Diabetes und Gehirn

Das Risiko für Schlaganfall ist sowohl bei Patienten mit Typ-1-Diabetes als auch bei Typ-2-Diabetes signifikant erhöht. Nach einer großen finnischen Studie mit Daten von über 50.000 Personen wiesen diabetische Männer ein 5,2fach, diabetische Frauen ein 7,2fach höheres Risiko für Schlaganfall als Nichtdiabetiker auf. Nach der Nurses Health Study war das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bei Frauen, die erst im Verlauf der Beobachtungsstudie einen Diabetes entwickelten, bereits deutlich gesteigert. Der Befund unterstreicht den Verdacht, dass bereits in den Vorstadien des Diabetes (Prädiabetes) mit einer erhöhten Rate an Herz-Kreislauf-Krankheiten gerechnet werden muss.

Neuronen unter dem Mikroskop
© Cristian Ciobanu / fotolia.com

Etwa zwölf Prozent der Diabetiker leiden infolge von Gefäßveränderungen der Halsschlagader oder der Wirbel- und Schädelbasisarterie unter Durchblutungsstörungen des Gehirns. Der vom "erkrankten" Blutgefäß zu versorgende Gehirnteil wird dann nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Wissenschaftler der Universität Alberta in Canada haben festgestellt, dass die Gehirnleistung bei Typ-2-Diabetes schon sehr früh nach Krankheitsbeginn nachlässt. Insbesondere das logische Denken, die Planungs- und Organisationsfähigkeit sowie die Aufmerksamkeit lassen nach.

Ist ein Blutgefäß im Gehirn und damit der Blutfluss vollständig blockiert, führt dies entweder zu vorübergehenden Durchblutungsstörungen des Gehirns, einer sogenannten TIA (transitorischen ischämischen Attacke), als Vorbote eines Schlaganfalls oder direkt zu einem Schlaganfall. Jährlich erleiden in Deutschland 2,7 Prozent der Männer und 2,1 Prozent der Frauen einen Schlaganfall. Pro Jahr versterben 150.000 Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls.

Spätschäden früh erkennen und behandeln

Dr. Christoph Beck vom Klinikum Nürnberg stellt in seinem Vortrag auf dem 3. Patiententag des Diabetesinformationsdienstes am Helmholtz Zentrum München Krankheitsbilder vor, die sie als Spätfolge des Diabetes mellitus entwickeln können. Viele Organsysteme können betroffen sein - Augen, Nieren, Gehirn, Herz, Blutgefäße der Beine sowie Nerven. 

Vollständige Präsentation


Diagnose

Die Beschaffenheit der Arterien, insbesondere der großen Arterien im Halsbereich, kann sehr gut mittels Ultraschall beurteilt werden. Die sogenannte Farbdopplersonographie zeigt Gefäßwände, Blutfüllung, Verengungen und Strömungseigenschaften gleichzeitig an. Bereits in frühen Stadien einer Arteriosklerose lässt sich so eine Verdickung der Gefäßinnenschicht feststellen. Mit Spezialsonden untersucht der Arzt auch Gefäße tief im Inneren des Schädels (transkranieller Doppler). Magnetresonanz-  und Computertomografie-Techniken eignen sich sehr gut zur Darstellung des Gehirns bzw. zur Überprüfung, ob eine Hirnblutung oder ein Gefäßverschluss die Ursache für einen etwaigen Schlaganfall oder eine TIA sind. Gefäße des Halses und des Hirngebietes lassen sich vor operativen Eingriffen mittels Angiographie abbilden.

Prävention und Therapie von Durchblutungsstörungen im Gehirn

Für die Prävention und Therapie ist es für Diabetiker wichtig, die Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen des Gehirns zu minimieren. Das bedeutet insbesondere, den Blutzucker gut einzustellen, den Blutdruck niedrig zu halten, auf Rauchen zu verzichten und über gesunde Ernährung den Fettstoffwechsel zu normalisieren – wenn nötig medikamentös. So kann etwa eine Therapie mit gerinnungshemmenden Substanzen (Thrombozytenaggregationshemmer, Marcumar) notwendig sein. Die Reduktion der Risikofaktoren (hoher Blutdruck und hohe Blutfette) und eine intensivere Blutzuckereinstellung kann die Verdickung der Hirnarterien vermindern.

 

 

Bei der Einstellung des Blutzuckerspiegels ist aber Vorsicht geboten: Nach Abbruch einer US-amerikanischen Studie mit mehr als 10.000 Diabetikern, bei der es vermehrt zu Herzversagen kam, ist man von einem möglichst niedrigen Blutzuckerspiegel als Behandlungsziel abgerückt. Unterzuckerungen (Hypoglykämien) sind möglichst zu vermeiden.

US-Forscher haben in einer Vier-Jahres-Studie mit rund 71.000 Teilnehmern ebenfalls herausgefunden, dass bei Typ-2-Diabetikern über 60 Jahre der HbA1c-Wert nicht zu niedrig liegen sollte. Bei Werten über acht Prozent war die Sterberate erhöht. Doch auch bei HbA1c zwischen vier und sechs Prozent, wie ihn gesunde Menschen haben, stieg das Sterblichkeitsrisiko statistisch signifikant an. Die Forscher empfehlen deshalb Werte für HbA1c zwischen sechs und acht Prozent.

Schließen
Informationen zum Inhalt

Quellen:

Letzte Aktualisierung:

06. April 2016

zum Seitenanfang
Druckversion

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.