Diabetes in Schule und Beruf

Soll ich den Kollegen von meinem Diabetes erzählen? Muss ich das vielleicht sogar? Wie wird mein an Diabetes erkranktes Kind in der Schule zurechtkommen? Im Ausbildungs- und Arbeitsleben wirft die Diagnose Diabetes bei Betroffenen eine Vielzahl an Fragen auf. Und auch Lehrer bzw. Arbeitgeber stehen der Krankheit oft unsicher gegenüber. Viele vermeintliche Fakten entpuppen sich bei genauem Hinsehen jedoch als Vorurteile.

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen - Eine Herausforderung für die ganze Familie

Die Diagnose Typ-1-Diabetes bei ihrem Kind stellt Eltern vor große Herausforderungen. Dr. Horst Seithe vom Klinikum Nürnberg beschreibt anschaulich und zugleich unterhaltsam, wie sie lernen können damit umzugehen und welche Aufgaben Eltern und Kinder in Kindheit, Jugend und der oft schwierigen Phase der Pubertät dabei zu bewältigen haben.
(Vortragsdauer: 31,58 Minuten)

Vollständige Präsentation


Sind Diabetiker in Schule und Beruf benachteiligt?

Dank des medizinischen Fortschritts lässt sich der Plasmaglukose-Spiegel bei einer Diabeteserkrankung heutzutage meist relativ gut einstellen, so dass die Betroffenen auch durch die Möglichkeiten der aktuellen Messung der eigenen Plasmaglukose ein relativ normales Leben führen können. Leider existieren aber immer noch viele Vorurteile gegenüber Diabetikern, weshalb auch manche Unternehmen zögern, Diabetiker einzustellen, obwohl diese bei guter Stoffwechseleinstellung in fast jedem Beruf arbeiten können.Die Diskriminierung gegenüber Menschen mit Diabetes ist in unserer Gesellschaft leider immer noch sehr verbreitet.

Eine ähnliche Situation erleben diabetische Kinder. Auch sie haben oft mit Nachteilen zu kämpfen. Ein normaler Schulalltag oder Kindergartenbesuch ist vielerorts nur eingeschränkt möglich, da das Personal normalerweise weder medizinisch ausreichend geschult noch rechtlich abgesichert ist. Aus diesem Grund werden an Diabetes erkrankte Kinder ohne Notwendigkeit immer wieder vom Sportunterricht oder Schulausflügen ausgeschlossen. Dies ist aber nicht überall in Europa so: In Schweden gibt es zum Beispiel ein Gesetz, dank dem eine medizinische Versorgung chronisch kranker Kinder im normalen Schulbetrieb sichergestellt ist.

Diabetes in Kindergarten und Schule

Erhobene Finger im Unterricht
© Robert Kneschke / fotolia.com

Prinzipiell können Kinder mit Diabetes alles mitmachen, was ihre Klassenkameraden tun – auch beim Sportunterricht. Es ist jedoch notwendig, dass Schule und Eltern in einen offenen Dialog miteinander treten. So sollten Eltern den Lehrern zum Beispiel erklären, welche Anzeichen ihr Kind bei einer Unterzuckerung zeigt – dies kann von Kind zu Kind unterschiedlich sein. Jüngere Kinder brauchen manchmal auch eine Erinnerung bzw. Unterstützung, zum Beispiel beim Plasmaglukose-Messen und Spritzen und bei der Nahrungsaufnahme. Am Sportunterricht können und sollen Kinder mit Diabetes teilnehmen, wobei die Lehrkraft das Kind im Auge behalten sollte, um bei Anzeichen für eine Unterzuckerung einzugreifen. Daneben muss das Kind jederzeit eine Übung beenden bzw. während des Unterrichts essen und messen dürfen, wenn es sich nicht wohl fühlt.  

Arbeiten Eltern und Schule gut zusammen, ist ein normaler Schulalltag problemlos möglich, dazu zählen auch besondere Aktivitäten wie Schulausflüge. Im Vorfeld sollten die Eltern des Kindes allerdings über bestimmte Dinge wie die Art der Verpflegung oder den Grad der körperlichen Belastung während des Ausflugs informiert werden.

