Ernährung

Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus

Neben der medikamentösen Therapie und einem intensiven Bewegungsprogramm spielt bei Diabetes mellitus eine sinnvolle Ernährungstherapie eine entscheidende Rolle. Dabei ist es insbesondere wichtig auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten einzugehen. Eine Diabetes-gerechte Ernährung entspricht weitestgehend einer ausgewogenen vollwertigen Mischkost, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen wird. Körpergewichtsreduktion und Lebensstiländerung sind die primären Behandlungsziele bei Typ-2-Diabetikern, können aber gleichermaßen auf Menschen mit Typ-1-Diabetes angewandt werden, sofern ein Übergewicht vorliegt. Das Abstimmen von Insulingaben mit der Nahrungsaufnahme ist in erster Linie für Typ-1-Diabetiker bedeutend, es kann jedoch auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes relevant werden, sobald sie insulinpflichtig sind. Wer Normalinsulin spritzt, sollte die Nahrung auf drei Zwischenmahlzeiten und drei Hauptmahlzeiten verteilen. Werden Insulinanaloga verwendet, sollte man nur drei Mahlzeiten zu sich nehmen, um extreme Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu vermeiden.

Kurz und einfach erklärt im Video: Diabetes behandeln - heute und morgen (Länge: 3.01 Min)

© Diabetesinformationsdienst München / Helmholtz Zentrum München / Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Ernährung zur Unterstützung kurz- und langfristiger Therapieziele

Die Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus stellt folgende kurz- und langfristigen Ziele in den Fokus:

  • Das Erreichen von normgerechten Blutglukose- und HbA1c-Werten,
  • optimierten Blutfettwerten,
  • einem normalen Blutdruck, sowie die Vermeidung von  Hypo- und Hyperglykämien.

Ferner ist auch die Vorbeugung von Folgekomplikationen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden) von entscheidender Bedeutung. Diese Therapieziele lassen sich durch entsprechende Ernährungsmaßnahmen erreichen, insbesondere auch das Erzielen oder Halten des Normalgewichts (Body-Mass-Index 19 bis 24,9). Die Ernährungstherapie sollte mit Ernährungsplänen unter Berücksichtigung der Medikation individuell auf die Patienten abgestimmt werden, wobei auch eine entsprechende Diabetikerschulung von großer Bedeutung ist.

Interview mit Prof. Dr. Rüdiger Landgraf,
Deutsche Diabetes Stiftung

Diagnose Typ-2-Diabetes - was sind die ersten Schritte? Schulung, gesunde Ernährung, Bewegung, Raucherentwöhnung, Strategien zur Stressbewältigung gehören zu einer umfassenden Basistherapie.

Umgang mit Kohlenhydraten und Zucker

Vollkornnudeln
© Andre Bonn / Fotolia.com

Nach den in Abstimmung mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft erstellten Ernährungsempfehlungen soll die Kohlenhydrataufnahme zwischen 45 und 60 Prozent der Gesamtenergie liegen. Neben der Kohlenhydratzufuhr ist auch die Art der Kohlenhydrate von Bedeutung, wobei zwischen Kohlenhydraten, die schnell ins Blut gehen (z.B. Weißmehlprodukte) unterschieden wird und solchen, die langsam aufgenommen werden. Zu letzteren gehören unter anderem ballaststoffreichere Lebensmittel (z.B. Vollkornprodukte). Sie helfen, die Blutzuckerkontrolle zu verbessern und beeinflussen zudem die Insulinresistenz günstig. Die Ballaststoffaufnahme sollte idealerweise etwa 40g pro Tag betragen. Dies entspricht beispielsweise fünf Portionen Obst und Gemüse (ein großer Apfel, eine Schale Himbeeren, Salat, Kartoffeln als Beilage etc.) sowie zwei bis drei Scheiben Vollkornbrot.

Die Aufnahme von reinem Zucker (Glukose, Saccharose) ist nicht völlig verboten, vielmehr sind bis zu zehn Prozent der Gesamtkalorien in Form von Zucker erlaubt (bis zu 50g/Tag). Ihr Süßungsbedürfnis können Diabetiker mit kalorienfreien Süßstoffen, wie Zyklamat, Saccharin, Acesulfam, Aspartame oder Stevia decken. In Bezug auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke ist Wasser süßen oder gesüßten Getränken vorzuziehen.

GUT ZU WISSEN

In einer Tabelle des Verbraucherinformationssystems Bayern finden Sie eine Übersicht zum durchschnittlichen glykämischen Index einiger ausgewählter kohlenhydrathaltiger Lebensmittel.

Empfehlungen zum glykämischen Index kohlenhydrathaltiger Lebensmittel

Der glykämische Index (GI), ausgedrückt in Prozent, teilt kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel nach ihrer Wirkung auf den Blutzuckerspiegel ein. Als Referenzwert gilt der Blutzuckerspiegel nach Aufnahme von 50 g Glukose in Form von Traubenzucker, der gleich 100 Prozent gesetzt wird. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit hohem glykämischen Index (GI 70-100, z.B. Weißbrot, Cornflakes, Pommes frites) lassen den Blutzuckerspiegel rasch und hoch ansteigen, die Insulinantwort verläuft entsprechend. Umgekehrt gelangen kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index (GI<55, z.B. Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte) langsamer in den Stoffwechsel, was einen ausgewogenen Blutzuckerspiegel zur Folge hat. Kohlenhydratreiche Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index sind deshalb eine geeignete Wahl, vorausgesetzt auch die anderen Charakteristika des jeweiligen Lebensmittels erfüllen die Anforderungen an eine gesunde Ernährung.

