Schwangerschaftsdiabetes: Grundlagen

Als Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes (GDM) genannt, bezeichnet man eine Glukosetoleranzstörung, die während der Schwangerschaft auftritt und diagnostiziert wird.

Wie entsteht Schwangerschaftsdiabetes?


Schwangerschaftsdiabetes manifestiert sich in der Regel zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. Der Grund: Schwangerschaftshormone, die vor allem vermehrt in der zweiten Schwangerschaftshälfte ausgeschüttet werden, wirken als Gegenspieler von Insulin und hemmen entsprechend die Insulinwirkung. Die Schwangere benötigt also mehr Insulin als sonst.

Während einer normalen Schwangerschaft erhöht sich die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse um das bis zu Vierfache der regulären Produktion. Auf diese Weise versucht die Bauchspeicheldrüse, den veränderten Stoffwechselanforderungen gerecht zu werden.

Wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Insulin zu produzieren, steigt der Blutzuckerspiegel an, und es bildet sich ein Schwangerschaftsdiabetes aus.

Kurz und einfach erklärt im Video: Was passiert bei Diabetes? (Länge: 2:13 Min)

© Diabetesinformationsdienst München / Helmholtz Zentrum München / Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

 

 

Risiken für die Mutter

Mütter mit Schwangerschaftsdiabetes müssen mit Komplikationen während und nach der Schwangerschaft rechnen. Zu den wichtigsten Risiken der Mütter während der Schwangerschaft zählen Bluthochdruck sowie Harnwegsinfekte aufgrund des erhöhten Zuckergehalts im Urin. Zusätzlich besteht ein höheres Risiko für Frühgeburtlichkeit und Kaiserschnittentbindungen.

IN KÜRZE

Frauen mit insulinpflichtigem Schwangerschaftsdiabetes haben ein sehr hohes Risiko, in den Jahren nach der Entbindung an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Zwar verschwindet die Stoffwechselstörung in der Regel nach der Geburt des Kindes wieder, doch viele Frauen entwickeln im späteren Leben Typ-2-Diabetes. Das zeigt unter anderem die Deutsche Gestationsdiabetes-Studie, die vom Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, und der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München durchgeführt wurde. In dieser Studie sind 63,6 Prozent der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes bis zu fünfzehn Jahre nach der Entbindung an Typ-2-Diabetes erkrankt. Besonders gefährdet für die Entwicklung von Diabetes nach der Schwangerschaft sind nach der Deutschen Gestationsdiabetes-Studie Frauen, die während der Schwangerschaft Insulin spritzen mussten, sowie stark übergewichtige Frauen. Auch die familiäre Veranlagung spielt eine Rolle. Stillen des Neugeborenen für mindestens drei Monate wirkt sich dagegen schützend auf das Diabetes-Risiko der Mutter aus.

Es gibt auch vermehrt Hinweise darauf, dass Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ein höheres Risiko haben, nach der Entbindung Depressionen zu entwickeln. Dies wurde insbesondere bei Frauen beobachtet, die ihr Kind per Kaiserschnittgeburt zur Welt gebracht haben.

Darüber hinaus weisen Frauen nach Gestationsdiabetes ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen (wie z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall) auf.

Risiken für das Kind

Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes haben unter anderem ein erhöhtes Risiko, mit einem erhöhten Geburtsgewicht zur Welt zu kommen. Dies führt dazu, dass Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ihre Kinder häufiger nicht auf natürlichem Weg gebären können. Der Anteil überdurchschnittlich schwerer Kinder von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ist in den vergangenen Jahren mit circa zwanzig Prozent gleichbleibend hoch.

IN KÜRZE

Schwangerschaftsdiabetes ist keine harmlose Begleiterscheinung, sondern kann für Mutter und Kind nachteilige gesundheitliche Folgen haben, falls keine adäquate Behandlung erfolgt.

Langfristig haben Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Die Deutsche Gestationsdiabetes-Kinder-Studie konnte zeigen, dass im Alter von elf Jahren bereits mehr als dreißig Prozent der Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes übergewichtig sind. Dabei hatten Kinder von übergewichtigen Müttern das höchste Risiko, selber übergewichtig zu werden.

Prägung im Mutterleib

IN KÜRZE

Eine bereits in der Gebärmutter erfolgte „Fehl-Programmierung“ des kindlichen Stoffwechsels kann in späteren Jahren zu Übergewicht und Typ-2-Diabetes führen.

Kinder, bei denen während der Schwangerschaft erhöhte Insulinwerte auftraten, haben ein dreieinhalbfach erhöhtes Risiko, eine gestörte Glukosetoleranz zu entwickeln, gegenüber Kindern mit normalen Insulinspiegeln während der Schwangerschaft. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von "intrauteriner Programmierung" (intrauterin = in der Gebärmutter). Dieser Begriff bezeichnet einen Prozess, bei dem Ernährung und Hormone die künftige Funktion von Organen und Organsystemen dauerhaft prägen. Die Insulinsekretion des Ungeborenen legt den Sollwert für die Regulation der Insulinsekretion nach der Geburt fest.

Unterschiede zwischen bereits vorhandenem mütterlichen Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes

Ein bereits vor der Schwangerschaft erkannter Typ-1-Diabetes oder Typ-2-Diabetes fällt nicht unter den Begriff Gestationsdiabetes. Durch die Zunahme von Übergewicht bei Frauen im gebärfähigen Alter tritt auch zunehmend ein vor der Schwangerschaft unerkannter Typ-2-Diabetes auf, der zu erhöhten Blutzuckerwerten bereits vor der 24. Schwangerschaftswoche führt. Dieser hat vergleichbare Folgen für Mutter und Kind wie ein bereits vor der Schwangerschaft diagnostizierter Diabetes. Deshalb sollte bei Frauen mit erhöhtem Risiko für Schwangerschaftsdiabetes ein "Frühscreening" auf mütterlichen Diabetes durchgeführt werden.

Ein bereits vor der Schwangerschaft bestehender Typ-1-Diabetes erhöht das Risiko für die Entwicklung von Übergewicht und Diabetes beim Kind: Schlecht eingestellte Blutzuckerwerte der Typ-1-Diabetikerin können die Blutglukosewerte des ungeborenen Kindes ebenfalls erhöhen (fetale Hyperglykämie) und zu erhöhten Insulinspiegeln im Fruchtwasser führen. Die mögliche Folge ist eine Fehlprogrammierung der Gewichts- und Stoffwechselregulation des Kindes. Ein vorbestehender Diabetes kann zudem weitere Komplikationen bergen, wie zum Beispiel eine Frühgeburt. Daher ist eine engmaschige ärztliche Überwachung der Schwangerschaft nötig. Frauen mit Diabetes und Kinderwunsch sollten sich bereits vor der Schwangerschaft umfassend informieren.

In der BABYDIAB-Studie untersuchen Münchner Forscher 1.650 Kinder und junge Erwachsene mit familiärer Veranlagung für Typ-1-Diabetes. Ein Ergebnis: Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes kommen im Vergleich zu Kindern gesunder Mütter mit erhöhtem Geburtsgewicht zur Welt und werden seltener gestillt. Beide Faktoren erhöhen das Risiko der Kinder, später übergewichtig zu werden, unabhängig von der Diabetes-Erkrankung der Mutter.

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Quellen:

Letzte Aktualisierung:

16. Mai 2018

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