Diabetes: Motivation und Selbstmanagement

Schätzungen zufolge gerät fast die Hälfte aller Menschen mit Diabetes im Laufe ihres Lebens in eine Motivationskrise. Man hinterfragt den Sinn, täglich die Kraft für Messen, Spritzen, Tabletteneinahme, Kontrolle über Essen und Gewicht aufzubringen. Das Erlernen von Methoden zur Stressbewältigung ist von entscheidender Bedeutung, um auch mit Misserfolgen bei der Betreuung der eigenen chronischen Erkrankung umzugehen. Nicht selten ist dafür professionelle Hilfe empfehlenswert, damit es nicht zu einer längerfristigen Vernachlässigung der Behandlung kommt. Mittel und Wege zu kennen, mit deren Hilfe sich Menschen gerade in schwierigen Zeiten wieder selbst motivieren können, ist dringend erforderlich.

Begriffe

Motivation bei Diabetes
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Motivation bezeichnet laut Duden die Beweggründe und Einflüsse, die eine Entscheidung oder Handlung beeinflussen, beziehungsweise zu einer Handlungsweise anregen. Vereinfacht gesagt also: Warum und mit welchem Ziel tue ich etwas oder lasse es? Grundvoraussetzung dafür, auch auf lange Sicht motiviert zu sein und zu bleiben, ist die Akzeptanz eines Sachverhalts. Für Menschen mit Diabetes bedeutet das zu lernen, ihre chronische Erkrankung anzunehmen und damit zu leben. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Diabetes-Diagnose zu akzeptieren bzw. geraten in einer späteren Phase ihrer Erkrankung in eine Akzeptanzkrise.

Von Menschen mit Diabetes wird ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstmanagement erwartet. Sie sollen selbst ihre Plasmaglukose-Messwerte kontrollieren, sich entsprechend richtig behandeln und ihren Lebensstil der Erkrankung ständig anpassen, nicht nur in Hinblick auf Ernährung und Bewegung.

Plasmaglukose-Tagebücher - gedruckt oder online

online-Blutzuckertagebuch
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Für eine erfolgreiche Diabetes-Therapie ist es wichtig, seine Plasmaglukose-Werte zu kennen, sie langfristig zu beobachten und zu analysieren.

Dazu bekommt man nach der Diagnose vom behandelnden Arzt in der Regel ein Plasmaglukose-Tagebuch ausgehändigt. Besitzer eines PCs, Tablets oder Smartphones haben darüber hinaus heutzutage zahlreiche Möglichkeiten, über den Verlauf ihres Diabetes, ihre täglichen Plasmaglukose-Messungen und eingenommenen Medikamente ein online-Tagebuch zu führen. Die elektronische Datenspeicherung hat durchaus Vorteile gegenüber herkömmlichen Tagebüchern: Man kann seine Werte auch von unterwegs und auf Reisen eingeben, diese lassen sich in ihrem Verlauf grafisch darstellen und sind auch beim Arzt immer griffbereit. Einige Angebote beinhalten auch die Möglichkeit, die Werte dem behandelnden Arzt direkt zukommen zu lassen, was die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch erleichtert. Über das Internet können kostenpflichtige und auch kostenlose Angebote sowie kostenfreie Testversionen heruntergeladen werden. Für viele Menschen sind diese Tagebücher eine große Hilfe, um ihre persönliche Motivation zum "Durchhalten" aufrechtzuerhalten.

Hier eine kleine Auswahl von Angeboten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und nicht als Empfehlung zu verstehen):

www.diabetestagebuch.de
www.sidiary.org
www.accu-chek.de/
www.freeware.de/download/diabetes-tagebuch_43175.html
www.diabetes-programm.de/
www.diabass.de

Neben der Protokollierung der selbst gemessenen Plasmaglukose-Werte spielt der Gesundheits-Pass Diabetes für die Kooperation und Kommunikation zwischen Patient und den Ärzten eine entscheidende Rolle. In diesem Pass sind wichtige Informationen über den Gesundheitszustand des Menschen mit Diabetes strukturiert quartalsweise abgelegt. Es werden die notwendigen Parameter zur Beurteilung des Gefäßrisikos erhoben und das Wohlbefinden abgefragt. Auch die mit dem Arzt „ausgehandelten“ zeitnahen Therapieziele werden dort festgehalten.

Weblogs - Geteiltes Leid ist halbes Leid

Motivation bei Diabetes
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Im Internet gibt es eine Vielzahl sogenannter Diabetes Blogs oder auch Weblogs. Das sind im eigentlichen Sinne öffentlich geführte Tagebücher, in denen engagierte Betroffene Wissen, Erfahrungen und Gedanken zu ihrer persönlichen Situation und ihrem Leben mit dem Diabetes aufschreiben. Das Lesen und Mitempfinden von praktischen, alltäglichen Gedanken Gleichgesinnter bietet manch Einer/m Hilfe und Motivation für den eigenen Umgang mit dem Diabetes.

