Lebensstil

Typ-2-Diabetes: Schicksal oder Eigenverantwortung?

29. Mai 2017

Ist Diabetes vom Typ 2 wirklich eine chronische und unweigerlich fortschreitende Erkrankung? Aktuelle Studien zeigen, dass bereits ein gesunder Lebensstil und eine vorübergehende Einnahme von Medikamenten den Blutzuckerspiegel auf Dauer normalisieren können.

Typ-2-Diabetes: Schicksal oder Eigenverantwortung © crazymedia/Fotolia

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Eine kanadische Forschergruppe verordnete Männern und Frauen mit einem Langzeitblutzuckerwert HbA1c von 7,5 bis 8,5 Prozent, bei welchen in den letzten drei Jahren Diabetes vom Typ 2 diagnostiziert wurde, eine intensive „Stoffwechsel-Kur“ über einen Zeitraum von 16 Wochen. Die Therapie bestand aus

  • Ernährungsumstellung: Verminderung der täglichen Energiezufuhr um 500 bis 750 Kilokalorien
  • Steigerung der körperlichen Aktivität: pro Woche 150 Minuten moderates Training, Gymnastik in kleinen Gruppen, Einsatz eines Schrittzählers (Ziel: 10.000 Schritte pro Tag)
  • Medikamentöser Behandlung mit einem langwirkenden Insulin und zusätzlichen antidiabetischen Medikamenten (Metformin, Acarbose)

Nach dem Ablauf der 16 Wochen wurden die Medikamente wieder ausgeschlichen. Die veränderte Ernährung und körperliche Aktivität sollten jedoch soweit wie möglich beibehalten werden.

Ergebnis: bei fast 41 Prozent der Patienten konnte nach dem Behandlungszeitraum eine deutliche Verbesserung des Zuckerstoffwechsels über zwölf Wochen aufrechterhalten werden, mit HbA1c-Werten von weniger als 6,5 Prozent.

Motivation von Menschen mit Typ-2-Diabetes durch Telemedizin

Eine deutsche Studie zeigte, dass diese dauerhaften Effekte auch bei langjährigen Diabetikern möglich sind. Am Telemedizinischen Lifestyle Programm (TeLiPro) des Deutschen Instituts für Telemedizin und Gesundheitsförderung (DITG) nahmen Patienten mit einem durchschnittlichen HbA1c von 8,2 Prozent teil, deren Typ-2-Diabetes im Mittel schon seit elf Jahren bestand. Sie wurden früher bereits mit verschiedenen antidiabetischen Medikamenten und Insulin behandelt.

Eine Patientengruppe erhielt über zwölf Wochen eine zusätzliche Betreuung mithilfe der Telemedizin: Anhand eines Computerprogramms konnten die Teilnehmer ihre selbstgemessenen Blutzuckerwerte sowie die körperliche Aktivität täglich dokumentieren. In wöchentlichen Telefonaten mit Diabetesberaterinnen besprachen sie den Verlauf  der Werte und wurden zum Durchhalten und Erreichen von Zielen motiviert. Der HbA1c Wert sank in dieser Gruppe bereits während des dreimonatigen Programms durchschnittlich um 1,1 Prozent. Auch nach einem Jahr lag der Wert noch 0,7 Prozent unter dem Ausgangswert. Weiterhin zeigten sich positive Auswirkungen auf das Körpergewicht, das Herzkreislaufsystem und die Lebensqualität. 

Gemäß den Autoren müssen die Ergebnisse dieser Studien an größeren Patientengruppen und über eine längere Laufzeit hinweg bestätigt werden. Trotzdem liefern sie schon jetzt gute Argumente dafür, dass es sinnvoll und nachhaltig ist, einen gesünderen Lebensstil zu pflegen. Nicht nur die Lebensqualität des Einzelnen, sondern auch das gesamte Gesundheitswesen könnte davon profitieren.

Quellen:

McInnes, N. et al.: Piloting a Remission Strategy in Type 2 Diabetes: Results of a Randomized Controlled Trial. In: J Clin Endocrinol Metab (2017) 102 (5): 1596-1605.

Kempf, K. et al.: Efficacy of the Telemedical Lifestyle intervention Program TeLiPro in Advanced Stages of Type 2 Diabetes: A Randomized Controlled Trial. In: Diabetes Care 2017 May; dc170303.

Aerztezeitung.de: Diabetes ist ein "Walking Deficiency Syndrome". Artikel vom 23.05.2017 (letzter Abruf: 30.05.2017)


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