Typ-1-Diabetes: Grundlagen

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter, laut Aussage der evidenzbasierten Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter". Die Autoimmunerkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, der Erkrankungsgipfel liegt in der Pubertät im Alter von 10-15 Jahren. Bei Typ-1-Diabetes gehen Insulin-produzierende Zellen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse zu Grunde, da das körpereigene Immunsystem sie angreift und zerstört (Inselautoimmunität mit Bildung von Inselautoantikörpern gegen Strukturen der Betazellen). Dadurch kann die Bauchspeicheldrüse den Körper nicht mehr ausreichend mit Insulin versorgen. Hat die Zerstörung der Betazellen ein bestimmtes Maß überschritten, bricht die Erkrankung aus und aufgrund des Insulinmangels steigen die Blutzuckerwerte.
 

Hier befindet sich ein Video von Vimeo. Mit Ihrer Zustimmung wird eine Verbindung zu Vimeo aufgebaut. Vimeo setzt gegebenenfalls auch Cookies ein. Für weitere Informationen klicken Sie hier.

Kurz und einfach erklärt im Video: Was passiert bei Diabetes? (Länge: 2:13 Min)

© Diabetesinformationsdienst München / Helmholtz Zentrum München / Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

 

 

Symptome

Folgende Symptome können bei Typ-1-Diabetes auftreten:



  • starkes Durstgefühl

  • verstärkter Harndrang
  • Gewichtsabnahme
  • Muskelschwäche

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit

  • schlechte Wundheilung
  • trockene Haut

  • Sehstörungen
Arztgespräch
© Gina Sanders / Fotolia.com

Typische Veränderungen in Blutbild und Urin sind:

  • Hyperglykämie (erhöhte Blutglukosespiegel)
  • vermehrte Ausscheidung von Glukose mit dem Harn (Glukosurie)
  • Übersäuerung des Blutes durch Ansammlung von Ketonkörpern (Ketoazidose)

Die Überzuckerung kann zu Beginn der Erkrankung akut zu schweren Stoffwechselentgleisungen führen und den Fettstoffwechsel negativ beeinflussen: Es entstehen dann vermehrt Substanzen (Ketone), die den Säurewert des Blutes senken. Dadurch kann es zu der Übersäuerung des Blutes (diabetische Ketoazidose) kommen. Typische Symptome hierfür sind Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit, vertiefte zwanghafte Atmung, Bewusstseinstrübung und -verlust, übelriechender Atem oder Urin. Die diabetische Ketoazidose kann ihrerseits ein Koma auslösen.

Eine schlechte Blutzuckereinstellung begünstigt Folgeerkrankungen wie Nieren- (diabetische Nephropathie) und Nervenschäden (diabetische Polyneuropathie), Netzhauterkrankungen und sonstige Augenschäden (diabetische Retinopathie), das diabetische Fußsyndrom sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein hoher Zuckergehalt im Blut schädigt nämlich kleine und große Blutgefäße (Mikro- und Makroangiopathie) sowie die Nerven.
 

Typ-1-Diabetes früh erkennen

In ihrem Vortrag beim 3. Patiententag des Diabetesinformationsdienstes am Helmholtz Zentrum München (Mai 2015) erklärt Dr. Katharina Warncke von der Kinderklinik München Schwabing, wie Typ-1-Diabetes früh erkannt werden kann - schon bevor Symptome auftreten.

Hier befindet sich ein Video von Vimeo. Mit Ihrer Zustimmung wird eine Verbindung zu Vimeo aufgebaut. Vimeo setzt gegebenenfalls auch Cookies ein. Für weitere Informationen klicken Sie hier.

Krankheitsmechanismen

Antikörper
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Zerstörerisches Immunsystem

Der Typ 1-Diabetes zählt zu den Autoimmunerkrankungen, das heißt der Körper bekämpft körpereigene Zellen mit den „Waffen“ seines Immunsystems. Die Krankheit ist durch die Zerstörung der Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet.

Zum Untergang der Betazellen führt nach der Autoimmunreaktion letztlich eine chronische Entzündung der Langerhans-Inseln, dem Teil der Bauchspeicheldrüse, in denen die Betazellen liegen. Als Ausdruck dieser Entzündung treten bereits Jahre vor dem Krankheitsausbruch Antikörper gegen Inselzellen im Blut auf, sogenannte Inselautoantikörper.

Die größte diagnostische Bedeutung kommt den folgenden vier Inselautoantikörper-Typen zu:

  • Autoantikörper gegen zytoplasmatische Inselzellbestandteile (abgekürzt ICA),
  • Autoantikörper gegen Insulin (IAA),
  • Autoantikörper gegen Glutaminsäure Decarboxylase (GADA)
  • Autoantikörper gegen Tyrosinphosphatase IA2 (IA2-Ak).

Mit Hilfe der Antikörperdiagnostik kann auch zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes unterschieden werden. Darüber hinaus kann auch bei vermeintlich gesunden Personen festgestellt werden, ob eine autoimmune Entzündung der Betazellen (Insulitis) vorliegt, und somit ein Risiko für Typ-1-Diabetes besteht.

Eine Autoantikörper-Testung ist vor allem bei Diabetes-Risikopersonen sinnvoll. Dazu zählen Verwandte von Typ-1-Diabetikern und Personen mit anderen Autoimmunerkrankungen, insbesondere Hashimoto thyreoiditis, Zöliakie oder Morbus Addison. Je mehr Inselautoantikörper im Blut gefunden werden, desto schneller tritt bei den Risikogruppen Diabetes auf.

Auch in der frühen Diagnose von Kindern mit Typ-1-Diabetes-Risiko spielen die Autoantikörper eine wichtige Rolle. Mittlerweile weiß man, dass fast alle Kinder, die mindestens zwei verschiedene Autoantikörper aufweisen, früher oder später einen klinisch manifesten Typ-1-Diabetes entwickeln.

80 Prozent aller Kinder, die an Typ-1-Diabetes erkranken, wiesen die Autoantikörper bereits im Alter von weniger als fünf Jahren auf.

Hier befindet sich ein Video von Vimeo. Mit Ihrer Zustimmung wird eine Verbindung zu Vimeo aufgebaut. Vimeo setzt gegebenenfalls auch Cookies ein. Für weitere Informationen klicken Sie hier.

IN KÜRZE

Eine aktive Rolle bei der Zerstörung der Betazellen spielen vermutlich  T-Zellen, zytotoxische Zellen oder T-Killerzellen.

Die Rolle der T-Zellen im Zerstörungsprozess

Wenn die Krankheit diagnostiziert wird, sind in der Regel schon über 80 Prozent der Betazellen zerstört. Eine aktive Rolle bei der Zerstörung der Betazellen spielen bestimmte T-Zellen. Es handelt sich um CD8-positive T-Zellen, sogenannte zytotoxische Zellen oder T-Killerzellen. Im Gegensatz zu anderen Zelltypen können sie die Antigene direkt attackieren, ohne den Umweg über andere Immunzellen zu nehmen.

zum Seitenanfang
Druckversion

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.