Künstliche Bauchspeicheldrüse

Closed Loop per Smartphone rückt näher

28. Apr 2016

Amerikanische Forscher haben kürzlich eine weitere Studie veröffentlicht, in der ein sogenannter Closed-Loop (künstliche bzw. technische Bauchspeicheldrüse) erfolgreich im Dauergebrauch getestet wurde. Experten spekulieren jetzt, dass Systeme mit Smartphone-gesteuerten Insulinpumpen bereits Ende diesen Jahres erste Zulassungen erhalten könnten.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres berichtete der Diabetesinformationsdienst von einer Studie, die den Rund-um-die-Uhr-Heimgebrauch für Closed-Loop-Systeme (CLS) überprüft hatte . Die Hoffnung dahinter ist, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes automatisch ihre Insulingabe bekommen und so das Blutzucker-Messen und Einstellen einer Insulinpumpe wegfällt. Ein Algorithmus soll im Voraus berechnen, wieviel Insulin der Körper braucht. 

In der aktuellen Studie testete ein Team der Universität von Virginia (USA) nun eine DiAs (Diabetes Assistent) genannte Variante, die über ein Smartphone via Bluetooth gesteuert wird. Als Probanden wurden dazu 30 Menschen mit Typ-1-Diabetes in vier verschiedenen Ländern herangezogen. In einer zweiwöchigen Anfangsphase verwendeten sie zunächst die Pumpe und das Glukosemessgerät separat zur Eingewöhnung. In den darauf folgenden zwei Wochen verwendeten sie dann den DiAs zunächst nur nachts und für weitere zwei Wochen dann durchgehend.

Insgesamt berichten die Forscher im Fachmagazin ‚Diabetes Care’, dass der Blutzuckerspiegel der Teilnehmer sich mit DiAs länger im Zielbereich befand als ohne das System. Die Zahl nächtlicher Hypoglykämien wurde zudem gesenkt. Darüber hinaus erwies sich der Gebrauch als leicht durchführbar, was abseits der medizinischen Verbesserung auch eine Erleichterung des Alltags der Probanden darstellte.

Im Gespräch mit dem Medizin-Portal Medscape kommentiert Prof. Thomas Danne, Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover, die Ergebnisse so: „Mit einem solchen CLS ist ein nahezu normales Leben ohne großes Nachdenken um die Höhe der Insulingaben möglich.“ Allerdings, so der Diabetologe, müssten Mahlzeiten nach wie vor über das System eingegeben werden.

Sollte das Smartphone einmal ausfallen, so greift das System auf ein vorher eingestelltes Standard-Programm zurück, um die Insulinversorgung zu gewährleisten. Zudem werden Trägerinnen und Träger frühzeitig durch Warngeräusche benachrichtigt, sollten sich Komplikationen abzeichnen.

Da die technischen Fallstricke laufend weniger werden, hoffen Experten nun auf eine baldige Zulassung für Patienten. „Ein ähnliches System, wie das in der Studie untersuchte, wird möglicherweise bereits Ende dieses Jahres die Zulassung erhalten“, mutmaßt Danne im selben Interview.

Quellen:
Anderson, SM. et al.: Multinational Home Use of Closed-Loop Control Is Safe and Effective. In: Diabetes Care, 2016, doi: 10.2337/dc15-2468

Sartorius, J.: Künstliches Pankreas mit Smartphone-App: Closed-Loop-System beweist sich im Alltagstest. In: Medscape Deutschland (Letzter Abruf 27. April 2016)

Weitere Informationen:
Wie funktioniert eine Insulinpumpe?

Neue Techniken in Diagnose und Therapie (Vortrag PD Dr. Barbara Ludwig, Universitätsklinikum Dresden)


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