Medikamente

SGLT-2-Hemmer bei Typ-1-Diabetes?

24. Okt 2017

Zusätzlich zu Insulin kann eine Therapie mit SGLT-2-Hemmern bei Typ-1-Diabetes mit schlecht eingestellten Blutzuckerwerten sinnvoll sein. Dies zeigen Studienergebnisse, die im September auf der Jahrestagung der Europäischen Diabetes Gesellschaft präsentiert und gleichzeitig im Fachjournal ‚Lancet Diabetes and Endocrinology‘ veröffentlicht wurden. SGLT-2-Hemmer sind als antidiabetische Medikamente bei Typ-1-Diabetes bisher nicht zugelassen.

SGLT-2-Hemmer bei Typ-1-Diabetes © Cozyta / Fotolia

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Das Wirkprinzip der Tabletten funktioniert auch bei Typ-1-Diabetes: Die Natrium-Glukose-Transporter-2-Hemmer (SGLT-2-Hemmer; Gliflozine) führen zu einer vermehrten Zuckerausscheidung über die Nieren in den Urin und senken dadurch den Blutzuckerspiegel. Dieser Vorgang ist unabhängig von Insulinausschüttung und –wirkung und führt daher nicht zu gefährlichen Unterzuckerungen – soweit die Erfahrungen mit dieser relativ neuen Medikamentengruppe bei Typ-2-Diabetes. Ob das Medikament auch bei Patienten mit Diabetes vom Typ-1 als Ergänzung der Insulintherapie sinnvoll sein kann, untersuchte die internationale Studie DEPICT-1.

Positive Effekte bei Typ-1-Diabetes auf HbA1c, Insulinbedarf und Körpergewicht

800 Frauen und Männer mit Typ-1-Diabetes und unzureichend kontrolliertem Blutzucker (mittlerer HbA1c Wert von 8,5 Prozent) wurden nach dem Zufallsprinzip auf drei verschiedene Behandlungsgruppen aufgeteilt und erhielten zusätzlich zu ihrer gewohnten Insulintherapie täglich entweder 5 mg Dapagliflozin, 10 mg Dapagliflozin oder ein Scheinmedikament (Placebo).

Nach 24 Wochen sanken im Vergleich zu Placebo unter beiden Dosierungen von Dapagliflozin der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c), der Insulinbedarf sowie das Körpergewicht deutlich:

  • Der HbA1c-Wert sank während der ersten vier Wochen im Mittel um 0,42 Prozent in der 5 mg Gruppe und um 0,45 Prozent in der 10mg Gruppe. Der Effekt blieb bestehen bis zum Ende der Therapiephase in Woche 24.
  • Der Insulinbedarf sank bereits während der ersten zwei Wochen unter Dapagliflozin, im Mittel um 8,8 Prozent in der 5 mg Gruppe und um 13,2 Prozent in der 10 mg Gruppe. Der Effekt konnte ebenfalls bis zu Woche 24 aufrechterhalten werden.
  • Das Körpergewicht sank um 2,96 Prozent in der 5 mg Gruppe und um 3,72 Prozent in der 10 mg Gruppe. Das Gewicht sank in den ersten acht Wochen der Dapagliflozin-Therapie am stärksten.

Ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Unterzuckerungen traten in den beiden Dapagliflozin-Dosierungsgruppen nicht häufiger auf als unter Placebo.

Fazit der Autoren: SGLT-2-Hemmer als Ergänzung der Insulintherapie können bei Diabetes vom Typ-1 durchaus wirkungsvoll und sicher eingesetzt werden. Bevor die Behörden jedoch über eine Zulassung von SGLT-2-Hemmern bei Typ-1-Diabetes nachdenken, dürften sie noch Langzeitdaten einfordern. Die Autoren räumen selbst ein, dass die Behandlungsdauer von 24 Wochen in der DEPICT-1 Studie zu kurz ist, um aussagekräftige Daten für die lebenslange Behandlung einer chronischen Erkrankung wie Typ-1-Diabetes zu liefern.

Quelle:

Dandona, P. et al.: Efficacy and safety of dapagliflozin in patients with inadequately controlled type 1 diabetes (DEPICT-1): 24 week results from a multicentre, double-blind, phase 3, randomised controlled trial. In: Lancet Diabetes Endocrinol, 2017, doi: 10.1016/S2213-8587(17)30308-X. [Epub ahead of print]


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