Adipositas: Aktuelle Forschungsansätze

Die – lange vernachlässigte – Adipositas-Forschung hat sich in den vergangenen Jahren sehr belebt. Es haben sich regionale und überregionale Forschungsverbünde gebildet, die an drängenden Fragestellungen arbeiten. Allerdings sind die verfügbaren Fördermittel im Vergleich zu anderen Themen noch recht bescheiden, was bei weitem nicht der Bedeutung der Adipositas als Gesundheitsproblem gerecht wird.

Adipositas ist nicht gleich Adipositas

Wie für andere Volkskrankheiten gilt auch hier: Adipositas ist nicht gleich Adipositas. Deshalb wird nach den Kennzeichen verschiedener Subtypen gesucht, um dann individuelle Behandlungsstrategien entwickeln zu können. Neben genetischen Faktoren sind für die angestrebte personalisierte Medizin auch Lebensstil und Umweltaspekte von Bedeutung.
 

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Schweres Übergewicht und Typ-2-Diabetes: wie sehen Behandlungskonzepte der Zukunft aus? Video-Interview mit Prof. Matthias Tschöp, Institut für Diabetes und Adipositas am Helmholtz Zentrum München.

Vernetzung von Diabetes und Adipositas

Seit 2011 erforscht das Institut für Diabetes und Adipositas (IDO) am Helmholtz Zentrum München die komplexen Zusammenhänge zwischen Adipositas und Typ-2-Diabetes auf verschiedenen Ebenen: Grundlagenforschung an isolierten Zellsystemen bzw. am Tiermodell findet dort ebenso statt wie die Prüfung neuer Therapieansätze am Menschen. Erste Erfolge sind bereits zu verzeichnen. So wurde mit dem Hormon Ghrelin eines der wichtigsten Kontrollsignale von Appetit und Stoffwechsel entdeckt.

Kombi-Hormone mit Mehrfachwirkung

Erfolgversprechend sind den Wissenschaftlern zufolge auch Kombiwirkstoffe aus mehreren Hormonen: Ein im Labor neu entwickelter Wirkstoff, der die Wirkungen von drei Magen-Darm-Hormonen auf sich vereint, senkt den Blutzuckerspiegel, indem er die Ausschüttung von Insulin ankurbelt. Gleichzeitig zügelt er den Appetit, steigert langfristig die Kalorienverbrennung und reduziert damit das Körperfett. Zudem werden mit dem Dreifachwirkstoff mehrere Kontrollzentren des Stoffwechsels beeinflusst - in der Bauchspeicheldrüse, in der Leber, im Fettgewebe sowie im Gehirn. Weitere Studien müssen zeigen, ob der Wirkstoff auch im menschlichen Organismus zum Einsatz kommen kann.

Die Wissenschaftler haben auch herausgefunden, dass das Körpergewicht von einem bestimmten Molekül bislang unbekannter Funktion an der Zelloberfläche, dem sogenannten GPR83-Rezeptor, mit beeinflusst wird. Wenn der GPR83-Rezeptor ausfällt, bietet dies sogar Schutz vor Fettleibigkeit und Diabetes. Dies zeigte sich im Tierversuch nach Fütterung einer sehr fettreichen Diät. Mit welchen Botenstoffen oder Hormonen der Rezeptor interagiert, soll nun in weiteren Studien untersucht werden.

Maßgeschneiderte Strategien

Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Klinischen Kooperationsgruppe Nutrigenomik und Typ-2-Diabetes mellitus, dem Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München und dem Kompetenzcluster für Ernährungsorschung enable. Hier beschäftigt man sich mit dem Wechselspiel zwischen Risikogenen, Ernährung und Stoffwechselvorgängen im Hinblick auf Typ-2-Diabetes. In dieser Arbeitsgruppe wird auch versucht, mit neuen Methoden die Wirkung von 'Adipositasgenen' zu verstehen. Die Aufklärung der Wirkung des FTO-Gens war dabei ein entscheidender Meilenstein. Man hofft, in absehbarer Zeit aussagekräftige Biomarker zu finden und auf dieser Basis neue Präventions- und Therapiestrategien zu entwickeln. 

Gut zu wissen:

Kinder übergewichtiger Eltern haben ein hohes Risiko, auch übergewichtig zu werden.

Was macht Kinder dick?

Das 'JA-Konsortium' des Kompetenznetzes Adipositas kümmert sich um extrem adipöse Kinder und Jugendliche und sucht nach besseren integrierten Behandlungskonzepten, die auch die schwierige psychosoziale Situation der Betroffenen berücksichtigt und die Möglichkeiten für eine Adipositaschirurgie bereits in diesem Alter prüft.

 

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Quellen:

Letzte Aktualisierung:

29. November 2018

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