LADA - Der spät auftretende Typ-1-Diabetes

Diagnose Diabetes 1 oder 2?
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Der Begriff LADA (latent autoimmune diabetes in adults) beschreibt eine besondere Diabetesform: Die Patienten weisen spezielle Autoantikörper wie bei Typ-1-Diabetes auf, benötigen jedoch in den ersten sechs Monaten nach Diagnosestellung meist noch keine Insulintherapie und sind bereits älter als 35 Jahre.

Häufig erhalten diese Patienten anfangs die Diagnose Typ-2-Diabetes. Das Krankheitsbild wird dann aber dem Typ-1-Diabetes immer ähnlicher. Falls Laboruntersuchungen Autoantikörper im Blut zeigen, stellt die Ärztin oder der Arzt die Diagnose LADA – zum Teil erst Jahre nach der Erstdiagnose. In der Regel treten bei LADA Autoantikörper gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD-Antikörper) auf.

Meist sind die Betroffenen schlanker als Typ-2-Diabetiker, zeigen jedoch auch Hinweise auf ein metabolisches Syndrom wie Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie, erhöhte Triglyceride) und Bluthochdruck. Häufiger als klassische Typ-1-Diabetiker tragen sie Risikogene für Typ-2-Diabetes.

Verbreitung und Diagnose des LADA

Erhalten Erwachsene die Diagnose Diabetes, findet man LADA etwa dreimal häufiger als den klassischen Typ-1-Diabetes: Wissenschaftler untersuchten in der bislang größten europäischen Studie „Action LADA 7“ über 6.000 Erwachsene im Alter zwischen 30 und 70 Jahren in den ersten fünf Jahren nach Diagnosestellung. Bei 9,7 Prozent dieser Patienten wiesen sie Insel-Autoantikörper nach (überwiegend GAD-Antikörper). Diese Zahlen sind vergleichbar mit Daten aus der UK Prospective Diabetes Study (UKPDS). In dieser Studie trugen 10 Prozent der klinisch als Typ-2-Diabetiker eingestuften Patienten Inselantikörper (GAD-Antikörper).

Die Definition eines LADA bleibt auch heute noch unscharf. Er ist abzugrenzen vom klassischen Typ-1-Diabetes, bei welchem zwei oder mehr Arten von Insel-Autoantikörper vorliegen und die Betroffenen von Diagnosestellung an Insulin spritzen müssen. Falsche Ernährung, Bewegungsmangel und stetig steigende Insulindosen können auch bei Patienten mit Typ-1-Diabetes im Verlauf von Jahren zu Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes führen.

Forscher empfehlen, folgende Parameter als diagnostische Entscheidungshilfe heranzuziehen:

  • das Alter bei Beginn der Erkrankung,
  • den Body Mass Index (BMI),
  • Antikörper gegen Glutamatdecarboxylase (GAD),
  • HbA1c als Blutzuckerlangzeitwert
  • den HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment) zum Nachweis einer möglichen Insulinresistenz.

GUT ZU WISSEN

Nicht alle LADA-Patienten benötigen früh Insulin. Obwohl bisher nur wenige Studien zu Therapie des LADA vorliegen, geben klinische und laborchemische Parameter den Diabetologen ausreichend Hinweise auf eine für den einzelnen Patienten geeignete Therapie.

Therapie des LADA

Bedeutet ein positiver GAD-Antikörper-Befund in jedem Fall, dass der Patient oder die Patientin – früher oder später – mit einer Insulintherapie beginnen muss?

Verschiedene Faktoren spielen hierbei eine Rolle: im Allgemeinen benötigen jüngere, schlankere Menschen mit einem Body Mass Index (BMI) von weniger als 25 kg/m2, einem höheren Langzeitblutzuckerwert HbA1c sowie einer bestimmten genetischen Hochrisiko-Komponente früher Insulin. Zudem spielen die Höhe der GAD-Antikörper-Konzentration, das Vorliegen weiterer Autoimmunmarker und das Ausmaß der Insulinrestsekretion eine Rolle.

Im Durchschnitt beginnen 70 Prozent der LADA-Patienten, die jünger sind als 45 Jahre, innerhalb von sechs Jahren nach der Diagnose mit einer Insulintherapie. Sind die Patienten älter als 45 Jahre, werden im Schnitt nur noch 40 Prozent von ihnen insulinpflichtig.

Ist die Konzentration der GAD-Antikörper relativ niedrig, und liegen keine weiteren Insel-Autoantikörper vor, kann man davon ausgehen, dass die Betazellmasse des Körpers noch ausreicht, um weiterhin genügend Insulin zu produzieren. In diesen Fällen sollte es genügen, den Blutzuckerspiegel engmaschig zu überwachen und – falls notwendig  antidiabetische Medikamente einzunehmen.

Individuelle Therapieziele sind wichtig

Ähnlich wie beim klassischen Typ-2-Diabetes sollte der Arzt oder die Ärztin gemeinsam mit den Patienten individuelle Therapieziele vereinbaren. Die sogenannten Inkretin-basierten Medikamente könnten helfen, den Blutzuckerspiegel ohne Gefahr von Unterzuckerungen zu kontrollieren und eine Gewichtszunahme zu vermeiden. Zu dieser Medikamentengruppe gehören GLP-1-Analoga, die die Wirkung des Darmhormons GLP-1 nachahmen. Das Hormon GLP-1 steuert die Insulinausschüttung nach den Mahlzeiten.

Bisher gibt es jedoch noch keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit von Metformin und anderen Diabetesmedikamenten bei der Behandlung des LADA. Forschungsansätze einer frühen „Impfung“ mit Aluminium-gebundenem GAD, das unter die Haut gespritzt wurde, erbrachten keinen positiven Effekt.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Hawa, M. et al. & Action LADA 7 Consortium: Adult-Onset Autoimmune Diabetes in Europe is Prevalent with a broad Clinical Phenotype. In: Diabetes Care, 2013; 36:908-913
  • Turner, R. et al.: Prospective Diabetes Study Group, UKPDS 25: autoantibodies to islet-cell cytoplasm and glutamic acid decarboxylase for prediction of insulin requirement in type 2 diabetes. In: Lancet, 1997; 350:1288-1293
  • Tuomi, T. et al.: The many faces of diabetes: A disease with increasing heterogeneity. In: Lancet, 2014, 383:1084-94
  • Zampetti, S.: High GADA titer increases the risk of insulin requirement in LADA patients: a 7-year follow-up (NIRAD study 7). In: Eur J Endocrinol, 2014, 71:697-704
  • Krause, S. et al.: GAD Autoantibody Affinity in Adult Patients with latent Autoimmune Diabetes, the Study Participants of a GAD65 Vaccination Trial. In: Diabetes Care, 2014, 37:1675-1680
  • Williams, A. et al.: Detection of Antibodies directed to the N-Terminal Region of GAD is dependent on Assay Format and Contributes to Differences in the Specificity of GAD Autoantibody Assays for Type 1 Diabetes. In: Diabetes, 2015, 65:3239-3246
  • Zhao, Y. et a.: Dipeptidyl peptidase 4 inhibitor sitagliptin maintains β-cell function in patients with recent-onset latent autoimmune diabetes in adults: one year prospective study. In: J Clin Endocrinol Metab, 2014, 99:E876-80
  • Johansen, OE. et al.: C-Peptide Levels in Latent Autoimmune Diabetes in Adults Treated With Linagliptin Versus Glimepiride: Exploratory results from a 2-year, double-blind, randomised, controlled study. In: Diabetes Care, 2014, 37:e11-e12

Letzte Aktualisierung:

19.10.2018

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