Die nichtalkoholische Fettleber

Wenn von Leberverfettung oder einer Fettleber die Rede ist, wird dies in der öffentlichen Meinung meist mit langjährigem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht. Dieser Zusammenhang ist jedoch nicht immer richtig. In den industriell entwickelten Staaten ist die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (engl. ‚non-alcoholic fatty liver disease’, kurz NAFLD) mittlerweile das am weitesten verbreitete Krankheitsbild der Leber – Tendenz steigend. Schätzungen zufolge sind weltweit rund 25 bis 30 Prozent aller Erwachsenen und zunehmend auch übergewichtige Kinder von Fetteinlagerungen in der Leber, sogenannten Steatosen, betroffen. Als Hauptursache dieser Entwicklung gilt der westliche Lebensstil, der mit zu wenig Bewegung und zu energiereicher Ernährung einhergeht.

Die Ausprägung einer Fettleber steht meist in enger, wechselseitiger Beziehung mit Stoffwechselparametern des sogenannten Metabolischen Syndroms. Dieses umfasst Faktoren wie

  • einen vergrößerten Bauchumfang,
  • Bluthochdruck,
  • erhöhte Blutzuckerspiegel,
  • erhöhte Blutfettwerte.

Die nichtalkoholische Fettleber kann jedoch auch unabhängig von den genannten Faktoren auftreten. Die Entwicklung einer Fettleber steht in engem Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes.

Die molekularen Abläufe der Leber-Verfettung sind noch weitgehend ungeklärt. Man vermutet, dass Insulinresistenz und Hyperinsulinämie zu einer Ansammlung von Fetten (Lipide, Triglyceride) in den Leberzellen (Hepatozyten) führen. Beträgt der Fettanteil der Leber mehr als fünf Prozent, spricht man von einer Fettleber, auch Steatosis hepatis genannt. Bei mittel- bis hochgradigen Stadien der Fettleber kann die Verfettung bis zu 66 Prozent und mehr umfassen. 

Zum gesamten Spektrum der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung gehören auch entzündliche Formen wie die Steatohepatitis, Leberfibrose, Leberzirrhose, bis hin zum Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom). Diese Krankheitsbilder entstehen jedoch nicht als unausweichliche Folge einer beginnenden Verfettung, sondern erst dann, wenn Entzündungen oder andere Leberschädigungen hinzukommen.
Die gute Nachricht ist, dass die Leberverfettung kein unabwendbares Schicksal ist. Sie kann in der Regel durch einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung rückgängig gemacht werden.

Bild einer Leber

Nichtalkoholische Fettlebererkrankung: Die Entstehung einer Fettleber steht eng mit der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes in Zusammenhang. …weiter

Diagnose: Die Fettleber bleibt für die Betroffenen zunächst meist ohne Symptome. Eher unspezifisch kann es zu allgemeiner Abgeschlagenheit und einem Druckgefühl im rechten Oberbauch kommen. …weiter

Behandlung der Fettleber: Eine zugelassene medikamentöse Therapie zur Behandlung der Fettleber steht derzeit nicht zur Verfügung. …weiter

Ernährung konsequent umstellen: Eine Diät sollte ärztlich begleitet sein und zu einer dauerhaften Umstellung der Ernährung anleiten ...weiter

Bewegung macht die Körperzellen wieder insulinempfindlicher: Mehr Bewegung ist ein zentraler Ansatz in der Behandlung der Fettleber und des Metabolischen Syndroms …weiter

Operationen zur Magenverkleinerung bei Fettleibigkeit: Bei massiv übergewichtigen Personen kann die Magenverkleinerung in manchen Fällen eine Lösung sein. …weiter

Forschung: Leider helfen gesunde Ernährung und körperliche Bewegung nicht bei allen betroffenen Patienten, der Insulinresistenz und der Leberverfettung entgegenzuwirken. …weiter

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Norbert Stefan, Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen, Universität Tübingen
  • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: S2k-Leitlinie Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen. AWMF Register Nr. 021-025. Januar 2015
  • Stefan, N. et al.: Causes and metabolic consequences of Fatty liver. In: Endocr Rev, 2008; 29:939-960.
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  • Baumeier, C. et al.: Elevated hepatic DPP4 activity promotes insulin resistance and non-alcoholic fatty liver disease. In: Molecular Metabolism, 2017, Volume 6, Issue 10, 1254-1263.
  • Willuweit, K., Canbay, A.: Die nicht-alkoholische Fettleber: Ursachen, Komplikationen und Diagnose.  Mediengruppe Oberfranken Fachverlage, In: CMExtra, 02/2016
  • Bilharz, C.: Nichtalkoholische Fettlebererkrankung. Die hepatische Manifestation des metabolischen Syndroms. In: Deutsche Apotheker Zeitung, 01/2016.
  • Stefan, N. et al.: Phenotypes of prediabetes and stratification of cardiometabolic risk. In: Lancet Diabetes Endocrinol, 2016; 4:789-798.
  • Stefan, N. et al.: Causes, Characteristics, and Consequences of Metabolically Unhealthy Normal Weight in Humans. In: Cell Metab., 2017, 26:292-300.

    Letzte Aktualisierung:

    14.03.2018

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