Diagnostik

Tattoos zur Gewebezuckerkontrolle?

13. Aug 2019

Chemische Sensoren, die auf die Veränderung von Gesundheitsmarkern mit einer Farbänderung reagieren, können wie Farbpigmente beim Tätowieren in die Haut eingebracht werden. Eine Erhöhung des Gewebezuckerspiegels und andere Parameter könnten so direkt auf der Haut abgelesen werden. Dies berichtet ein Team deutscher Chemikerinnen und Chemiker im Fachjournal ‚Angewandte Chemie’.

Tätowierung

© Damian Gretka / Fotolia

Bei den Sensoren handelt es sich um drei chemische Verbindungen. Ein Sensor ist beispielsweise eine Kombination aus Methylrot, Bromthymolblau und Phenolphtalein, welche auf den pH-Wert der Haut reagieren. Bei einem Anstieg des pH-Wertes verändert sich die Farbe von gelb nach blau.

Ein zweiter Sensor zeigt den Zuckergehalt des Gewebes an. Die Forschenden entwickelten sie aus den Enzymen Glucoseoxidase und Peroxidase. Eine hohe Zuckerkonzentration führt zu einer Reaktion des Enzyms mit einem Farbpigment. Dessen Farbe schlägt dann von gelb zu dunkelgrün um.

Ein dritter Farbstoff lässt auf den  Albumingehalt schließen. Sinkende Albuminwerte können auf Nieren- oder Leberversagen hindeuten.

Kostengünstig und langanhaltend: Tattoos als Gesundheitssensoren

Wie beim Tätowieren werden die Stoffe in die Dermis, also die unter der obersten Hautschicht liegende Lederhaut gespritzt. Hier bleiben sie dauerhaft liegen und färben die Haut entsprechend.

Bisher testeten die Forschenden die Sensoren an einem Modell aus Schweinehaut. Mithilfe einer Smartphone-Kamera und einer App können die sichtbaren Farbveränderungen auch in Zahlenwerte umgewandelt werden.

Die Sensortattoos könnten eine einfache und kostengünstige Methode sein, Gesundheitsparameter dauerhaft zu überwachen, so die Autoren. Weitere Studien müssten nun zeigen, ob der Einsatz auch in der Praxis verlässlich einsetzbar sei.

Quelle:

Yetisen, A.K., et al.: Dermal Tattoo Biosensors for Colorimetric Metabolite Detection. In: Angewandte Chemie, 2019, Volume131, Issue31, Pages 10616-10623, doi.org/10.1002/ange.201904416

Gesellschaft Deutscher Chemiker: Diagnosekunst für die Haut. Sensor-Tattoos zur Erkennung von Veränderungen im Blut-pH und von anderen Biomarkern. Pressemitteilung vom 18.7.2019 


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