aktive Menschen für eine gesündere Welt

Als Antwort auf die Studienergebnisse formuliert die WHO in ihrem Aktionsplan ein Maßnahmenpaket für mehr Bewegung. Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 die körperliche Inaktivität weltweit um 15 Prozent zu reduzieren. Ein Ansatz ist dabei,  eine Umgebung zu schaffen, in der man auf sichere Art im öffentlichen Raum aktiv sein kann, zum Beispiel durch den Ausbau von Radwegen. Nach Ansicht der Autoren könnte Wissen über die positiven Auswirkungen von Bewegung die Einstellung zu körperlicher Aktivität verbessern. Quellen: Guthold, R. et al.: Worldwide trends in insufficient physical activity from 2001 to 2016: a pooled analysis of 358 population-based surveys with 1·9 million participants. In: Lancet Glob Health, 2018, online September 4, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S2214-109X(18)30357-7 Aerztezeitung.de: Deutsche werden immer mehr zu Bewegungsmuffeln. Artikel vom 05.09.2018 (letzter Abruf: 10.09.2018)]]>
Newsletter Diabetesinformationsdienst Typ-2-Diabetes Leben mit Diabetes Metabolisches Syndrom Adipositas Mon, 10 Sep 2018 14:31:46 +0200
Weniger Gluten – höheres Diabetes-Risiko? https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/weniger-gluten-hoeheres-diabetes-risiko//index.html Eine Ernährung mit wenig Gluten kann das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen, hauptsächlich dann, wenn der Ballaststoffgehalt der Lebensmittel gering ist. Hinweise auf diese Zusammenhänge gibt die gemeinsame Auswertung von drei großen amerikanischen Beobachtungsstudien, welche im Fachjournal ‚Diabetologia‘ veröffentlicht wurde.
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Eine Ernährung mit wenig Gluten kann das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen, hauptsächlich dann, wenn der Ballaststoffgehalt der Lebensmittel gering ist. Hinweise auf diese Zusammenhänge gibt die gemeinsame Auswertung von drei großen amerikanischen Beobachtungsstudien, welche im Fachjournal ‚Diabetologia‘ veröffentlicht wurde. Glutenfreie Lebensmittel liegen derzeit auch bei Menschen ohne Zöliakie im Trend – als Bestandteile einer vermeintlich gesunden Ernährung. Eine wissenschaftliche Bestätigung gibt es hierfür nicht.     Drei große Beobachtungsstudien aus den USA dokumentierten die Ernährungsgewohnheiten von rund 200.000 Personen über einen Zeitraum von 20 bis 28 Jahren:
  • Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stabil zwischen zwei und zwölf Gramm Gluten pro Tag zu sich.
  • Als glutenhaltige Lebensmittel verzehrten sie hauptsächlich Nudeln,  Vollkornbrot, Müsli, Pizza, Weißbrot und Backwaren aus Weizen.
  • Menschen mit einem höheren Anteil an Gluten in der Nahrung ernährten sich insgesamt gesünder als die Personen mit einer glutenreduzierten Kost.

