Diabetes: Im Krankenhaus

Manchmal lässt er sich leider nicht vermeiden: der Krankenhausaufenthalt. Sei es auf Grund von Problemen mit der Diabetes-Einstellung, Sekundärkomplikationen des Diabetes oder wegen anderer akuter oder chronischer Krankheiten, die nicht mit dem Diabetes in Zusammenhang stehen. Menschen mit Diabetes sollten bei einem Klinikaufenthalt einige Dinge beachten.

 

Sind Diabetiker öfter im Krankenhaus?

Diabetiker sind im Schnitt 2,4-mal öfter im Krankenhaus als Nicht-Diabetiker und müssen etwa ein Drittel der Zeit länger dort bleiben. Statistisch gesehen treten Folgekomplikationen z. B. nach Operationen (Infektionen, Wundheilungsverzögerungen, Thrombosen oder Embolien) bei Menschen mit Diabetes häufiger auf. Es konnte aber auch gezeigt werden, dass bei guter Stoffwechseleinstellung operative und postoperative Komplikationen keineswegs häufiger sind als bei Nicht-Diabetikern. Bei geplanter stationärer Einweisung sollten Diabetiker das Klinikpersonal bereits im Vorfeld über ihre Erkrankung informieren. Eine gute Vorbereitung auf den Klinikaufenthalt erleichtert die Betreuung für Patient, Arzt und Pflegepersonal während der Behandlung und kann viele Probleme vermeiden.

Wie sollen sich Diabetiker vorbereiten?

Wenn möglich sollten Diabetiker eine Klinik wählen, die über einen entsprechenden Facharzt oder idealerweise eine Abteilung für Diabetologie verfügt. Eine Liste mit entsprechenden Adressen findet man zum Beispiel auf der Homepage der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Ein wichtiger Teil der Vorbereitung besteht darin, an alle Dinge zu denken, die unbedingt in das mitzunehmende Klinik-Gepäck sollten. Dazu gehören nicht nur die eigenen Medikamente (Tabletten und Insuline) und die Standardausrüstung mit Plasmaglukose-Messgerät, Teststreifen, Nadeln etc., sondern auch alle Aufzeichnungen den Diabetes betreffend, zum Beispiel der Gesundheits-Pass. Natürlich sollten auch die Befunde des Hausarztes über den geplanten Klinikaufenthalt, aber auch aktuellere Befunde von Spezialisten (z. B. Kardiologe, Augenarzt etc.) und Befunde von durchgeführten bildgebenden Verfahren (Röntgen-, CT-, NMR-Bilder) nicht fehlen. Eine Zusammenfassung aller wichtigen Dinge, die Sie als Diabetiker im Krankenhaus dabei haben sollten, finden Sie in unserer Checkliste.

Ist die passende Klinik einmal gefunden - im Notfall ist die nächst gelegene Klinik anzusteuern -, sollten die Ärzte und das Pflegepersonal über den Diabetes unterrichtet werden. Dabei sollten die Betroffenen angeben, welche Medikamente sie momentan einnehmen (aktuellen Medikamentenplan zeigen!), wie ihr Therapiekonzept aussieht und welche zusätzlichen Erkrankungen bestehen (z. B. Sehbehinderung durch Retinopathie oder Gefühlsstörungen der Füße und Beine durch Neuropathie, koronare Herzerkrankung, chronische Lungenerkrankung, Niereninsuffizienz u. a.).

Was ist mit Plasmaglukose-senkenden Medikamenten?

Diese Frage ist nur individuell zu beantworten und richtet sich nach der Art der Therapie, dem Diabetes-Typ, den vorhandenen Organschäden (u. a. Leber- und Nierenerkrankungen) und der Größe und Länge des operativen Eingriffs. Letztendlich entscheidet der behandelnde Arzt das Vorgehen.

Bei kurzdauernden Eingriffen gelten folgende Empfehlungen gemäß S3-Leitlinie "Therapie des Typ-1-Diabetes" der Deutschen Diabetes Gesellschaft:

Bei Typ-1-Diabetikern:

  • kein Frühstück
  • bei Basis/Bolustherapie nur die übliche Basalinsulin-Dosis injizieren
  • bei konventioneller Therapie 50 Prozent der üblichen Dosis als Verzögerungsinsulin
  • Insulintherapie während der Operation richtet sich nach Schwere der Operation

Detaillierte Informationen hierzu finden sich in der S3-Leitlinie "Therapie des Typ-1-Diabetes" der Deutschen Diabetes Gesellschaft auf den Seiten 48 ff.

