Diabetes: Kinderwunsch

Kinderwunsch bei Diabetes
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Früher mussten Frauen mit Diabetes ihren Kinderwunsch oft aufgeben; heute ist es dank besserer Diagnostik und Behandlungsmethoden auch für sie möglich, ein gesundes Kind zu bekommen. Zwar gibt es bestimmte Risiken für Mutter und Kind, die jedoch bei guter Planung und optimaler Betreuung vor und während der Schwangerschaft durch Diabetesspezialisten und Gynäkologen stark reduziert werden können, so dass sich Diabetikerinnen unbeschwert auf Familienzuwachs freuen können.

Welche Risiken bestehen für Mutter und Kind?

Mütter mit Diabetes müssen mit Komplikationen während und nach der Schwangerschaft rechnen. Zu den wichtigsten Risiken der Mütter während der Schwangerschaft zählen Bluthochdruck und Kaiserschnitt-Entbindungen sowie Harnwegsinfekte.

Eine weitere Komplikation stellt die sogenannte Präeklampsie (auch Gestose, Schwangerschaftsvergiftung) dar. Sie ist gekennzeichnet durch zu hohe Blutdruckwerte (Hypertonie) und eine vermehrte Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin (Proteinurie). Die Eklampsie, die schwerste Ausprägung der Gestose, ist eine sehr ernstzunehmende Notfallsituation, die sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.

Bei Frauen mit Typ-1-Diabetes muss mit einer erhöhten Rate schwerer Hypoglykämien (Unterzuckerungen) im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) gerechnet werden. Daher müssen die Therapieziele eventuell vorübergehend verändert bzw. entsprechend angepasst werden.
 
Der Insulinbedarf steigt ab dem 2./3. Trimenon um 50 bis 100 Prozent, bei stark übergewichtigen (adipösen) Patientinnen mit Typ-2-Diabetes ist oft sogar ein noch größerer Anstieg zu erwarten. Die Algorithmen für die Insulindosis richten sich nach den Blutglukoseselbstmessungen, die nüchtern/präprandial sowie auch eine Stunde nach den Mahlzeiten, vor dem Schlafengehen und bei Unsicherheit durchgeführt werden sollen. Mit der Geburt sinkt der Insulinbedarf drastisch auf Werte, die oft niedriger sind als die Insulindosis vor der Schwangerschaft. Es empfiehlt sich engmaschige Dosisanpassungen vorzunehmen, die sich am präkonzeptionellen Bedarf (d. h. vor der Befruchtung) orientieren.

IN KÜRZE

Die Entbindung aller Schwangeren mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes (mit Insulintherapie) sollte in einem Perinatalzentrum geplant werden.

Mögliche Komplikationen bei Ungeborenen und Geborenen lassen sich bereits im Vorfeld der Schwangerschaft reduzieren: Je besser die Stoffwechseleinstellung, umso niedriger ist das Risiko für Fehlbildungen. Auch die Gabe von Vitaminen wie Folsäure wirkt vorbeugend. Kinder von diabetischen Müttern haben, neben einem genetisch bedingtem Diabetesrisiko und einer erhöhten Fehlbildungsrate, auch ein größeres Risiko für bestimmte Herzfehler. Auch der unerklärte intrauterine Fruchttod zählt zu den möglichen Risiken.

Frauen mit Diabetes sollten in einem Perinatalzentrum entbinden, um auf alle möglichen Komplikationen schnell reagieren zu können. Die bei Diabetikerinnen erhöhte Frühgeburtlichkeitsrate steigt bei schlechter Stoffwechseleinstellung drastisch an. Typische neonatale kindliche Komplikationen sind unter anderem Hypoglykämie (Unterzuckerungen), Hyperbilirubinämie (Gelbsucht), Polyglobulie (überschießende Bildung roter Blutkörperchen) oder Atemstörungen.

GUT ZU WISSEN

Für werdende Mütter mit Typ-1-Diabetes ist es wichtig, sich regelmäßig auf Infektionen hin testen zu lassen, denn sie erhöhen das Risiko einer Frühgeburt und treten bei Typ-1-Diabetes häufiger auf als bei gesunder Stoffwechsellage.

Was sollte die Diabetikerin während der Schwangerschaft beachten?

Heute gilt als wissenschaftlich belegt, dass ein starker Zusammenhang zwischen der Stoffwechseleinstellung und der Gesundheit des Embryos besteht. Das gilt bereits vom Zeitpunkt der Empfängnis an. Es wird deshalb empfohlen, schon drei Monate vor Eintritt der Schwangerschaft einen HbA1c-Wert anzustreben, der idealerweise niedriger als 6,5 Prozent, mindestens aber unter sieben Prozent liegt. Insgesamt sollte täglich sechs Mal die Plasmaglukose gemessen werden: je einmal vor jeder Mahlzeit, und jeweils eine Stunde danach. Der Mittelwert sollte dann zwischen 105-110 mg/dl liegen. Abweichende Werte können sich unter Anderem in unregelmäßigem Wachstum und verändertem Geburtsgewicht niederschlagen. Um etwaigen diabetesbedingten Komplikationen möglichst frühzeitig entgegen zu wirken, werden schwangeren Diabetikerinnen zusätzliche Ultraschalluntersuchungen empfohlen. Mit ihnen lässt sich schnell erkennen, wenn das Kind an Wachstumsstörungen leidet. Ab dem siebten Schwangerschaftsmonat sollte man das Ungeborene alle zwei bis vier Wochen untersuchen lassen.

