Darmflora bei Diabetes gestört

02. Nov 2012

In jüngster Zeit mehren sich die Hinweise, dass die Entstehung von Übergewicht und Typ 2-Diabetes auch mit der Beschaffenheit der Darmflora zusammenhängen könnte. Eine chinesische Wissenschaftlergruppe legte nun einen wichtigen Grundstein für das umfassende Verständnis genetischer Charakteristika von Darmbakterien und deren Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes.

Darmbakterien

science and art / fotolia.com

Im Mittelpunkt aktueller Forschungsanstrengungen stehen unter anderem Einflüsse der Darmflora auf die menschliche Psyche und vor allem die Zusammenhänge zwischen Darmflora, Adipositas und Typ-2-Diabetes. Um die Darmflora von Patienten mit Typ-2-Diabetes genau zu klassifizieren, führten chinesische Forscher eine großangelegte Studie durch, um bestimmte genetische Charakteristika der bakteriellen Darmflora mit Adipositas und Typ-2-Diabetes zu assoziieren. Dafür untersuchten sie bei 345 chinesischen Probanden die DNA der Mikroorganismen in deren Darm. Die Studie ergab etwa 60.000 Typ-2-Diabetes-assoziierte Marker der Darmbakterien und ermöglichte auch eine Klassifizierung der Darmflora. Möglicherweise lassen sich diese Erkenntnisse auch diagnostisch nutzen, um Menschen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes frühzeitig zu erkennen.

Die Wissenschaftler fanden bei Patienten mit Typ-2-Diabetes eine moderate Darmfehlbesiedelung (Dysbiose). „Gute“ Bakterien verringerten sich bei Typ-2-Diabetikern zahlenmäßig zugunsten diverser potentiell krankmachender Bakterien. Die „guten“ Bakterien produzieren kurzkettige Fettsäuren wie z.B. Butyrat, die wichtig für den Stoffwechsel der Darmschleimhaut und deren wichtigster Energielieferant sind. Die durch Butyrat bedingte Senkung des pH-Wertes verhindert die Ansiedlung krankmachender Keime im Dickdarm. Bei Butyrat-Mangel steigt der pH-Wert im Darm, in der Folge verändern sich Gallensäuren dahingehend, dass das Dickdarmrisiko steigt. Möglicherweise ist dies ein Erklärungsansatz dafür, dass Typ- 2-Diabetiker im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein doppelt bis dreimal so hohes Risiko für Darmkrebs haben.

Hintergrundinformation:
Im Darm des Menschen leben etwa 100 Trillionen Bakterien – dies sind zehnmal mehr Zellen, als der menschliche Körper besitzt. Lange Zeit wurde die Bedeutung dieses komplexen Ökosystems verkannt, doch jetzt wird immer klarer, wie wichtig es für seinen Wirt ist. Die Darmflora, nach neuer Terminologie Darm-Mikrobiom genannt, da Bakterien keine Pflanzen sind, kann man sich als mikrobiologisches Organ innerhalb eines Wirtsorgans vorstellen.

Quelle:
Qin, J. et al: A metagenome-wide association study of gut microbiota in type 2 diabetes. Nature 2012; doi:10.1038/nature11450

 


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