Gehirn und Diabetes: Grundlagen

Seit einigen Jahren rückt das Gehirn stärker in den Fokus der Diabetesforschung. Dabei kristallisiert sich mehr und mehr heraus: Gehirn und insulinproduzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse sind gemeinsam für einen ausgewogenen Blutzuckerhaushalt (Glukose-Homöostase) verantwortlich. In einem komplexen Wechselspiel, an dem auch Leber, Muskeln, Fettgewebe und verschiedene hormonelle Signalstoffe beteiligt sind, regulieren sie zusammen den Zuckerstoffwechsel.

Neue wissenschaftliche Studien legen zudem nahe, dass es nicht nur in einem dieser Steuerungssysteme eine Störung geben muss, damit sich ein Diabetes entwickelt, sondern in mehreren. Diese Erkenntnisse, so die Hoffnung der Wissenschaft, könnten zur Entwicklung neuartiger Therapien führen, mit denen sich die Zuckerkrankheit heilen oder von vornherein verhindern lässt.

 

Geschichte

Die Idee, dass das Gehirn bei der Regulation des Zuckerstoffwechsels eine zentrale Rolle spielt, ist alles andere als neu: Bereits im Jahre 1854 manipulierte der französische Mediziner Claude Bernard bei Ratten den Boden der vierten Hirnkammer, mit der Folge, dass die Tiere an Diabetes erkrankten. Als 1921 das Insulin entdeckt wurde, geriet diese Vorstellung aber lange Zeit in Vergessenheit. Die Wissenschaft konzentrierte sich darauf, mehr über das blutzuckersenkende Hormon und seine Bedeutung bei der Zuckerkrankheit zu erfahren. Mit Erfolg: So steht längst fest, dass bei Menschen mit Typ-1-Diabetes die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zu Grunde gehen. Beim Typ-2-Diabetes werden die Körperzellen unempfindlich für die Wirkung des Insulins und können deshalb den Hauptenergielieferanten Glukose nicht mehr optimal aufnehmen. Diese so genannte Insulinresistenz treibt dann den Blutzuckerspiegel der Patienten in die Höhe. Dass es auch in vielen Hirnregionen Insulinrezeptoren gibt, ist zwar schon länger bekannt. Doch erst seit einigen Jahren wird genauer erforscht, welche Bedeutung das Denkorgan für die Steuerung des Glukosestoffwechsels und damit für die Entstehung von Diabetes hat.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Heni, M. et al.: Nasal insulin changes peripheral insulin sensitivity simultaneously with altered activity in homeostatic and reward-related human brain regions. In: Diabetologia, 2012, 55(6): 1773-1782
  • Könner, C. et al.: Role for insulin signaling in catecholaminergic neurons in control of energy homeostasis. In: Cell Metabolism, 2011, 13(6): 720-728
    Sartorius, T. et al.: Leptin affects insulin action in astrocytes and impairs insulin-mediated physical activity. In Cellular Physiology and Biochemistry, 2012, 30(19: 238-248
  • Schwartz, M. et al.: Cooperation between brain and islet in glucose homeostasis and diabetes, In: Nature, 2013, 503: 59-66
  • Tschritter, O. et al.: High cerebral insulin sensitivity is associated with loss of body fat during lifestyle intervention. In: Diabetologia, 2012, 55(1): 175-182
  • University of Washington: Brain may play key role in blood sugar metabolism and diabetes development“. Pressemitteilung 6. November 2011 (Letzter Abruf: 15.04.2014)

Letzte Aktualisierung:

20.12.2016

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