Forschung Gehirn und Diabetes: Perspektiven

Neben einem besseren Verständnis der Zuckerkrankheit eröffnet die Erforschung des Zusammenspiels zwischen Gehirn und Glukosestoffwechsel Ansatzpunkte für neue Therapien.

Bislang werden die Patienten mit Insulin beziehungsweise mit Medikamenten, die die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse anregen oder die Wirksamkeit des Hormons verbessern, behandelt. Damit bekommt man zwar die Blutzuckerwerte in den Griff, heilen lässt sich die Krankheit so aber nicht.

Eine ergänzende Behandlung mit Wirkstoffen, die gezielt in die blutzuckerregulierenden Mechanismen im Gehirn eingreifen, könnte das ändern, so die Hoffnung der Diabetesforscher. In Tierexperimenten wird das bereits erprobt und die Ergebnisse sind vielversprechend. So senkt die Gabe von Leptin bei Mäusen mit Typ-1-Diabetes den Glukosespiegel im Blut ebenso zuverlässig wie Insulin. Der Botenstoff FGF21 führt bei zuckerkranken Tieren dazu, dass sich ihr Glukosehaushalt deutlich verbessert. 

Nach einer einmaligen Applikation des eng verwandten Botenstoffes FGF1 in das Gehirn von diabetischen Nagern konnten Wissenschaftler der Washington University in Seattle, USA, sogar die dauerhafte Senkung der Blutglukose und komplette Remission des Diabetes beobachten. 

Kombinationshormone auf Erfolgskurs gegen Adipositas und Diabetes

Der Grund für diesen spektakulären Erfolg der FGF1-Gabe ist nach wie vor unklar, die Versuche weisen allerdings den Weg für die therapeutische Behandlung von Typ-2-Diabetes. Hormonelle Botenstoffe stehen hierbei im Zentrum der Forschung, und dienen als Grundlage für die Entwicklung von neuartigen Kombinationshormonen. Wie im Baukasten werden hierbei zum Beispiel einzelne Teile von Peptidhormonen zu einem neuen Co-Agonisten zusammengesetzt, um die positiven Eigenschaften der Einzelkomponenten zu nutzen und gleichzeitig negative Eigenschaften gezielt auszublenden.

So konnte im Jahr 2009 erstmals ein Peptidhormon bestehend aus dem Darmhormon GLP1 sowie dem Bauchspeicheldrüsen-Hormon Glucagon erfolgreich kombiniert werden und im Tiermodell bahnbrechende Effekte als Medikament gegen Fettleibigkeit- und Typ-2-Diabetes erzielen. GLP1-Glucagon-Hormonpräparate durchlaufen derzeit bereits erfolgreich die verschiedenen Stadien der klinischen Erprobung am Menschen und werden in absehbarer Zeit voraussichtlich Aufnahme in die klinische Praxis finden.

Viele ähnliche Kombinationspräparate wie z.B. GLP1-GIP und GLP1-Glucagon-GIP sind auf dem gleichen Weg, und können in Zukunft die personalisierte und maßgeschneiderte Therapie des Diabetes-Patienten erleichtern. Bis es jedoch hierzu kommt und die neuen Hormon-Präparate eine Marktzulassung erreichen, stehen noch zahlreiche Langzeit- und Sicherheitsstudien an, unter anderem durchgeführt von Partnern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung hier am Forschungsstandort Deutschland.

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Quellen:

  • Scarlett, J.M., et al.: Central injection of fibroblast growth factor 1 induces sustained remission of diabetic hyperglycemia in rodents. In: Nat Med, 2016, 1–10. doi:10.1038/nm.4101
  • Day, J.W., et al.: A new glucagon and GLP-1 co-agonist eliminates obesity in rodents. In: Nat. Chem. Biol., 2009, 5, 749–757. doi:10.1038/nchembio.209
  • Brandt, S.J., et al.: Peptide-based multi-agonists: a new paradigm in metabolic pharmacology. In: J. Intern. Med., 2018, doi:10.1111/joim.12837

Letzte Aktualisierung:

15.10.2018

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