Diabetes und Nerven

Die diabetische Neuropathie (Schädigung der peripheren Nerven) kann bei allen Formen des Diabetes mellitus auftreten. Sie ist eine sehr häufige und für den Patienten oftmals sehr unangenehme Komplikation. Bei Diagnose eines Typ-2-Diabetes wird die Neuropathie bereits bei zwölf Prozent der Patienten gefunden. Danach steigt die Häufigkeit der Neuropathie linear mit der Diabetesdauer bis auf 50 Prozent nach 25 Jahren an. Noch höhere Häufigkeitsraten werden von Autoren berichtet, die die sensitiveren Techniken der klinischen Neurophysiologie anwendeten. Die Läsion der peripheren Nerven ist demzufolge eine häufig unterschätzte Komplikation des Diabetes mellitus.

aktive Nervenzellen
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Bei der diabetischen Neuropathie wird der Stoffwechsel der Nervenzellen durch die hohen Blutzuckerspiegel gestört und in den Zellen lagern sich Abbauprodukte ab. Die mikrovaskulären Veränderungen der Nervenkapillaren mit Verschluss des Lumens und Verdickung der Gefäßwände werden bei Biopsien immer wieder beobachtet. Der daraus entstehende Sauerstoffmangel schädigt die jeweiligen Nerven.

Diabetische Neuropathien lassen sich in sensomotorische diabetische Polyneuropathien und autonome diabetische Neuropathien einteilen: Bei der diabetischen sensomotorischen Polyneuropathie kommt es häufig zu einem Verlust von Tast-, Vibrations- und Temperatursensibilität. Seltener treten Muskelschwund und eine massive Muskelschwäche auf.

Die sensomotorische diabetische Neuropathie im Bereich der Beine trägt wesentlich zur Entwicklung von Missempfindungen an den Füßen ("Ameisenlaufen"), Schmerzen und schlecht heilenden Wunden (Fußulzerationen) bei. Sie ist ein wichtiger Faktor in der Entwicklung des "diabetischen Fußes".

Die autonome diabetische Neuropathie kann sich an allen Abschnitten des autonomen Nervensystems manifestieren und dabei schwerste subjektive Störungen verursachen. Besonders gefürchtet sind Völlegefühl, Erbrechen und Diarrhoen bei Beteiligung des Magen-Darm-Trakts. Probleme können beim Wasserlassen bei neuropathischer Blase auftreten. Impotenz ist meist der autonomen Neuropathie zuzuordnen. Auch die Nerven des Herzens können betroffen sein. Die diabetische kardiale autonome Neuropathie kann zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen. In Studien wurde eine eindeutige Beziehung von autonomer diabetischer Neuropathie und der Stoffwechseleinstellung aufgezeigt.

Spätschäden früh erkennen und behandeln

Dr. Christoph Beck vom Klinikum Nürnberg stellt in seinem Vortrag auf dem 3. Patiententag des Diabetesinformationsdienstes am Helmholtz Zentrum München Krankheitsbilder vor, die sie als Spätfolge des Diabetes mellitus entwickeln können. Viele Organsysteme können betroffen sein - Augen, Nieren, Gehirn, Herz, Blutgefäße der Beine sowie Nerven. 

Vollständige Präsentation


Symptome einer Nervenschädigung

Am Anfang verläuft eine Polyneuropathie zumeist beschwerdefrei. Allerdings liegen bereits in dieser Phase ein gestörtes Vibrations-, Wärme- und Kälteempfinden vor. Im weiteren Verlauf können Schmerzen an den Füßen während der Nachtruhe sowie Missempfindungen wie Kribbeln, Pelzigkeits- oder Taubheitsgefühl an Händen und Füßen auftreten. In fortgeschrittenem Stadium einer Nervenschädigung kann die Beweglichkeit eingeschränkt sein, im Extremfall drohen Behinderungen und Invalidität.

GUT ZU WISSEN

Diabetesbedingte Nervenschädigungen können Beschwerden bei allen inneren Organen hervorrufen.

Zu den Langzeitkomplikationen gehört das diabetische Fußsyndrom. Risikofaktoren für die diabetische Neuropathie sind neben erhöhten Blutzuckerwerten, Alkohol, Nikotin, erhöhte Fettgewebemengen im Bauchraum, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck. Fakt ist, dass nach zehnjähriger Diabeteserkrankung mehr als die Hälfte aller Diabetiker Symptome einer diabetischen Nervenschädigung haben.

Prävention und Therapie diabetesbedingter Nervenschädigungen

GUT ZU WISSEN

Spezifische Empfehlungen zur Therapie enthält die Nationale Versorgungsleitlinie "Neuropathie bei Diabetes im Erwachsenenalter" der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Die beste prophylaktische und zugleich therapeutisch wichtige Maßnahme ist die optimale Blutzuckereinstellung. Es ist zudem für Diabetiker ratsam, auf häufigen Alkoholkonsum und Nikotin zu verzichten. In klinischen Studien konnten darüber hinaus positive Effekte durch eine Reihe von Medikamenten gefunden werden. Generell gilt, dass die Prognose der diabetischen Neuropathie bei kurzer Diabetesdauer gut ist, bei Langzeitdiabetikern sind neuropathische Ausfälle jedoch oftmals nicht reversibel.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Letzte Aktualisierung:

06. April 2016

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