Diabetes: erhöhtes Risiko durch glutenarme Kost

Eine Auswertung zeigte, dass eine glutenfreie Ernährung auch Gesundheitsrisiken mit sich bringen kann – zumindest was Diabetes vom Typ-2 betrifft. Insgesamt entwickelten acht Prozent (15.947 Personen) aller Studienteilnehmer im Beobachtungszeitraum Diabetes vom Typ-2.
  • Je weniger Gluten die Studienteilnehmer und –teilnehmerinnen zu sich nahmen, desto häufiger entwickelten sie Typ-2-Diabetes.
  • Eine vermehrte Aufnahme von Ballaststoffen wirkte dabei dem Diabetesrisiko entgegen.
Fazit der Autoren: eine glutenarme Ernährung geht häufig mit einer zu geringen Aufnahme von Ballaststoffen einher, da beispielsweise auch auf Vollkornbrot verzichtet wird. Dies kann gesundheitliche Folgen haben und unter anderem zu einem erhöhten Typ-2-Diabetesrisiko beitragen. Ballaststoffe, wie sie zum Beispiel in Vollkornprodukten oder Hülsenfrüchten wie Bohnen und Erbsen enthalten sind, werden vom Körper nahezu unverändert wieder ausgeschieden. Sie bewirken, dass Kohlenhydrate aus dem Darm langsamer ins Blut übergehen. Der Blutzuckerspiegel steigt also nach dem Essen nicht so schnell an. Außerdem fördern sie die Verdauung und beugen Verstopfung vor. Quellen: Zong, G. et al.: Gluten intake and risk of type 2 diabetes in three large prospective cohort studies of US men and women. In: Diabetologia, 2018, 61: 2164.  Aerztezeitung.de: Erhöhtes Diabetesrisiko bei Gluten-Verzicht. Artikel vom 31.08.2018 (letzter Abruf: 05.09.2018) ]]>
Newsletter Diabetesinformationsdienst Typ-2-Diabetes - Prävention & Risikofaktoren Grundlagenforschung Fri, 07 Sep 2018 06:32:00 +0200
Nichtalkoholische Fettleber: neue Ansätze für Diagnose und Behandlung https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/nichtalkoholische-fettleber-neue-ansaetze-fuer-diagnose-und-behandlung//index.html Fast jeder dritte Erwachsene in den Industrieländern leidet an einer nichtalkoholischen Fettleber. Damit erhöht sich das Risiko für Komplikationen wie Leberzirrhose, Leberkrebs, Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfälle. Ein Artikel in ‚The Lancet Diabetes & Endocrinology‘ fasst aktuelle Forschungsergebnisse zusammen und zeigt, wie dieses Wissen künftig für eine gezielte Behandlung der Betroffenen genutzt werden kann.
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Fast jeder dritte Erwachsene in den Industrieländern leidet an einer nichtalkoholischen Fettleber. Damit erhöht sich das Risiko für Komplikationen wie Leberzirrhose, Leberkrebs, Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfälle. Ein Artikel in ‚The Lancet Diabetes & Endocrinology‘ fasst aktuelle Forschungsergebnisse zusammen und zeigt, wie dieses Wissen künftig für eine gezielte Behandlung der Betroffenen genutzt werden kann. Immer mehr Erwachsene, aber auch etwa 34 Prozent der schwer übergewichtigen (adipösen) Kinder, leiden an einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (engl. non-alcoholic fatty liver disease, NAFLD). Eine ungesunde Lebensweise mit wenig Bewegung und viel fettem sowie zucker- und fruchtzuckerhaltigem Essen kann eine Ursache dafür sein. Auch die genetische Vorbelastung spielt eine Rolle. Die nichtalkoholische Fettleber kann zu verschiedenen Komplikationen führen wie schweren Leberschädigungen, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Eine genetisch bedingte Fettleber erhöht auch das Risiko für Leberfibrose und Leberkrebs.

Verbesserte Fettleber-Diagnostik

Für die folgenden Gruppen ist nach Meinung der Autoren eine Untersuchung auf eine Fettleber durch Ultraschall, eine Risikoanalyse anhand einfacher Indizes oder eine spezielle Kernspintomografie  (MRI) bei Spezialisten sinnvoll: Personen mit
  • erhöhten Leberenzym-Werten
  • mit einer Fettverteilung, die eher dem Apfeltyp entspricht: also einem geringen Anteil an Fett um die Hüften und Beine, aber einem hohen Anteil an Bauchfett.
  • mit einer Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes.