Bei Typ-2-Diabetikern - mit Insulin behandelter Diabetes:

  • am Vortag: Insulin wie üblich
  • am OP-Tag: bisherige Insulintherapie fortsetzen oder 25 Prozent des Gesamtinsulinbedarfs morgens als Basalinsulin (subkutan)
  • während und kurz nach der OP: Plasmaglukosekontrolle und Insulin nach Korrekturschema
  • nach der OP - wenn abends keine Nahrungsaufnahme möglich: Basalinsulintherapie fortsetzen, Plasmaglukosekontrollen und Insulin nach Korrekturschema; am Folgetag häusliche Therapie wieder aufnehmen
  • nach der OP - wenn abends Nahrungsaufnahme möglich: häusliche Therapie wieder aufnehmen

Bei Typ-2-Diabetikern - mit oralen Antidiabetika behandelter Diabetes:

  • vor der OP: alle oralen Antidiabetika zwölf Stunden vor der Operation absetzen
  • während und kurz nach der OP: Plasmaglukosekontrolle und Insulin nach Korrekturschema
  • nach der OP - wenn abends keine Nahrungsaufnahme möglich: Plasmaglukosekontrollen und Insulin nach Korrekturschema; am Folgetag häusliche Therapie wieder aufnehmen
  • nach der OP - wenn abends Nahrungsaufnahme möglich: häusliche Therapie wieder aufnehmen; Metformin erst 48 Stunden nach der OP wieder einnehmen (wenn die Nierenfunktion dies erlaubt)

Die Plasmaglukosemessung erfolgt während des operativen Eingriffs stündlich, anschließend alle zwei bis vier Stunden.
Detaillierte Informationen finden sich in der Nationalen VersorgungsLeitlinie "Therapie des Typ-2-Diabetes" auf den Seiten 172 ff.

Bei langdauernden Eingriffen gelten folgende Empfehlungen:

Bei Typ-1-Diabetikern:

  • bei langdauernden komplizierten Operationen mit anschließender künstlicher Ernährung: intravenöse Insulintherapie
  • engmaschige Plasmaglukosekontrollen
  • engmaschige Elektrolytkontrollen mit entsprechender Substitution

Detaillierte Informationen hierzu finden sich in der S3-Leitlinie "Therapie des Typ-1-Diabetes" der Deutschen Diabetes Gesellschaft auf den Seiten 48 ff.

Bei Typ-2-Diabetikern:

  • im Prinzip wie oben ausgeführt
  • während oder kurz nach der Operation stündliche Plasmaglukosekontrollen und Insulingabe über Perfusor
  • nach der Operation alle zwei bis vier Stunden Plasmaglukose kontrollieren und Korrektur nach Schema oder mit Perfusor (auf Intensivstation)
  • Glukose 5 Prozent als begleitende Infusion
  • Wiederaufnahme der subkutanen Insulingabe mit der ersten Mahlzeit nach der Operation

Orale Antidiabetika erst bei stabilem Zustand und geregelter Nahrungsaufnahme

Detaillierte Informationen finden sich in der Nationalen VersorgungsLeitlinie "Therapie des Typ-2-Diabetes" auf den Seiten 172 ff.

Wie verläuft eine Operation bei Diabetikern?

Im besten Falle plant der Arzt den Eingriff für den Morgen ein. Auf diese Weise muss der Diabetiker nicht zu lange nüchtern bleiben und auf seine Medikamente verzichten. Die Plasmaglukose sollte konstant überwacht werden, vor dem Eingriff sollte der Wert in nüchternem Zustand bei 80-160 mg/dl liegen. Bei hohen Werten (250-300 mg/dl) und eventueller Ketonurie, sollte die Operation unter Umständen verschoben werden.

Bei einem längeren Eingriff erhalten Betroffene eine Glukose-Insulin-Kalium-Infusion zur Kontrolle des Diabetes.

Was nehme ich mit ins Krankenhaus? – Checkliste

Medikamente und Ausrüstung:

  • eigene Medikamente (Tabletten, Insulin etc.); Medikamentenplan
  • Traubenzucker/Notfall-BEs für den Nachtschrank
  • Plasmaglukose-Messgerät/Teststreifen/Pen(s)/Nadeln für den Pen/evtl. eine Spritze etc.

Dokumente:

  • Befunde des Hausarztes und aktuelle Befunde von Spezialisten einschließlich Befunde von technischen Untersuchungen (Röntgen, CT, NMR) zum geplanten Eingriff
  • Gesundheits-Pass Diabetes
  • Plasmaglukose-Tagebuch

Sonstiges:

  • Ist in der Klinik ein Arzt (Diabetologe), der sich mit Diabetes besonders gut auskennt oder eine Diabetesberaterin?
  • Habe ich alle nötigen Stellen über den Diabetes informiert (Arzt, Anästhesist, Pflegepersonal)?
  • Habe ich alle Medikamente und deren Dosierung angegeben, die ich momentan einnehme (inklusive den rezeptfreien Medikamenten z. B. Aspirin, Ibuprofen)?
  • Habe ich die Ärzte über Folgekomplikationen des Diabetes und andere Krankheiten informiert, an denen ich leide?

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Quellen:

Letzte Aktualisierung:

13. April 2015

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