IN KÜRZE

Für eine gesunde Ernährung wird folgende Zusammensetzung empfohlen: 45 bis 60 Prozent Kohlenhydrate, 30 bis 35 Prozent Fett, 10 bis 20 Prozent Eiweiß, 40 g Ballaststoffe und maximal 6 g Kochsalz täglich.

Umgang mit Fett und Eiweiß

Die Fettaufnahme sollte 35 Prozent der Gesamtenergie nicht überschreiten, wobei fettreiche Wurst- und Käsesorten, Schokolade, Kuchen und Gebäck gemieden werden sollten. Zum Kochen werden Öle empfohlen, die viele einfach ungesättigte  Fettsäuren enthalten (z.B. Olivenöl), anstelle fester tierischer und pflanzliche Fette (z.B. Schmalz, Kokosfett). Gesättigte (vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch) und trans-ungesättigte Fettsäuren (z.B. in Fertiggerichten oder Süßwaren) sollen zusammen unter zehn Prozent der Energieaufnahme liegen, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (z.B. in Sonnenblumen- oder Leinsamenöl) ebenfalls. Die tägliche empfohlene Aufnahme von Cholesterin wird mit einer Grenze von 300 mg pro Tag angegeben.

Die tägliche Zufuhr von Eiweiß sollte bei Patienten ohne Anzeichen auf eine Schädigung der Nieren bei 10 bis 20 Prozent der gesamten Nahrungsaufnahme liegen. Eine Begrenzung auf 0,8g/kg Normalgewicht/Tag ist bei Patienten mit einer vorliegenden Nierenerkrankung sinnvoll.

Die daraus resultierende eher kohlenhydratreiche, sowie fett- und eiweißbeschränkte Kost soll sich der mediterranen Küche annähern, das heißt reichlich Gemüse, Obst und Salat (Ballaststoffe), Öle mit mehrfach (z.B. Sonnenblumenöl) oder einfach ungesättigten Fettsäuren (z.B. Olivenöl) sowie mageres Fleisch, Fisch (Omega-3-Fettsäuren) und Magerquark als Eiweißträger beinhalten. Kochsalz sollte moderat eingesetzt werden (<6g/Tag).

Eine erfolgreiche Gewichtsabnahme steht und fällt auf Dauer mit der Reduzierung des Fettgehalts in der Nahrung. Ein wichtiges Gebot der Diabetesdiät liegt also nach wie vor in der Forderung, den Fettgehalt zu reduzieren und bei Übergewicht eine unterkalorische, also "kaloriengerechte" Ernährung anzustreben.

Diabetes und Alkohol

Geringe Mengen Alkohol sind für den erwachsenen Diabetiker zwar erlaubt, man muss allerdings berücksichtigen, dass Alkohol die Glukose-Freisetzung der Leber blockiert, der Blutzucker sinkt folglich, und die Gefahr einer Hypoglykämie steigt. Deshalb sollte Alkohol nur zusammen mit kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten aufgenommen werden. Besondere Vorsicht ist auch bei alkoholischen Getränken nach sportlicher Betätigung oder zusätzlicher körperlicher Aktivität geboten – auch hier besteht die Gefahr einer Hypoglykämie. Das Tageslimit bei Alkohol liegt für Frauen bei 10 g pro Tag, für Männer bei 20 g pro Tag, wobei 20 g Alkohol ungefähr einer Flasche Bier (0,5 l) bzw. einem Glas Wein (0,2 l) entsprechen.

Spezielle Diabetiker-Lebensmittel

Da sich die Ernährungstherapie für Diabetiker im Wesentlichen an einer ausgewogenen vollwertigen Mischkost orientiert, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) auch für gesunde Erwachsene empfohlen wird, sind nach aktuellem Wissenstand keine speziellen Diabetiker-Lebensmittel erforderlich. Sie enthalten Zuckeraustauschstoffe wie z.B. Fruktose oder Sorbit, die den gleichen Kaloriengehalt wie gewöhnlicher Zucker besitzen und dadurch keine Vorteile bringen. Zusätzlich können diese Produkte einen hohen Fettanteil aufweisen und dadurch mehr Kalorien als „normale“ Lebensmittel haben. Oftmals sind sie teurer als vergleichbare Nahrungsmittel. Ab Oktober 2012 dürfen deshalb nach einem Beschluss des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) keine Diabetiker-Lebensmittel mehr in den Handel gebracht werden.

Diabetiker-Kochkurse

Informationen zu Kochkursen für Diabetiker finden sich beim Institut für Ernährungsmedizin des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München. Unter der Leitung von Ernährungsberatern wird hier seit 2013 ein breit gefächertes Kursprogramm für Menschen angeboten, die ihre Ernährung erfolgreich umstellen möchten. Weitere Informationen zu den einzelnen Kursen, den Folgeterminen sowie zur Anmeldung erhalten alle Interessierten auf Anfrage beim Institut für Ernährungsmedizin.
Flyer: Übersicht der Kursangebote und Leistungen

"Der Diabetiker" in München bietet sowohl Kochkurse als auch ein Einkaufstraining sowie persönliche Beratung an.


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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Letzte Aktualisierung:

07. Mai 2014

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