Medikamentenforschung

Wirkmechanismus von Glitazonen geschlechtsabhängig

24. Jul 2018

Eine Therapie mit Glitazonen führt durch Verminderung der Insulinresistenz zu einer Senkung von Blutzuckerspiegel und Langzeitblutzuckerwert HbA1c. Außerdem können Glitazone die Umwandlung von ungesundem weißen in fettverbrennendes beiges Fettgewebe fördern. Aufgrund ihrer Nebenwirkungen werden sie dennoch kaum eingesetzt. Ein deutsches Wissenschaftlerteam untersuchte nun, wie sich die vorteilhafte Wirkung der Glitazone ohne Nebenwirkungen nutzen ließe. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung ist ihnen nun gelungen. Sie haben ein Gen entdeckt, das bei weiblichen Mäusen für die Wirkung der Glitazone entscheidend ist, bei männlichen dagegen nicht.

© Fotolia_S. Kaulitzki

Eine Vielzahl von Medikamenten steht für die Behandlung der „Zuckerkrankheit" zur Verfügung. Doch die meisten Medikamente gegen Diabetes bekämpfen nur die Symptome des Leidens. An der Ursache für den hohen Blutzucker ändern sie nichts, erklären die Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Sie untersuchten den Wirkmechanismus der einen Medikamentenklasse, die eine Ausnahme darstellt: Glitazone (auch Thiazolidindione genannt) sind in der Lage, den Lipid- und Zuckerstoffwechsel grundlegend zu verbessern und die bei Diabetes verlorengegangene Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber dem Hormon Insulin wieder herzustellen.

Doch es gibt einen Haken: Glitazone können ernstzunehmende Nebenwirkungen wie beispielsweise Gewichtszunahme, Ödembildung und Herzinsuffizienz haben und sind deshalb für eine breite Anwendung nicht geeignet. Dennoch besteht unter Forschern großes Interesse an der Wirkweise dieser Medikamente: Sie verbessern nicht nur die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin, sondern begünstigen auch die Umwandlung von weißem zu beigem Fettgewebe.

Beiges Fettgewebe verbrennt Energie

Für die Behandlung des oft durch Übergewicht bedingten Typ-2-Diabetes spielt dieser zweite Wirkaspekt der Glitazone eine wichtige Rolle. Anders als weißes Fettgewebe, das lediglich der Fettspeicherung dient, verbrennt beiges Fettgewebe Energie und überschüssige Nährstoffe. Es ähnelt in seiner Funktion dem häufig als „Schlankmacher" titulierten braunen Fettgewebe.

Bei Untersuchungen an Mäusen entdeckte die Forschungsgruppe, dass Glitazone-Behandlung im Fettgewebe der Tiere das Gen Cited4 aktiviert. Es stellte sich heraus, dass die Wirkung der Glitazone abhängig von der Funktion dieses Gens war. Allerdings galt dies nur für weibliche Mäuse, nicht aber für die Männchen. Ohne das Gen funktionierten die Glitazone bei den männlichen Tieren trotzdem ganz normal. Anders bei weiblichen Mäusen: die Glitazone verbesserten die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen nicht, was auf eine verminderte Förderung der Umwandlung von weißem in beiges Fettgewebe zurückzuführen war.

Möglicherweise funktioniert bei Männern der Wirkmechanismus der Glitazone unabhängig von dem Gen, bei Frauen ist das Gen dagegen zwingend notwendig. Nach Aussagen der Autoren ist es für die Entwicklung neuer Diabetestherapien, die auf dem Wirkmechanismus der Glitazone beruhen, wichtig zu wissen, dass sich der Stoffwechsel bei Männern und Frauen unterscheidet.

Die Ergebnisse der DKFZ-Wissenschaftler zeigen zudem, wie wichtig es ist, neue Medikamente sowohl an weiblichen als auch an männlichen Probanden und Patienten zu erforschen und dies nicht nur im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, sondern auch schon in den frühen Untersuchungen im Tiermodell. Bislang werden neue Wirkstoffe noch vorwiegend bei männlichen Tieren untersucht.

Quelle:

Irem Bayindir-Buchhalter et al.: Cited4 is a sex-biased mediator of the antidiabetic glitazone response in adipocyte progenitors. In: EMBO Molecular Medicine, DOI: 10.15252/emmm.201708613

Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft: Geschlechtsabhängiger Wirkmechanismus bei Diabetesmedikament entdeckt. Pressemitteilung vom 05.07.2018, . 


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