Skeptiker der Diabetesforschung behaupten, dass in den letzten 50 Jahren zwar viel geforscht aber wenig gewonnen wurde – teilen Sie diese Auffassung?

Nein, das sehe ich ganz anders. Die Fragestellungen in der Diabetesforschung haben sich über die letzten 50 Jahre sehr verändert. Vor 50 Jahren stand im Vordergrund die Entdeckung, Analyse und Synthese des Insulins. Dann wurde früh klar, dass es darauf ankommt, die Patienten gut einzustellen, dass auch eine Selbstkontrolle des Blutzuckers nötig ist und dass man nicht ein- sondern mehrmals spritzen muss. Das war die Zeit vor 30 Jahren, als auch der Beruf der Diabetesberater/in entstand.

Mit der St.-Vincent-Deklaration ging es dann darum, Spätkomplikationen zu verhindern. Wenn man sich die damaligen Probleme ansieht, haben wir enorm viel erreicht: Die Komplikationen sind massiv zurückgegangen durch eine Verbesserung der Diabetes-Therapie. Dem lag wiederum die erfolgreiche Forschungsarbeit für kurz- und langwirksame Insuline, die Weiterentwicklung der Messsysteme sowie die Entwicklung verschiedener Systeme zur Verabreichung des Insulins von Pumpe bis Pen zugrunde.

Dass die Lebenserwartung eines Typ-1-Diabetes-Patienten heute nahezu identisch ist mit dem eines Nicht-Diabetikers, ist ein absoluter Durchbruch.

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