Metabolisches Syndrom: Aktuelle Forschungsansätze

Metabolische Gesundheit

Während das Metabolische Syndrom im klassischen Sinne erst diagnostiziert wird, wenn mehr als zwei Risikoparameter vorliegen, arbeiten Wissenschaftler seit 2008 vermehrt mit dem Begriff ‚Metabolische Gesundheit‘. Etabliert hat diesen Begriff eine Arbeitsgruppe der Universitätsklinik Tübingen und des Helmholtz Zentrums München. Metabolische Gesundheit besteht dabei, unabhängig vom Body Mass Index (BMI), wenn nicht mehr als ein Risikofaktor des Metabolischen Syndroms vorliegt. Gegenüber der ursprünglichen Definition des Metabolischen Syndroms erleichtert dieses Konzept die Zuordnung der Patienten zu einzelnen Gruppen mit erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen.

Schlank muss nicht immer gesund sein

Die gemeinsame Auswertung verschiedener Studien, die dieses neue Konzept angewandt haben, ergab, dass es eine Untergruppe (knapp 20 Prozent) schlanker Menschen gibt, die metabolisch krank sind. Ihr Risiko für Herzkreislauferkrankungen und ihr Sterberisiko ist im Vergleich zu metabolisch Gesunden um mehr als das Dreifache erhöht. Es ist sogar höher als das von stoffwechselgesunden übergewichtigen Menschen.

Doch was sind die Ursachen hierfür? Wissenschaftler untersuchten bei diesen Probanden den Körperfettgehalt, die Fettverteilung und den Fettanteil in der Leber mithilfe der Magnetresonanz-Spektroskopie. Es zeigte sich, dass die Betroffenen nur wenig Fett an den Beinen speichern. Diese schlanken Menschen zeigen Ähnlichkeiten zu Personen mit Lipodystrophie, einer krankhaften Veränderung des  Unterhautfettgewebes.

Schlanke Menschen, die kaum Fett an den Beinen speichern und zwei oder mehr Kennzeichen des Metabolischen Syndroms aufweisen, sollten sorgfältig auf eine mögliche Schädigung des Stoffwechsels untersucht werden, so der Vorschlag der Forscher. Wichtig sei es, für die unterschiedlichen Untergruppen von schlanken und übergewichtigen Menschen mit Stoffwechsel-Störungen maßgeschneiderte Lebensstil-Interventionen oder spezifische medikamentöse Behandlungen für eine personalisierte Prävention zu entwickeln.

Therapie der Adipositas: erreichbare Ziele setzen

Durch mehr körperliche Bewegung und gesunde Ernährung schaffen es Menschen mit schwerem Übergewicht (Adipositas) meist, ihr Gewicht kurzfristig zu reduzieren. Langfristig bleibt der Erfolg jedoch häufig aus. Die Frage ist, ob es nicht sinnvoller wäre,  erreichbare Zwischenziele zu setzen, um ein für den Einzelnen gesundes Gewicht zu erreichen?

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Tübingen, des Helmholtz Zentrums München sowie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam regten an, das Konzept des stoffwechselgesunden Übergewichts in die Adipositas-Therapie einzubinden. Dabei legten sie unter anderem anhand von Daten der Tübinger Lebensstil Interventionsstudie (TULIP) dar, dass eine Gewichtsabnahme von mindestens 10 Prozent bei einem mittleren Ausgangs-BMI von 35 kg/m2 wahrscheinlich ausreicht, um vom „metabolisch kranken“ zum „metabolisch gesunden“ Übergewicht zu gelangen.

Sie betonen dabei aber auch, dass man sich damit langfristig nicht zufrieden geben darf. Auch bei stoffwechselgesunder Adipositas sei das Krankheitsrisiko im Vergleich zum metabolisch gesunden Normalgewicht um 25 Prozent erhöht. Zum Vergleich: Bei gleichschweren adipösen Menschen, die als metabolisch krank angesehen werden, ist das Risiko allerdings um 150 Prozent erhöht.

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References

  • Stefan, N. et al: Identification and characterization of metabolically benign obesity in humans. In: Arch Intern Med., 2008, 168(15):1609-16. doi: 10.1001/archinte.168.15.1609. 
  • Stefan, N. et al: Metabolically healthy obesity: the low-hanging fruit in obesity treatment? In: The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2017, DOI: 10.1016/S2213-8587(17)30292-9
  • Stefan, N. et al.: Causes, Characteristics, and Consequences of Metabolically Unhealthy Normal Weight in Humans. In: Cell Metab., 2017, 26(2):292-300. doi: 10.1016/j.cmet.2017.07.008. 
  • Schmid, V. et al.: Non-alcoholic fatty liver disease and impaired proinsulin conversion as newly identified predictors of the long-term non-response to a lifestyle intervention for diabetes prevention: results from the TULIP study. In: Diabetologia, 2017, 60(12):2341-2351. doi: 10.1007/s00125-017-4407-z 

Last Change

05. Dezember 2018

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