Therapie: Mehr Bewegung und gesunde Ernährung

Mit einer Änderung des persönlichen Lebensstils hin zu mehr Bewegung im Alltag und gesunder Ernährung lassen sich oft positive Effekte erzielen:
  • Eine Abnahme von etwa fünf Prozent Gewicht reduziert den Fettgehalt in der Leber um bis zu 30 Prozent.
  • Um das Risiko für Leberentzündungen und -fibrosen zu verringern, bedarf es jedoch eines Gewichtsverlustes von im Schnitt etwa zehn Prozent.
Nach Einschätzung der Autoren wird es in Zukunft möglich sein, aufgrund des größeren Wissens über das Krankheitsbild der Fettleber bei Risikopersonen vorbeugend einzugreifen. Eine gezielte Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung der Fettleber rückt in greifbare Nähe. Betroffene können individuelle Empfehlungen für Lebensstiländerungen bekommen.  Quellen: Norbert Stefan, Hans-Ulrich Häring, Kenneth Cusi. Non-alcoholic fatty liver disease: causes, cardiometabolic consequences, and treatment strategies. The Lancet Diabetes & Endocrinology 2018, DOI: 10.1016/S2213-8587 Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD): Fettleber diagnostizieren und personalisiert behandeln. Pressemitteilung vom 31.08.2018 (letzter Abruf: 03.09.2018)]]>
Newsletter Diabetesinformationsdienst Adipositas Metabolisches Syndrom Grundlagenforschung Tue, 04 Sep 2018 08:39:52 +0200
Blutverdünner ASS bei Diabetes: Herzschutz, aber Blutungsrisiko https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/blutverduenner-ass-bei-diabetes-herzschutz-aber-blutungsrisiko//index.html Bei Patienten mit Diabetes kann die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) als Gerinnungshemmer Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen. Jedoch erhöht sich dadurch das Risiko für schwere Blutungen. Ein Schutz vor Krebserkrankungen lässt sich nach wie vor nicht nachweisen. Dies zeigen die Ergebnisse einer großen britischen Studie, die im ‚New England Journal of Medicine‘ veröffentlicht wurde.
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Bei Patienten mit Diabetes kann die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) als Gerinnungshemmer Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen. Jedoch erhöht sich dadurch das Risiko für schwere Blutungen. Ein Schutz vor Krebserkrankungen lässt sich nach wie vor nicht nachweisen. Dies zeigen die Ergebnisse einer großen britischen Studie, die im ‚New England Journal of Medicine‘ veröffentlicht wurde. An der ASCEND-Studie nahmen 15.480 Patientinnen und Patienten mit Diabetes (davon 94 Prozent mit Typ-2-Diabetes) teil. Sie waren im Durchschnitt 63 Jahre alt und wiesen zum überwiegenden Teil die üblichen Risikofaktoren auf wie Übergewicht, hoher Blutdruck und erhöhte Cholesterinwerte. Einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder ähnliche Ereignisse hatten sie jedoch bisher noch nicht erlitten. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Probanden einer von zwei Gruppen zugeordnet: eine Gruppe nahm täglich 100 mg ASS als Blutverdünner zu sich, die andere Gruppe erhielt ein Scheinmedikament (Placebo). Während der Nachbeobachtungszeit von ca. sieben Jahren
  • erlitten in der ASS-Gruppe maßgeblich weniger Patienten (658, das entspricht 8,5 Prozent) einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder ähnliches Ereignis als in der  Placebo-Gruppe (743 Patienten bzw. 9,6 Prozent).
  • traten in der ASS-Gruppe deutlich mehr schwere Blutungen auf, nämlich bei 314 Patienten bzw. 4,1 Prozent, als in der Placebo-Gruppe (245 Patienten, bzw. 3,2 Prozent). Die Blutungen betrafen vermehrt den Magen-Darmtrakt, aber auch die Augen oder das Gehirn.
Nutzen und Risiko einer vorbeugenden Einnahme von ASS sind somit bei dieser Patientengruppe sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Die erhöhte Blutungsgefahr hebt einen möglichen Vorteil für Diabetes-Patienten, die in der Vergangenheit noch keinen Herzinfarkt, Schlaganfall oder ähnliches erlitten hatte, wieder auf. In früheren Studien gesammelte Hinweise auf einen Schutz vor Krebserkrankungen durch ASS (Acetylsalicylsäure) konnte diese Studie nicht bestätigen. In beiden Behandlungsgruppen erkrankten im Beobachtungszeitraum ähnlich viele Personen an Krebs (11,6 Prozent versus 11,5 Prozent). Um positive Langzeiteffekte zur Vorbeugung gegen Krebs nachzuweisen, war allerdings der Beobachtungszeitraum dieser Auswertung eventuell zu kurz, so die Autoren. Man darf also auf spätere Analysen der ASCEND-Daten gespannt sein. Quellen: ASCEND Study Collaborative Group:  Effects of Aspirin for Primary Prevention in Persons with Diabetes Mellitus. In: N Engl J Med., 2018, doi: 10.1056/NEJMoa1804988. [Epub ahead of print] Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V: Studie: Bei Diabetes-Patienten halten sich Nutzen und Risiko von Aspirin-Prophylaxe in der Waage, Pressemitteilung vom 27.08.2018  ]]>
Newsletter Diabetesinformationsdienst Therapieformen Folgeerkrankungen Typ-2-Diabetes - Prävention & Risikofaktoren Leben mit Diabetes Fri, 31 Aug 2018 09:42:52 +0200
Das Langzeitgedächtnis der Arterien https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/das-langzeitgedaechtnis-der-arterien//index.html Auch bei einer Verbesserung der Blutzuckerwerte bleibt bei Diabetes das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkt und periphere arterielle Verschlusskrankheit noch über Jahre erhöht. Eine aktuelle Veröffentlichung im ‚Nature‘-Magazin ‚Communications Biology‘ beleuchtet die Mechanismen, die hinter dem sogenannten „hyperglykämischen Gedächtnis“ stecken, sowie mögliche zukünftige Therapieansätze für Menschen mit Diabetes und Arteriosklerose.
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Auch bei einer Verbesserung der Blutzuckerwerte bleibt bei Diabetes das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkt und periphere arterielle Verschlusskrankheit noch über Jahre erhöht. Eine aktuelle Veröffentlichung im ‚Nature‘-Magazin ‚Communications Biology‘ beleuchtet die Mechanismen, die hinter dem sogenannten „hyperglykämischen Gedächtnis“ stecken, sowie mögliche zukünftige Therapieansätze für Menschen mit Diabetes und Arteriosklerose. Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sind bei Menschen mit Diabetes immer noch die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen oder Todesfälle. Angina pectoris, Herzinfarkte oder Schlaganfälle beruhen auf Arteriosklerose (auch Atherosklerose genannt). Hierbei handelt es sich um Gefäßverengungen, die durch Ablagerungen (Plaques) an den Wänden der Schlagadern (Arterien) entstehen.  