Weitere Informationen sind auch bei der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrischer Diabetologen e. V. zu finden: Kinder mit Diabetes in der Schule bzw. Kinder mit Diabetes in Kindertagesstätten und Kindergärten

Diabetes im Beruf

Menschen mit Diabetes können nahezu alle Berufe und Tätigkeiten ausüben, zu denen sie nach Neigung, Begabung, praktischen Fähigkeiten und Ausbildung geeignet sind, sofern keine anderen schwerwiegenden Folge- und Begleiterkrankungen vorliegen. Wahl und Ausübung eines Berufes oder einer Tätigkeit können für einzelne Menschen mit Diabetes durch bestimmte Bedingungen des Berufes und/oder des Diabetes eingeschränkt sein. Deshalb sind einige wenige Tätigkeiten für Menschen mit Diabetes nicht oder weniger gut geeignet.

Kann der alte Beruf durch die Diabetes-Diagnose doch nicht mehr ausgeübt werden, muss man trotzdem nicht gleich an eine Umschulung denken. Für Arbeitgeber ist es sogar lohnenswert, zunächst nach einer Möglichkeit für einen firmeninternen Wechsel zu suchen; so bleibt dem Unternehmen die Berufserfahrung des Arbeitnehmers erhalten. Und auch Auszubildende, die an Diabetes erkranken, brauchen nicht zwangsweise um ihren Abschluss zu bangen: In manchen Berufen sind bestimmte, für Diabetiker ungeeignete Tätigkeiten nur zu Lehrzwecken erforderlich und treten im Berufsalltag nicht auf. In solchen Fällen gestattet es die Prüfungskommission einem Diabetiker meistens, diese Teile der Ausbildung auszusparen. Weiterführende Informationen rund um das Thema Diabetes im Beruf sind im Handbuch für Arbeitsmedizin zusammengestellt, die im Internet zum Download bereit steht.

GUT ZU WISSEN

Was für ein Fragerecht des Arbeitgebers gilt, gilt auch für Einstellungsuntersuchungen: Der Betriebsarzt unterliegt dem strikten Arztgeheimnis auch in Hinblick auf den Arbeitgeber.

Wann muss die Diabeteserkrankung erwähnt werden?

Dass man Dritte nicht gefährden sollte, versteht sich von selbst, daher gilt: Wer einen Beruf ausübt, bei dem er im Falle z. B. einer Unterzuckerung ein Risiko für sich selbst oder seine Mitmenschen darstellen könnte, sollte seinen Arbeitgeber über den Diabetes informieren. Ansonsten bleibt es Arbeitnehmern selbst überlassen, ob sie Chef und Kollegen auf ihre Krankheit ansprechen möchten. Dies gilt sowohl im Bewerbungsgespräch als auch im bestehenden Arbeitsverhältnis. Es darf nur dann nach Gesundheitsbeeinträchtigungen gefragt werden, wenn die Verwendung des Bewerbers auf den vorgesehenen Arbeitsplatz eingeschränkt sein kann und zwar nur dann, wenn die Erkrankung - also in diesem Fall Diabetes - ein besonderes Schadensrisiko begründet, das über das akzeptierte allgemeine und arbeitsplatzspezifische Schadensrisiko hinausgeht. Ist die Frage des Arbeitgebers nicht gerechtfertigt, muss sie auch nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden.

Dieselbe Rechtslage gilt auch für Inhaber eines Schwerbehindertenausweises. Da ihnen einige Sonderrechte zustehen, wie zum Beispiel Kündigungsschutz und Sonderurlaub, sollten sich Schwerbehinderte überlegen, Arbeitgeber von ihrer Erkrankung in Kenntnis zu setzen. Letztendlich sollte man nicht vergessen: Egal ob man dazu verpflichtet ist oder nicht, mit Kollegen offen über die Krankheit zu sprechen kann durchaus sinnvoll sein. So ist im Notfall immer jemand da, der Bescheid weiß und gegebenenfalls Erste Hilfe leisten kann.

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Quellen:

Letzte Aktualisierung:

26. Juni 2015

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