Diabetes-Medikamente

Tägliche Tablette bei schlechter Blutzuckerkontrolle?

17. Nov 2017

Wenn andere antidiabetische Medikamente den Blutzucker nicht ausreichend senken, kommen oft GLP-1-Analoga zum Einsatz. Bisher mussten sie unter die Haut gespritzt werden. Am Beispiel des Wirkstoffs Semaglutid untersuchte eine aktuelle Studie, ob man den Wirkstoff auch schlucken könnte. Die Ergebnisse erschienen im Fachmagazin ‚JAMA‘.

Tablette bei schlechter Blutzuckerkontrolle?

© nikesidoroff/fotolia.com

Das Darmhormon GLP-1 (Glukagon-ähnliches Peptid-1) wird bei der Nahrungsaufnahme freigesetzt und bewirkt eine bedarfsgerechte verstärkte Insulinausschüttung. Diese Wirkung ahmen GLP-1-Analoga genannte antidiabetische Medikamente nach, hemmen den Appetit, verzögern die Magenentleerung, regen die Insulinfreisetzung an und unterdrücken die Zuckerneubildung in der Leber. Bei der Therapie von Typ-2-Diabetes kommen sie zum Einsatz, wenn andere Medikamente den Blutzucker nicht ausreichend senken. Zudem können sie mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen kombiniert werden. Bisher mussten sie allerdings unter die Haut gespritzt (subkutan injiziert) werden.

Schlucken statt spritzen?

Ein Wissenschaftlerteam wollte nun testen, inwiefern ein Semaglutid genanntes GLP-1-Analogon auch in Tablettenform den Blutzucker kontrollieren kann. Dafür untersuchten die Forscher  an 100 Studienzentren in 14 Ländern insgesamt 632 Menschen mit Typ-2-Diabetes, deren Blutzucker schlecht eingestellt war. Diese waren im Schnitt 57 Jahre alt, wogen rund 92 Kilo und litten durchschnittlich seit sechs Jahren an der Stoffwechselkrankheit. Für 26 Wochen erhielten die Probanden Semaglutid – und zwar zufallsverteilt entweder per Spritze oder als Tablette in verschiedenen Konzentrationen. Eine dritte Gruppe bekam zum Vergleich ein Placebo.

583 Patienten schlossen die Studie ab. Während sich unter Placebo der Langzeitblutzuckerwert HbA1c kaum veränderte (-0.3 Prozent), senkte das injizierte Medikament den Wert durchschnittlich um 1,9 Prozent. Das oral verabreichte Semaglutid senkte den HbA1c je nach Dosis ebenfalls um 0,7 bis 1,9 Prozent.

Viel hilft viel

Um herauszufinden, in welcher Dosis die Tablette am besten wirkt, untersuchten die Forscher einen konkreten Sachverhalt: Insgesamt lag der durchschnittliche HbA1c-Ausgangswert bei 7,9. Als Zielwert für eine verbesserte Blutzuckerkontrolle legten die Wissenschaftler einen Wert von unter 7 fest und ermittelten den Erfolg in den Untergruppen. Bei der niedrigsten Konzentration (2,5 Milligramm) erreichten 44 Prozent der Teilnehmer das Soll. Bei der Gruppe mit der höchsten Dosis (40 Milligramm) lag der HbA1c zu 90 Prozent unter 7. Rund 70 Prozent der Probandinnen und Probanden mit Semaglutid hatten zudem einen Gewichtsverlust von 5 Prozent oder mehr.

Bemerkenswert: Die Zahl der gemeldeten Nebenwirkungen war relativ hoch – allerdings auch in der Placebo-Gruppe. Je nach Konzentration berichteten 63 bis 86 Prozent der Tabletten-Probanden von Nebenwirkungen, zumeist leichten Magen-Darm-Beschwerden. Beim injizierten Semaglutid lag der Wert bei 81 und beim Placebo bei 68 Prozent.

Wie die Autoren in einer Mitteilung schreiben, hätten viele ihrer Patienten durch die Injektion Schwierigkeiten mit der Therapietreue bei GLP-1-Analoga. Entsprechend positiv bewerten sie die Ergebnisse der Studie und erwarteten weitere Untersuchungen. Einschränkend muss man sagen, dass GLP-1-Analoga (auch GLP-1-Rezeptor-Agonisten oder Inkretin-Mimetika) bisher zwar injiziert werden mussten - zum Teil allerdings nur einmal in der Woche. Die Studie ist auch im Register clinicaltrials.gov hinterlegt.

 

Quellen:

Davies, M. et al.: Effect of Oral Semaglutide Compared With Placebo and Subcutaneous Semaglutide on Glycemic Control in Patients With Type 2 Diabetes: A Randomized Clinical Trial. In: Journal of the American Medical Association, 2017, DOI: 10.1001/jama.2017.14752

University of Leicester: Type 2 diabetes pill ‘improves blood sugar control’. Pressemitteilung vom 17. Oktober 2017


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