Hoher Blutzucker schädigt die Gefäße – langanhaltend

Bei Diabetes reichern sich die Entzündungszellen (Makrophagen, auch Fresszellen genannt), in arteriosklerotischen Belägen an den Gefäßwänden an. Sie bilden dort vermehrt das Redox-Protein p66Shc, wie die Forschergruppe nachwies. Dieses Protein sorgt für die Entstehung von reaktiven Sauerstoffverbindungen, die die Protein- und Zellfunktion verändern können. Oxidativer Stress schädigt die Gefäßwände. Trotz Normalisierung der Blutzuckerspiegel kann dieser Vorgang noch einige Zeit anhalten. Diese Beobachtung wird „hyperglykämisches Gedächtnis“ genannt.  Die Mechanismen, welche hinter diesem Phänomen stecken, waren bisher unbekannt. Mit der aktuellen Arbeit haben die Forschenden erstmals ein Protein nachgewiesen, welches an der Entstehung des hyperglykämischen Gedächtnisses beteiligt ist.

Diabetes und Arteriosklerose: Ansatzpunkt für mögliche Therapien

Doch die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ging noch weiter: sie identifizierten ein weiteres Protein, die Gerinnungsprotease „aktiviertes Protein C“. Es hebt die diabetesspezifischen Veränderungen an der Gefäßwand auf und entpuppt sich damit als ein möglicher therapeutischer Ansatzpunkt. Die Herausforderung sei nun, die Ergebnisse in größeren klinischen Studien zu bestätigen, so die Autoren.  Der Ansatz könne zu einem individualisierten Konzept zur Behandlung von diabetischen Patienten mit Arteriosklerose (Atherosklerose ) führen.

