Typ-1-Diabetes: Vorstufen früh erkennen und gegensteuern

‚A World Without 1‘ – also eine Welt ohne Typ-1-Diabetes – ist eine Vision, die Forschende weltweit verfolgen. Unter diesem Schlagwort haben sie eine Reihe klinischer Studien ins Leben gerufen, die die Früherkennung und Verhinderung von Typ-1-Diabetes zum Ziel haben.

Typ-1-Diabetes wird häufig erst dann diagnostiziert, wenn sich Symptome wie übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen, starke Gewichtsabnahme oder Müdigkeit bemerkbar machen. Traumatisch – vor allem für (Klein-)Kinder und ihre Eltern – kann der Start sein, wenn die chronische Erkrankung aufgrund einer akuten Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) mit einer Notfallbehandlung im Krankenhaus beginnt.

Dabei müsste die Diagnose Typ-1-Diabetes nicht überraschend kommen:  internationale Wissenschaftler haben in den letzten Jahren Tests entwickelt, mit denen Typ-1-Diabetes in einem frühen Stadium diagnostiziert werden kann. Damit lässt sich die Autoimmunerkrankung bereits lange vor Auftreten der ersten Symptome feststellen.

Inselautoantikörper als Biomarker

Die besten Marker für einen laufenden Angriff des körpereigenen Immunsystems auf die insulinproduzierenden Betazellen (auch Inselzellen genannt) sind die sogenannten Inselautoantikörper. Sind zwei oder mehr Arten von Inselautoantikörpern bereits im frühen Kindesalter nachweisbar, liegt ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes vor und es ist abzusehen, dass ein Kind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Typ-1-Diabetes entwickeln wird.

Genetisches Risiko

Noch früher setzt die genetische Risikobestimmung ein: mithilfe eines Gentests kann das Risiko, Typ-1-Diabetes zu entwickeln, bereits bei Säuglingen bestimmt werden. Damit lassen sich Kinder aufspüren, deren Risiko, bis zum sechsten Geburtstag ein frühes Stadium von Typ-1-Diabetes zu entwickeln, mehr als zehn Prozent beträgt. Im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt bedeutet dies ein mindestens 25-fach erhöhtes Risiko.

Aufbauend auf diesen Früherkennungsmöglichkeiten laufen aktuell mehrere klinische Studien, die zum Ziel haben, den Ausbruch der Erkrankung bei den oft sehr jungen Risikoträgern zu verhindern.

Früherkennung von Typ-1-Diabetes
© vege / Fotolia

'A World Without 1' im Video - Erfahren Sie hier mehr über Typ-1-Diabetes und das Studienprogramm zur Früherkennung und Vorbeugung. Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München erklärt die Hintergründe der Studien.

Freder1k-Studie

In der Früherkennungsuntersuchung ‚Freder1k‘ wird bei Neugeborenen bis zum Alter von vier Monaten anhand eines Blutstropfens getestet, ob es Typ-1-Diabetes-Risikogene aufweist. Dies trifft auf etwa zehn von 1.000 Kindern in Deutschland zu. Die Freder1k-Studie läuft in Bayern, Niedersachsen und Sachsen.

POInT-Studie

Säuglinge im Alter zwischen vier und sieben Monaten, bei welchen in der Freder1k-Studie ein erhöhtes genetisches Risiko festgestellt wurde, können an der Präventionsstudie ‚POInT‘ teilnehmen. Sie erhalten täglich ein Insulin-Pulver (bzw. Placebo) als Nahrungsergänzung. Über die Schleimhäute des Mundes und des Verdauungstrakts aufgenommen soll das Insulinpulver dem Immunsystem eine Toleranz gegenüber dem körpereigenen Insulin antrainieren und dadurch die krankmachende Immunreaktion verhindern.

PINIT-Studie

Kinder zwischen einem und sieben Jahren mit Diabetes-Risikogenen, aber ohne Inselautoantikörper, können an der PINIT-Studie teilnehmen. Sie erhalten eine vorbeugende Behandlung mit Insulin-Nasenspray (bzw. Placebo), um zu prüfen, ob dadurch die Entstehung von Typ-1-Diabetes verhindert werden kann. PINIT rekrutiert deutschlandweit und wird in Bayern und Sachsen durchgeführt.

Fr1da-Studie

An der Früherkennungsstudie ‚Fr1da‘ können in Bayern Kinder zwischen zwei und fünf Jahren teilnehmen. Beim Kinderarzt wird durch einen kleinen Stich in den Finger eine Blutprobe genommen, die auf Inselautoantikörper hin untersucht wird.

Kindern im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren, bei welchen im Rahmen der Fr1da-Studie mindestens zwei Inselautoantikörper nachgewiesen wurden, steht die ‚Fr1da-Insulin-Interventionsstudie‘ zur Verfügung. Die Kinder erhalten Insulinpulver (bzw. Placebo) mit der Nahrung, welches das Immunsystem positiv beeinflussen soll, so dass Typ-1-Diabetes verzögert oder gar nicht ausbricht.

Fr1dolin-Studie

In Niedersachsen können Kinder im Alter von 2-6 Jahren im Rahmen der Fr1dolin-Studie‘ auf Inselautoantikörper sowie auf das Vorliegen einer Hypercholesterinämie getestet werden.

ABATACEPT-Studie

An der ABATACEPT-Studie können Kinder und Erwachsene im Alter von 12 bis 45 Jahren teilnehmen, bei welchen mindestens zwei verschiedene Inselautoantikörper nachgewiesen wurden, und die einen erst- oder zweitgradigen Verwandten mit Typ-1-Diabetes haben.

Quellen:

A World Without 1: 'A World Without 1' ist ein groß angelegtes Programm und steht für alle Studien und Projekte, die zum Ziel haben, Typ-1-Diabetes bei Kindern zu stoppen oder zu verhindern.

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https://twitter.com/AWorldWithout_1

https://www.instagram.com/aworldwithout1/

Globale Plattform zur Prävention des autoimmunen Diabetes (GPPAD)

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