Softdrinks

Zuckersteuer zeigt Erfolge

27. Jun 2017

Ist eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke tatsächlich ein geeignetes Werkzeug, den ungesunden Konsum einzuschränken? In der US-amerikanischen Großstadt Berkeley führte vor zwei Jahren eine neue Besteuerung zu erhöhten Preisen von Softdrinks - der Verbrauch sank seither um nahezu 10 Prozent.

Hoher Zuckergehalt in Softdrinks © airborne77/fotolia

© airborne77/fotolia

Der Konsum zuckerhaltiger Getränke ist maßgeblich beteiligt an der Entstehung von Übergewicht, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen – das ist unbestritten. In vielen Ländern wird daher über eine Besteuerung zuckerhaltiger Softdrinks diskutiert. Doch hilft die Zuckersteuer tatsächlich, den Konsum zu reduzieren? Die Datenlage ist noch relativ dünn.  

Als erste Stadt in den USA beschloss das kalifornische Berkeley im Jahr 2014 eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Eine Forschergruppe begleitete die Einführung mit wissenschaftlichen Methoden. In einer repräsentativen Anzahl von Supermärkten in Berkeley und seinen Nachbarstädten beobachteten sie die Preisentwicklung von Softdrinks und die Verkaufszahlen, jeweils vor und nach Einführung der Steuer. Zusätzlich befragten sie telefonisch knapp tausend zufällig ausgewählte Einwohner von Berkeley zu ihrem Konsumverhalten.

Verkaufszahlen sanken um fast 10 Prozent

Die Steuererhöhung schlug sich direkt auf den Verkaufspreis der Softdrinks nieder: die Preise für Zweiliter-Flaschen stiegen um durchschnittlich 68 US-Cent, für Dosen um ca. 12 US-Cent. 

  • Innerhalb eines Jahres sank der Verkauf von gezuckerten Getränken in den beobachteten Geschäften um 9,6 Prozent.
  • Der Verbrauch nicht-besteuerter Getränke stieg an: bei Wasser um 15,6 Prozent, bei Frucht- und Gemüsesäfte sowie Tees um 4,4 Prozent.
  • Die Verkaufszahlen in nicht-steuerpflichtigen Geschäften der Nachbarstädte stiegen um 6,9 Prozent.
  • Die Aufnahme von Kalorien aus zuckerhaltigen Getränken sank, wohingegen die Kalorienaufnahme aus unbesteuerten Getränken wie Milch und Milchprodukten anstieg.

Die Autoren räumen ein, dass die Studie nur bedingt aussagekräftig ist. Allein die intensive Mediendebatte über die gesundheitsschädlichen Softdrinks sowie andere Kampagnen zur Gesundheitserziehung mögen ebenfalls zum reduzierten Verbrauch beigetragen haben. Nichtsdestotrotz deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Steuererhöhungen Einfluss auf das Konsumverhalten der Menschen nehmen können. Wenn darüber hinaus die Mehreinnahmen der Kommunen – wie in Berkeley – direkt in Ernährungs- oder Gesundheitsprogramme investiert werden, hat die öffentliche Gesundheit in jedem Fall profitiert.

Quellen:

Silver, L.D. et al.: Changes in prices, sales, consumer spending, and beverage consumption one year after a tax on sugar-sweetened beverages in Berkeley, California, US: A before-and-after study. In: PLoS Med.,  2017, 14(4):e1002283.

Bischoff, A.: Steuer erzieht die Softdrink-Junkies. In: Medical Tribune, 52. Jahrgang, Nr. 24, 16. Juni 2017


zum Seitenanfang
Druckversion