Quellen: Shahzad, K. et al.: Activated protein C reverses epigenetically sustained p66Shc expression in plaque-associated macrophages in diabetes. In: Communications Biology 1, 2018, Article number 104.  Universitätsklinikum Magdeburg: Auf dem Weg zu einem individualisierten Therapiekonzept für Diabetes-Patienten mit Atherosklerose. Pressemitteilung vom 24.08.2018 (letzter Abruf: 28.08.2018)]]>
Newsletter Diabetesinformationsdienst Grundlagenforschung Folgeerkrankungen Tue, 28 Aug 2018 10:24:38 +0200
Großer Informationsbedarf zu Diabetes in Deutschland https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/grosser-informationsbedarf-zu-diabetes-in-deutschland//index.html Bei gut der Hälfte der Gesamtbevölkerung in Deutschland besteht immer noch ein großer Informationsbedarf über die Krankheit Diabetes mellitus. Besonders in bildungsfernen Schichten ist das Wissen gering – dabei wäre hier Aufklärung besonders notwendig, da gerade bei Typ-2-Diabetes der Lebensstil eine große Rolle spielt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in einer Umfrage repräsentative Daten gesammelt.
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Bei gut der Hälfte der Gesamtbevölkerung in Deutschland besteht immer noch ein großer Informationsbedarf über die Krankheit Diabetes mellitus. Besonders in bildungsfernen Schichten ist das Wissen gering – dabei wäre hier Aufklärung besonders notwendig, da gerade bei Typ-2-Diabetes der Lebensstil eine große Rolle spielt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in einer Umfrage repräsentative Daten gesammelt. Zwar schätzt mehr als die Hälfte der Menschen ohne Diabetes ihr Wissen über das Krankheitsbild Diabetes mellitus sehr gut oder gut ein. In der Abfrage des tatsächlich vorliegenden Wissens zeigte sich jedoch, dass die Menschen sich häufig selbst überschätzen. Dies ergab die repräsentative telefonische Umfrage des RKI, an welcher rund 2.300 Personen ohne und rund 1.500 Personen mit diagnostiziertem Diabetes teilnahmen.
  • Zwei Drittel (66,2 Prozent) der Befragten wissen, dass bei Diabetes zu viel Zucker im Blut ist. Fast ebenso bekannt war, dass die Symptome von Diabetes sich meist schleichend entwickeln (62,6 Prozent).
  • Dass in Deutschland mehr Menschen von Typ-2-Diabetes als von Typ-1-Diabetes betroffen sind, weiß fast die Hälfte aller Befragten (49,6 Prozent).
  • Allerdings ist nur weniger als einem Drittel (31,3 Prozent) der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekannt, dass Diabetes keine Erkrankung der Blutzellen ist. 
  • Nur 26,9 Prozent beantworteten richtig, dass Typ-1-Diabetes nicht nach der Pubertät wieder verschwindet. Dass Typ-1-Diabetes nicht mit Tabletten behandelt werden kann, wissen 17,2 Prozent.

