Typ-2-Diabetes

Wohnort beeinflusst Diabetesrisiko von Flüchtlingen

13. Mai 2016

Menschen, die in sozial schwächeren Wohngegenden ein neues Zuhause finden, haben ein erhöhtes Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das berichten US-Wissenschaftler gemeinsam mit schwedischen Kollegen. Die Daten scheinen unmittelbar für die aktuelle Verteilung von Flüchtlingen relevant zu sein.

Wohnort

Bild: Fotolia / denis_pc

Das Forscherteam zog für seine Untersuchung Daten von 60.000 Flüchtlingen heran, die im Zeitraum zwischen 1987 und 1991 nach Schweden eingewandert waren. Dabei konzentrierten sie sich auf jene Menschen, die bei der Einreise zwischen 25 und 50 Jahre alt waren.

Im Laufe von zwei Dekaden stellte sich heraus, dass jene Menschen, die in vergleichsweise ärmeren Gebieten angesiedelt wurden, zu 15 Prozent häufiger an Typ-2-Diabetes erkrankten als solche in wohlhabenderer Umgebung. Eingeteilt waren die Wohngegenden anhand mehrerer Kriterien wie Einkommen, Bildung, Beschäftigung und der Beanspruchung sozialer Sicherungssysteme. Die schwedische Regierung hatte sich in der damaligen Situation entschieden, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen, um ihnen die Integration zu erleichtern und überall im Land eine ausgeglichene Arbeitsmarktsituation zu schaffen.

Das Ergebnis sei dem einer wissenschaftlichen ‚Zufallsverteilung‘ sehr nahe, so die Autoren der Studie. Bereits vorher war bekannt, dass Flüchtlinge im Vergleich zur Bevölkerung vor Ort ein erhöhtes Risiko aufweisen, Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Zum einen liegt das am fluchtbedingten Stress, zum anderen daran, dass sie aus Regionen kommen, in denen die Prävalenz für Diabetes mit am höchsten sei, so das Forscherteam. Nun konnten die Wissenschaftler beobachten, dass auch die Verteilung im Aufnahmeland eine Stellgröße für das individuelle Risiko ist.

Über die letztendlichen Gründe können die Forscher bisher nur spekulieren. So sei es denkbar, dass in strukturschwachen Regionen schlicht das Geld fehle, um gute Nahrungsmittel zu erwerben. Auch sei es denkbar, dass in ärmeren Gegenden der psychische Stress höher ist, oder die Bewohner sehr ungern ihre Häuser verlassen und sich daher seltener bewegen.

Auch wenn noch unklar ist, welche Faktoren genau das Diabetesrisiko für die Betroffenen steigern, so könne man bereits jetzt aus der Studie lernen, so Justin White vom Medical Center der Universität California San Francisco: “Unsere Studie ist hochrelevant im Rahmen der aktuellen Flüchtlingskrise in Europa. Sie zeigt, dass die Entscheidungen der jeweiligen Regierungen heute langfristigen Einfluss auf das Leben von vielen Geflüchteten haben werden, die für Jahrzehnte in Europa bleiben werden. Jetzt in ihr Wohlergehen zu investieren, könnte die Gesundheits- und Sozialsysteme langfristig entlasten.“

Quellen:

White, J. et al.: Long-term effects of neighbourhood deprivation on diabetes risk: quasi-experimental evidence from a refugee dispersal policy in Sweden. In: The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2016, doi: 10.1016/S2213-8587(16)30009-2

University of California San Francisco, Pressemitteilung: Exposure to Poor Neighborhoods Raises Refugees’ Risk of Diabetes - Among the First Studies to Find a Causal Effect of Neighborhood Deprivation on Health, 27. 04. 16 (Letzter Abruf: 13.05.16)

 

Weitere Informationen:

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