Diabetes und Herz

Kranzarterie
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Unter den verschiedenen Folgeschäden bei Diabetikern kommt der Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) und dem Herzinfarkt die größte Bedeutung zu. Besonders häufig sind ältere Typ-2-Diabetiker betroffen, der Herzinfarkt liegt aber auch bei Diabetikern vor dem 50. Lebensjahr an erster Stelle der Todesursachen. In Relation zu Personen ohne Zuckerkrankheit ist der Diabetes bei Frauen ein noch größerer Risikofaktor für eine lebensbedrohliche Herzgefäßerkrankung als bei Männern.

Glücklicherweise haben in den letzten zwei Jahrzehnten Herz-Kreislauf-Komplikationen in den Industrienationen, bei Diabetikern und Nichtdiabetikern berechnet pro Patient, deutlich abgenommen. Der Rückgang des relativen Risikos für Herzinfarkt bei Diabetikern um fast 70 Prozent entspricht nun fast dem Niveau des Nichtdiabetikers. Ursachen dafür werden in einer früheren und intensiveren Therapie der koronaren Herzkrankheit gesehen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Diabetikers im Alter von 55 Jahren ist aber noch um 3,9 Jahre geringer als die eines Nichtdiabetikers.

Arteriosklerotische Gefäßveränderungen betreffen sowohl Typ-1-Diabetiker als auch Typ-2-Diabetiker in einem früheren Alter als Nicht-Diabetiker. Auch die Verengungen der Arterien bilden sich bei Diabetikern häufiger und zugleich an mehreren unterschiedlichen Gefäßarealen (koronar, zerebral und peripher) aus.

Die erhöhte Rate an koronarer Herzerkrankung ist bereits in den Vorstadien des Diabetes (Stadium der gestörten Glukosetoleranz (IGT)) vorhanden, da sich bereits hier – wie beim manifesten Typ-2-Diabetes – eine Häufung der klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren (Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Insulinresistenz) findet.

Risikofaktoren

GUT ZU WISSEN

Schon Prädiabetiker haben ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten.

Die wesentlichen Risikofaktoren für Herzgefäßerkrankungen sind Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Alter sowie eine familiär gehäuft auftretende koronare Herzkrankheit. Kommen dazu ein Prädiabetes oder ein manifester Diabetes, verstärkt dies die negativen Auswirkungen der anderen Risikofaktoren auf das Gefäßsystem. Ein besonders hohes Risiko für den Herzinfarkt haben Diabetiker mit Zeichen von Durchblutungsstörungen der Beine, Veränderungen an den Halsschlagadern und vor allem einer Funktionsstörung der Nieren (Eiweißausscheidung im Urin).

Diagnose

GUT ZU WISSEN

Herzinfarkte verlaufen bei Diabetikern häufig "stumm". Die Patienten spüren keine heftigen Schmerzen, weil die herznahen Nerven geschädigt sind.

Meist ist ein plötzlich auftretender dumpfer Schmerz in der Brust (Angina pectoris) Anlass für eine Untersuchung beim Arzt. Brustschmerzen können entstehen, wenn durch das verengte Herzkranzgefäß im belastungsfreien Zustand noch genug Blut fließt, um den Bedarf des Herzmuskels zu decken, der Blutbedarf aber unter Anstrengung oder bei seelischem Stress nicht mehr gedeckt werden kann. Aber aufgepasst: Mitunter macht ein Herzinfarkt bei Diabetikern gar keine oder nur leichte Beschwerden, wenn zugleich eine Nervenschädigung vorliegt. Ärzte sprechen dann von einer "stummen Ischämie" (Ischämie = Blutleere).

Gängige Diagnosemethoden sind ein Belastungs-EKG, Ultraschall des Herzens unter Belastung (Stress-Echokardiographie) und die nuklearmedizinische SPECT-Myokardszintigraphie zur Klärung der Durchblutungssituation am Herzmuskel.