Vertrauenswürdige Information zu Diabetes ist entscheidend  

Insgesamt besteht ein deutlicher Informationsbedarf zum Thema Diabetes, denn Wissen ist eine notwendige Voraussetzung für gesundheitsförderliches Verhalten. Gut die Hälfte der Befragten ohne Diabetes gab an, nur schlecht oder überhaupt nicht informiert zu sein über Themen wie ‚Lebensstilanpassung, Gesundheitsförderung und Prävention‘. Auch Menschen mit hoher Bildung finden es derzeit schwierig, die Vertrauenswürdigkeit von Diabetes-Informationen in den Medien einzuschätzen. Befragte mit Diabetes wünschen sich mehr Informationen zum Thema ‚Behandlung und Therapie‘. Die Ergebnisse dieser Studie fließen in die Nationale Diabetes-Surveillance mit ein, eine deutschlandweite Datenerhebung zu Diabetes in Deutschland, an welcher das RKI derzeit arbeitet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wird die Daten zur Entwicklung von Strategien für eine verbesserte Information der Bevölkerung zum Thema Diabetes mellitus nutzen.
Quellen: Paprott, R. et al.: Erste Ergebnisse der Studie „Krankheitswissen und Informationsbedarfe – Diabetes mellitus (2017). In: Journal of Health Monitoring, 2018, 3(S3): 23 – 62. DOI 10.17886/RKI-GBE-2018-062  Ärztezeitung.de: Deutsche Bevölkerung: Viel Unwissen zu Diabetes. Meldung vom 21.08.2018 (letzter Abruf: 22.08.2018)]]>
Newsletter Diabetesinformationsdienst Leben mit Diabetes Typ-2-Diabetes Typ-1-Diabetes Vorbeugung Fri, 24 Aug 2018 07:42:00 +0200
Zuckerstoffwechsel und Fettabbau – alles zu seiner Zeit https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/zuckerstoffwechsel-und-fettabbau-alles-zu-seiner-zeit//index.html Insulinresistenz bekämpfen oder Energieverbrennung erhöhen – könnte die innere Uhr der Muskelzellen eventuell einen Ansatzpunkt dafür bieten? Eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) hat den 24-Stunden-Stoffwechsel-Rhythmus der Muskelzellen untersucht und dabei ein ganzes Stoffwechselnetzwerk aufgedeckt. Die Ergebnisse wurden nun im Journal 'PLOS Biology' veröffentlicht.
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Insulinresistenz bekämpfen oder Energieverbrennung erhöhen – könnte die innere Uhr der Muskelzellen eventuell einen Ansatzpunkt dafür bieten? Eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) hat den 24-Stunden-Stoffwechsel-Rhythmus der Muskelzellen untersucht und dabei ein ganzes Stoffwechselnetzwerk aufgedeckt. Die Ergebnisse wurden nun im Journal 'PLOS Biology' veröffentlicht. Quasi alle Zellen des menschlichen Körpers besitzen eine eigene innere Uhr. Sie steuert sämtliche Vorgänge, die nicht gleichzeitig stattfinden oder nicht mit immer gleicher Intensität ablaufen sollen, beispielsweise die Verwertung von Nährstoffen wie Fett und Proteinen. Gerät die innere Uhr des Körpers aber aus dem Takt, so kann das schwere Folgen für den Stoffwechsel haben. So ist beispielsweise bekannt, dass Menschen, die viel im Schichtdienst arbeiten, besonders anfällig für Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes sind. Das Wissenschaftlerteam hat nun zwei Proteine untersucht, die maßgeblich die innere Uhr der Muskelzellen regulieren und den 24-Stunden-Stoffwechsel-Rhythmus der Muskeln vorgeben. Diese beiden Moleküle binden an die DNA und stoßen alle nachfolgenden Prozesse an. In Muskelzellen von Mäusen konnten die Forscherinnen und Forscher die Aktivität dieser beiden Proteine im Tagesverlauf sehr genau ermitteln. Aufbauend auf früheren Studien untersuchten sie den Auf- und Abbau von Fetten und Proteinen.

