Grundlagenforschung

Angeborene Immunantwort an Typ-1-Diabetes beteiligt?

05. Jan 2018

Bei der Entstehung von Typ-1-Diabetes spielt möglicherweise ein Teil des Immunsystems eine Rolle, dem man bisher in diesem Zusammenhang wenig Bedeutung beigemessen hatte. Das berichten Forscherinnen und Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) im ‚Journal of Proteome Research‘.

© cglightNing / Fotolia.com

Bei Typ-1-Diabetes greift das eigene Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Wie es genau dazu kommt, ist noch nicht vollends verstanden. Bisher ging man aber davon aus, dass vor allem eine spezifische (also erworbene oder angepasste) Immunreaktion stattfindet. Dabei werden Antikörper gegen die Insulin produzierenden Zellen ausgeschüttet, was letztlich zu deren Zerstörung führt. Die aktuelle Studie legt nun aber nahe, dass auch die angeborene Immunantwort eine Rolle spielt, deren Bestandteile nicht spezifisch produziert werden, sondern vorbestimmt sind, wie etwa die sogenannten neutrophilen Zellen.

Für die Untersuchung zogen die Forscher Proben von 30 Kindern und Jugendlichen heran, bei denen kurz zuvor ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert worden war. Diese Daten verglichen sie mit denen aus Proben von 30 gesunden Kindern. Dabei konzentrierten sie sich vor allem auf die sogenannten T-Helferzellen. Das ist eine Gruppe der T-Zellen, die verschiedene Botenstoffe ausschütten können. Je nachdem welche das sind, können sie beide Immunreaktionen auslösen - die spezifische oder die angeborene. Unerwartet stießen die Forscher bei den T-Helferzellen von Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes vor allem auf Proteine aus der angeborenen Immunantwort.

Technischer Fortschritt ermöglicht neue Erkenntnis

Möglich wurde die Arbeit durch eine neue Technik, die es erlaubt, aus sehr kleinen Mengen Probenmaterial Informationen zu gewinnen. Denn bisher lag die Schwierigkeit bei solchen Analysen vor allem darin, dass die Anzahl dieser Zellen relativ gering ist. Durch das neue Verfahren konnten die Forscher aus „nur“ 250.000 Zellen pro Probandin oder Proband etwa 6.000 Proteine der jeweiligen T-Helferzellen bestimmen.

Früher wären größere Probenmengen für eine derartige Analyse nötig gewesen. Aber gerade bei Kindern möchte man größere Blutabnahmen natürlich vermeiden, so die Autoren. Daher konnten diese Untersuchungen in der Form bisher nicht durchgeführt werden. Vergleichbare Studien beschränkten sich bislang auf die Analyse von Körperflüssigkeiten wie Serum, Plasma oder Urin.

Die Forscher wollen das überraschende Ergebnis nun weiter unter die Lupe nehmen. Sie hoffen, dass sich aus der Erkenntnis in Zukunft neue Chancen ergeben, therapeutisch in das Immunsystem einzugreifen und die Zerstörung der Inselzellen aufzuhalten.

Kurz und einfach erklärt im Video: Typ-1-Diabetes - früher erkennen und vorbeugen

Quellen:
Lepper, M.F. et al.: The proteomic landscape of patient-derived CD4+ T cells in recent-onset type 1 diabetes. In: Journal of Proteome Research, 2017, DOI: 10.1021/acs.jproteome.7b00712

Helmholtz Zentrum München: Angeborene Immunantwort bei Typ-1-Diabetes wichtiger als gedacht. Pressemitteilung vom 11. Dezember 2017


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