Hier eine kleine Auswahl an persönlichen Diabetes-Blogs:


Diabetes facts - Ratgeber und Erfahrungsberichte eines Typ-1-Diabetikers

Mein Diabetes Blog - Das Tagebuch zweier Typ-1-Diabetiker und Insulinpumpenträger

Wer nicht schreibt, verliert - Staeffs (er-)Leben mit Diabetes

Laufen mit Diabetes

Leben mit Mehr - Mein Leben zwischen Diabetes, Hörschädigung und Studium

Besonders in den Vereinigten Staaten gibt es zahlreiche Diabetes-Tagebücher im Web, hier einige englischsprachige Beispiele:

The Princess and the Pump - Tagebuch einer Typ-1-Diabetes-Familie

Scott´s Weblog - Tagebuch eines Typ-1-Diabetikers

Six until me - Tagebuch einer Typ-1-Diabetikerin

Das DiabetesBlog - Diabetesrisiko und Vorsorge

Darüber hinaus betreiben eine Reihe kommerzieller Anbieter Diabetes-Blogs. Dies können reine Informationsangebote sein oder auch als Plattformen für Werbung dienen. Bei solchen Anbietern lohnt sich in jedem Falle ein Blick ins Impressum des Blog-Betreibers.

Hier eine kleine Auswahl kommerzieller Diabetes-Blogs:

Diabetes Blog

My Handycap - Forum, Infos und Adressen für Menschen mit Behinderung

Diabetes Self Management (in englischer Sprache)

Und auch die Wissenschaft betreibt Diabetes-Blogs im Internet, so zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie:


http://blog.endokrinologie.net/

Schulungsangebote - Vom Wissen zum Handeln

Schulungsangebote Diabetes
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Nach der ersten Schulung im Anschluss an die Diabetes-Diagnose sowie der ärztlich begleiteten Plasmaglukose-Einstellung und Therapievereinbarung sind Menschen mit ihrem Diabetes erst einmal auf sich gestellt. Schulungsangebote sollen helfen, das Selbstmanagement des Diabetes zu unterstützen. Sie sollen Patienten das nötige Wissen und die Handlungskompetenz für ihr Leben mit dem Diabetes vermitteln und einen positiven Umgang mit der Krankheit fördern. Wenn dann die Motivation zum Selbstmanagement nachlässt, gilt es, sich neu zu motivieren und zu stärken. Dafür gibt es eine Reihe von weiterführenden Informations- und Schulungsangeboten, als schriftliche Patientenmaterialien oder Kursangebote.

Eine unabhängige wissenschaftlich begründete Zusammenstellung über Schulungsprogramme und Schulungsinhalte bietet die Nationale VersorgungsLeitlinie Diabetes - Strukturierte Schulungsprogramme.

Einer der größten Anbieter von Schulungsprogrammen für Menschen mit Diabetes ist das Forschungsinstitut Diabetesakademie Bad Mergentheim. Darüber hinaus bieten Patientenorganisationen und andere Anbieter eine Vielzahl von Sport- und Bewegungsangeboten für Betroffene.

Aber Angebote allein reichen natürlich nicht, wenn sie nicht wahrgenommen werden. Als motivationsfördernd gelten etwa Gruppensitzungen, Anregungen, zu Fuß zur Arbeit oder zur Schule zu gehen, oder Schrittzähler. Studien zeigen, dass solche Methoden, wenn sie auf die alltäglichen Bedürfnisse zugeschnitten sind, helfen können, zum Beispiel die individuelle Gehzeit zu verlängern.

Wissenschaftler befassen sich daher verstärkt mit der Frage, wie Menschen mit (vornehmlich Typ-2-)Diabetes zu mehr Bewegung motiviert werden können. Sie fordern etwa, dass Sporttherapeuten bereits in ihrer Ausbildung über die reine Fachkompetenz hinaus Fähigkeiten vermittelt bekommen, mit denen sie Patienten zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil motivieren können.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Wagner, P. et al.: Motivation zur Bewegung – Anfangen und Dabeibleiben. Vom Couchpotato zum Sportfan. – Diabetes aktuell, 2013, 11 (1):18-22
  • Rosenbaum; M.: Sport als Therapie – Erfahrungen eines Typ-1-Diabetikers. – Diabetes aktuell, 2013, 11 (1): 24-28
  • Ogilvie D. et al.: Interventions to promote walking: Systematic Review, . British Medical Journal,  2007, 334: 1204.

Letzte Aktualisierung:

26. Juni 2015

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