Innere Uhr reguliert Fettspeicher und Zuckerstoffwechsel

Bestimmte Stoffwechselvorgänge sind vor allem in den Stunden vor dem Aufwachen besonders ausgeprägt, wohl um die Muskeln auf den kommenden Tag vorzubereiten. Beispielsweise das Speichern von Fett, der Zuckerstoffwechsel oder die Sensitivität gegenüber dem Hormon Insulin würden nachts von den Regulatoren der inneren Uhr angeschaltet, so die Autoren. Gleichzeitig würden gegenläufige Prozesse wie die Fettsäureoxidation oder der Proteinabbau heruntergefahren. Im letzten Schritt untersuchten die Forschenden Eingriffsmöglichkeiten in diese Vorgänge. Dazu beobachteten sie Mäuse, bei denen die oben beschrieben Proteine fehlten. Ohne ihre innere Uhr bildeten die Tiere deutlich weniger Fettmasse und die Produktion von Muskelproteinen wurde erhöht. Zusammengenommen decke die Arbeit auf mehreren Ebenen ein ganzes Stoffwechselnetzwerk auf, so die Autoren. Biologisch spannend sei dabei auch, dass der Taktgeber dafür nicht wie zu vermuten zentral im Gehirn sitzt, sondern die innere Uhr der Muskelzellen selbst sei. Langfristig wollen die Autoren die Mechanismen auch im Menschen untersuchen und eine Möglichkeit finden, darin einzugreifen. So wäre es demnach denkbar, eine Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetes zu bekämpfen, oder die Energieverbrennung anzukurbeln, um krankhaftes Übergewicht zu reduzieren.   Quellen: Dyar, K. et al.: Transcriptional programming of lipid and amino acid metabolism by the skeletal muscle circadian clock. In: PLOS Biology, 2018, DOI: 10.1371/journal.pbio.2005886 Helmholtz Zentrum München: Woher Muskeln wissen, wie spät es ist. Pressemitteilung vom 21.08.2018]]>
Newsletter Diabetesinformationsdienst Grundlagenforschung Tue, 21 Aug 2018 12:03:41 +0200
Teure Insulinanaloga unter der Lupe https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/aktuelles/nachrichten/nachrichten-aus-der-diabetesforschung/news/article/teure-insulinanaloga-unter-der-lupe//index.html Haben hochpreisige Basalinsulinanaloga einen Vorteil gegenüber günstigeren Verzögerungsinsulinen bei Typ-2-Diabetes? Diese Frage stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der US-amerikanischen Yale University und lieferten die Antwort im Fachmagazin ‚JAMA‘.
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Haben hochpreisige Basalinsulinanaloga einen Vorteil gegenüber günstigeren Verzögerungsinsulinen bei Typ-2-Diabetes? Diese Frage stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der US-amerikanischen Yale University und lieferten die Antwort im Fachmagazin ‚JAMA‘. Zunächst zur Erklärung: Bei der Insulintherapie von Diabetes kommen häufig Basalinsuline (auch Verzögerungsinsuline) zum Einsatz. Sie geben das Hormon über einen längeren Zeitraum ab und halten den Blutzucker entsprechend lange stabil. Eine Untergruppe davon bilden die sogenannten Neutral Protamin Hagedorn (NPH) Insuline, die nach dem dänischen Wissenschaftler Dr. Hans Christian Hagedorn benannt sind, der sie bereits 1936 entwickelte. Ihre Herstellung ist laut der aktuellen Studie relativ günstig. Ihnen gegenüber stehen die langwirksamen Insulinanaloga, die im Vergleich laut den Autoren zwei- bis zehnmal teurer sind.

Diese beiden Wirkstoffgruppen verglichen die Wissenschaftler in der aktuellen Studie: Dazu werteten sie rückblickend die Daten von 25.489 Menschen mit Typ-2-Diabetes aus. 1.928 davon hatten Insulinanaloga, 23.561 NPH-Insuline als Ersttherapie erhalten. Zur Verfügung gestellt hatte die Daten ein Versicherer, der als einer von wenigen noch NPH-Insuline bevorzugt. Der Beobachtungszeitraum lag zwischen 2006 und 2015, das Durchschnittsalter bei rund 60 Jahren.

Kaum Unterschiede bei Unterzuckerungen und Langzeitblutzucker

Konkret untersuchten die Forscher die Anzahl der unterzuckerungsbedingten Krankenhausaufenthalte. Bei den Insulinanaloga waren das 39, umgerechnet 11,9 Fälle pro 1.000 Personenjahre, bei den deutlich öfter verwendeten NPH-Insulinen 354 also 8,8 Fälle pro 1.000 Personenjahre. Die Auswertung der US-Forscher ergab in dieser Hinsicht also keinen signifikanten Unterschied. Auch auf den nach einem Jahr als HbA1c gemessenen Langzeitblutzucker hatte die Wahl des Wirkstoffs keinen unterschiedlichen Effekt. Zumindest bei den gemessenen Kriterien hätten die teureren Insulinanaloga also keinen Vorteil, so die Autoren. Anfügen muss man allerdings, dass die Wirkstärke und die Wirkdauer von NPH-Insulinen stark variieren können. Darüber hinaus sind sie in der Praxis nicht ganz so einfach zu handhaben wie die teurere Konkurrenz: Der milchig-trübe Bodensatz im Präparat muss vor dem Spritzen durch wiederholtes Kippen und Schwenken erst sorgfältig gelöst werden.

Quelle:
Lipska, K. et al.: Association of Initiation of Basal Insulin Analogs vs Neutral Protamine Hagedorn Insulin With Hypoglycemia-Related Emergency Department Visits or Hospital Admissions and With Glycemic Control in Patients With Type 2 Diabetes. In: JAMA, 2018, DOI:10.1001/jama.2018.7993]]>
Therapieformen Typ-2-Diabetes - Therapie Tue, 14 Aug 2018 12:31:48 +0200