Mit Untersuchungsverfahren wie der Elektronenstrahltomographie und der Mehrzeilen-Computertomographie lassen sich Kalkablagerungen in den Herzgefäßen bereits in einem frühen Stadium nachweisen. Der Koronarkalk stellt eine Frühform der Arteriosklerose dar und signalisiert ein erhöhtes Risiko für künftige koronare Ereignisse. Damit lässt sich das Herzinfarktrisiko besser feststellen als mit den traditionellen kardiovaskulären Risikofaktoren wie Diabetes, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und Insulinresistenz. Aus Kostengründen und keinem eindeutigen Hinweis auf eine Verbesserung der Prognose hat die Methode allerdings noch keinen generellen Eingang in die klinische Praxis gewonnen.

Spätschäden früh erkennen und behandeln

Dr. Christoph Beck vom Klinikum Nürnberg stellt in seinem Vortrag auf dem 3. Patiententag des Diabetesinformationsdienstes am Helmholtz Zentrum München Krankheitsbilder vor, die sie als Spätfolge des Diabetes mellitus entwickeln können. Viele Organsysteme können betroffen sein - Augen, Nieren, Gehirn, Herz, Blutgefäße der Beine sowie Nerven. 
(Vortragsdauer: 19,55 Minuten)

Vollständige Präsentation


Prävention und Therapie

Prävention und Therapie gehen fließend ineinander über. Eine große Rolle spielt die optimale Blutzuckereinstellung, die das Herz-Kreislauf-Risiko um bis zu 50 Prozent verringert. Eine gute Diabetes-Einstellung in den ersten Jahren der Diabetes-Erkrankung hat hinsichtlich der Herz-Kreislauf-Krankheiten protektive Effekte, die bis zu 30 Jahre anhalten (DCCT/EDIC-Studie, Diabetes Control and Complications Trial (DCCT), Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications (EDIC)).

Kreislauf-Krankheiten sind bei schlecht eingestellten Diabetikern häufiger. Eine Senkung des mittleren HbA1c um 1 Prozent (z.B. von 8,0 auf 7,0 Prozent) ging in einer großen britischen Studie mit einer Risikoreduktion für den Herzinfarkt um 21 Prozent einher. Eine möglichst gute Blutzuckereinstellung ist deshalb nicht nur zur Verhinderung von Augen-, Nieren- und Nervenschäden, sondern auch zur Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten notwendig.

Weiterhin ist für Diabetiker häufig eine grundsätzliche Lebensstiländerung – Gewichtsabnahme, Rauchverzicht, mehr körperliche Bewegung und gesunde Ernährung – angezeigt. Jeder einzelne Risikofaktor, ob Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörung, muss darüber hinaus gezielt behandelt werden. Bei diabetischen Männern mit hohem Risiko hat sich auch eine Herzkreislauf-Prophylaxe mit Aspirin (maximale Tagesdosis von 100 mg) bewährt. Gesundes Leben mit viel Schlaf, ausreichend körperlicher Bewegung, gesunder cholesterinarmer Ernährung mit viel Gemüse und Vermeidung von Giften wie Nikotin oder zu viel Alkohol ist die Devise. Ein Gläschen trockener Wein täglich ist aber nicht nur nicht verboten, sondern für die Blutfette sogar eher günstig. Wie in allen Dingen des Lebens kommt es auf das richtige Maß an.

Bei einer Gefäßverengung in einem Herzkranzgefäß kann ein Stent helfen. Diese Gefäßstütze aus Metall wird während einer Herzkatheter-Untersuchung eingesetzt. Allerdings ist bei Patienten mit Typ-2-Diabetes das Risiko für eine erneute Gefäßverengung nach dem Eingriff etwas höher als bei Nicht-Diabetikern. Bei multiplen und schwerwiegenden Koronararterien-Verengungen ist die chirurgische koronare Bypass-Operation immer noch das Mittel der Wahl.

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Quellen:


    Letzte Aktualisierung:

    06. April 2016

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