Adipositas-Forschung

Weniger Pfunde durch aktives braunes Fett?

01. Jul 2016

Deutschen Forschern ist es gelungen, die Energieverbrennung mit einem Medikament zu steigern. Dieses wirkt zum einen im Gehirn, zum anderen aber auch im sogenannten braunen Fett. Für die Zukunft erhofft sich die Forschergruppe von den Erkenntnissen, übergewichtigen Patienten eine sichere Gewichtsabnahme und entsprechende Verbesserungen bei Diabetes zu ermöglichen.

Braunes Fett

Forscher können braune Fettzellen (hier schematisch dargestellt) dazu bringen, viel Energie zu verbrauchen. Quelle: Fotolia / Sebastian Kaulitzki

Heutzutage leiden so viele Menschen wie nie an Übergewicht – laut der Organisation Save the Children gibt es erstmals in der Menschheitsgeschichte mehr fettleibige als untergewichtige Menschen. Mit Ausmaß und Dauer des Übergewichts steigt die Gefahr, dass sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Daher suchen Forscher nach Möglichkeiten für Patienten, die Fettverbrennung zu stimulieren.

Ein Team aus Leipzig hat nun einen neuen Ansatz dazu gefunden: dabei geht es unter anderem um braunes Fettgewebe. Das ist für die Wärmeentwicklung im Körper von Kleinkindern verantwortlich und verbraucht dazu große Mengen an Energie. Lange Zeit ging man davon aus, dass braunes Fettgewebe bei Erwachsenen eine untergeordnete Rolle für die Energiebilanz spielt. In den vergangenen Jahren belegten jedoch verschiedene Forschungsstudien, dass braunes Fettgewebe auch bei Erwachsenen aktivierbar ist.

Das gelang den Forschern jetzt auch mit einem MP-10 genannten Wirkstoff, der eine Form des Enzyms Phosphodiesterase (PDE10A) inaktiviert. Bisher war diese vor allem als mögliche Zielstruktur bei psychiatrischen und neurodegenerativen Erkrankungen im Gehirn aufgefallen. Nun könnte das Molekül auch ins Visier der Stoffwechselforschung geraten. Denn wie die Wissenschaftler berichten, kommt es nicht nur im Gehirn, sondern eben auch in Fettzellen vor.

Das machten sich die Autoren zunutze: Im Tiermodell beobachteten die Forscher, dass die Gabe von MP-10 und entsprechende Aktivierung des braunen Fettgewebes zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führte. Zudem verbesserte die Behandlung die Wirkung von Insulin und konnte sogar normales (weißes) Fettgewebe in braunes umwandeln.

Ein Test mit menschlichen Fettzelllinien ergab, dass eine Behandlung mit MP-10 Gene ankurbelt, die für die Fettverbrennung zuständig sind. Da der Wirkstoff gut für den Menschen verträglich sei, wäre nun ein Test im Rahmen klinischer Studien ein nächster Schritt.

 

Quellen:
Hankir, MK et al. : A novel thermoregulatory role for PDE10A in mouse and human adipocytes. In: EMBO Molecular Medicine, 2016, DOI: 10.15252/emmm.201506085

Universitätsmedizin Leipzig: Gewichtsabnahme durch Aktivierung des braunen Fettgewebes möglich, Pressemitteilung vom 15. Juni 2016

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