Da jede Schwangerschaft einer Diabetikerin eine Risikoschwangerschaft bedeutet, sollte die Betreuung der Frauen von einem Diabetologen und Gynäkologen erfolgen und die Geburt in einem Perinatalzentrum organisiert werden.

Wie verläuft die Geburt bei Diabetikerinnen?

Stillen ist gut für das Kind und wird Diabetikerinnen ausdrücklich empfohlen.
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Die Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) empfehlen, zur Entbindung eine Klinik zu wählen, die über eine Abteilung für Neonatologie verfügt und darauf eingerichtet ist, Neugeborene im Notfall vor Ort intravenös mit Glukose zu behandeln. Die Zuckerwerte der Mutter sollten bei Einsetzen der Geburt zwischen 70 und 110 mg/dl liegen. Während der Geburt werden die Werte alle ein bis zwei Stunden überprüft. Setzen die Wehen so früh ein, dass eine Behandlung zur Wehenhemmung erforderlich ist, muss der Plasmaglukose-Wert ebenfalls streng im Auge behalten werden, da einige Medikamente den Stoffwechsel sehr ungünstig beeinflussen.

Das Neugeborene sollte gleich zum Stillen an die Brust gelegt werden; dies stabilisiert nachweislich den Plasmaglukose-Spiegel des Neugeborenen und beugt Unterzuckerungen vor. Um dieser häufigsten Komplikation bei Kindern diabetischer Mütter vorzubeugen, wird der Plasmaglukose-Spiegel des Säuglings auch im weiteren Verlauf überwacht. Das erste Mal erfolgt die Messung bereits zwei bis drei Stunden nach der Geburt. Daneben ist es wichtig, auf mögliche Symptome für eine Unterzuckerung zu achten.

IN KÜRZE

Stillen ist gut für das Kind und wird Diabetikerinnen ausdrücklich empfohlen. Zu beachten ist, dass der Insulinbedarf in dieser Zeit um bis zu 25 Prozent sinken kann.

Nach der Geburt - Kann die Diabetikerin ihr Kind stillen?

Diabetikerinnen können nicht nur, sie sollten - wenn möglich - ihr Kind stillen. Bei Typ-1-Diabetikerinnen wurde zum Beispiel gezeigt, dass längeres Stillen das Risiko des Kindes verringert, ebenfalls einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln. Man geht außerdem davon aus, dass Stillen auch einem späteren Übergewicht des Kindes vorbeugt. Interessanterweise spielt dabei aber die Menge der Muttermilch eine Rolle, die das Kind in der ersten Lebenswoche erhält – zu viel kann auch das Gegenteil bewirken.

Für die Mutter ist es wichtig daran zu denken, dass der Insulinbedarf gegenüber dem Bedarf vor der Schwangerschaft um bis zu 25 Prozent sinkt, wenn die Milchproduktion einsetzt. Dies erfordert eine entsprechende Anpassung der Insulinmenge.

Wegen der sehr limitierten Datenlage ist bei Frauen mit Typ-2 -Diabetes die Fortsetzung der Insulintherapie während der gesamten Stillzeit ratsam, sofern eine  pharmakologische Therapie des Diabetes erforderlich ist. Mit Insulin lässt sich zudem der Stoffwechsel differenzierter einstellen. Gleiches gilt auch für eine Frau mit Gestationsdiabetes, die nach der Geburt ihres Kindes antidiabetisch behandelt werden muss.

Schwangerschaftsdiabetes - Was ist das?

Im Jahr 2010 wurde bei 3,7 Prozent der schwangeren Frauen ein Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt, diagnostiziert. Bei dieser Form der Stoffwechselstörung tragen, ähnlich wie beim Typ-2-Diabetes, Faktoren wie Übergewicht, energiedichte und unausgewogene Ernährung, aber auch eine genetische Veranlagung zur Entstehung bei. Die Krankheitsmechanismen des Gestationsdiabetes sind bis heute nicht im Detail verstanden. Man vermutet aber, dass die betroffenen Frauen bereits vor der Schwangerschaft eine Unempfindlichkeit für das eigene Insulin haben (sog. Insulinresistenz), die sich während der Schwangerschaft deutlich verstärkt.

Video: Diabetes in der Schwangerschaft - was tun?

In seinem Vortrag beim 1. Patiententag des Diabetesinformationsdienstes am Helmholtz Zentrum München (März 2013) erklärt Dr. Michael Hummel, Lehrstuhl für Diabetes und Gestationsdiabetes TU München und Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, mit welchen Risiken für Mutter und Kind ein Schwangerschaftsdiabetes oder ein vor der Schwangerschaft bereits bestehender Diabetes verbunden sein kann. 
(Vortragsdauer: 23,16 Minuten)

1. Patiententag Diabetes from Helmholtz Zentrum München on Vimeo.


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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Letzte Aktualisierung:

25. Juni 2015

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