SGLT2- Inhibitoren auf dem Prüfstand

01. Sep 2015

Die Zulassungsbehörden in USA und Europa haben angekündigt, die Sicherheit der SGLT2-Hemmer neu zu überprüfen. Arzneimittel dieser Wirkstoffgruppe, zu denen z.B. Dapagliflozin gehört, sind zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen. Weltweit werden mehrere Fälle von schwerwiegenden Stoffwechselentgleisungen, sogenannte Ketoazidosen, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes mit diesen Medikamenten in Verbindung gebracht.

SGLT2- Inhibitoren auf dem Prüfstand

Bild: Fotolia

Ketoazidosen sind ernstzunehmende Komplikationen, die hauptsächlich bei Typ-1-Diabetes auftreten. Durch einen akuten Insulinmangel kann Glukose nicht in die Körperzellen eingeschleust werden und fehlt dort somit zur Energiegewinnung. Infolgedessen baut der Körper vermehrt Fette ab, wobei Ketonkörper als Stoffwechselprodukte der Fettsäuren entstehen. Es kommt zu einer Übersäuerung des Körpers. Die Symptome sind häufig unspezifisch, können jedoch lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Es kommt zu Atembeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verwirrung sowie zu starker Müdigkeit und Schläfrigkeit.

Weltweit wurden bis Mai 2015 über 100 Fälle von Patienten bekannt, welche schwerwiegende Ketoazidosen erlitten, nachdem sie mit der SGLT2-Hemmer-Therapie begonnen hatten. Zum Teil mussten die Patienten im Krankenhaus behandelt werden.

Im Falle von Typ-1-Diabetes liegen bei Ketoazidosen meist hohe Blutzuckerwerte von über 250 mg/dl vor. Dagegen waren bei einigen Patienten mit Typ-2-Diabetes, welche SGLT2-Inhibitoren einnahmen, die Blutzuckerwerte nur leicht oder mäßig erhöht. Etwa die Hälfte der Vorfälle trat im zeitlichen Zusammenhang mit anderen akuten Ereignissen wie zum Beispiel Infektionen, Nierenversagen oder anderen Erkrankungen auf.

SGLT2-Hemmer führen zu einer vermehrten Ausscheidung von Glukose mit dem Urin. Die genauen Mechanismen, die bei Typ-2-Diabetes zu Ketoazidosen führen können, sind noch unklar. 

Die Arzneimittelbehörden empfehlen Ärzten, die Patienten über mögliche Symptome zu informieren. Patienten sollten hellhörig sein und bei Auftreten erster Anzeichen ihren Arzt oder ihre Ärztin aufsuchen.

Quellen:

Aerzteblatt.de: Ketoazidose: EMA prüft Sicherheit aller SGLT2-Inhibitoren (12. Juni 2015) (letzter Abruf 25.08.2015)

European Medicines Agency: Meeting highlights from the Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) 8-11 June 2015. Review of diabetes medicines called SGLT2 inhibitors

Weitere Informationen zum Thema:

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