Typ-1-Diabetes

Vorsprung durch Technik?

03. Feb 2017

Hat die Messmethode einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel von insulinpflichtigen Menschen mit Typ-1-Diabetes? Dieser Frage ging ein schwedisches Forschungsteam auf den Grund und verglich für das Fachjournal ‚JAMA‘ ein kontinuierliches Messsystem mit der klassischen Methode über Blut aus der Fingerbeere.

Blutzuckermessung

Quelle: Fotolia/Andrey Popov

Da es bei Typ-1-Diabetes zu einem fast vollständigen Untergang der Insulin produzierenden Zellen kommt, müssen die Betroffenen ihrem Körper lebenslang Insulin zuführen. Ziel dieser Therapie ist es, den Bedarf an Insulin zeitlich und quantitativ möglichst optimal abzudecken. Die notwendige Insulinmenge hängt von verschiedenen Faktoren ab wie Nahrungsaufnahme, körperlicher Aktivität und Belastungen wie Krankheit oder Stress.


Um den Blut- bzw. Gewebezucker zu überwachen und die richtige Menge Insulin zu verwenden, gibt es verschiedene Messmethoden. Bei der „klassischen“ Messung ermitteln die Patientinnen und Patienten den Wert aus einem Blutstropfen aus der Fingerbeere, wofür sie sich mehrmals am Tag in den Finger stechen müssen. Dem gegenüber steht eine neuere Messmöglichkeit, bei der ein dünner Messfühler ins Unterhautfettgewebe am Bauch eingebracht wird und dort die Konzentration des Gewebezuckers misst. Über einen Sender werden die Daten permanent an einen Empfänger außerhalb des Körpers geschickt. Da die Messung in diesem Fall nicht auf einzelne Momente beschränkt ist, spricht man von einer kontinuierlichen Glukosemessung (CGM, englisch: Continuous Glucose Monitoring).

In der aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler über 16 Monate hinweg insgesamt 161 insulinpflichtige Schwedinnen und Schweden mit Typ-1-Diabetes. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie angehalten, entweder die klassische oder die kontinuierliche Messmethode anzuwenden. Bei letzterer machte ein Taschensensor den Träger aufmerksam, sobald sich die Blutzuckerwerte aus dem Soll-Bereich bewegten. Nach einem halben Jahr folgte eine viermonatige Neutralisierungsphase („washout period“), in der konventionell aber ohne Untersuchung durch das Studienpersonal gemessen wurde. Danach wechselten die Gruppen die Messmethode und wurden für ein weiteres halbes Jahr beobachtet.


Das Ergebnis: Durch die kontinuierliche Blutzuckermessung reduzierte sich der durchschnittliche Blutzuckerspiegel (gemessen als Prozent HbA1c) um 0,3 bis 0,6 Prozent. Der Durchschnittswert sank von 8.35 auf 7.92 Prozent. Während es mit der kontinuierlichen Messung in einem Fall zu schwerem Unterzucker kam, waren es mit der konventionellen Methode fünf solche Ereignisse. In der Neutralisierungsphase kamen weitere sieben Unterzucker dazu. Zudem ermittelten die Forschenden nach eigenen Angaben ein verbessertes Wohlbefinden bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit der kontinuierlichen Messung. Das sei ein wichtiger Aspekt hinsichtlich des Therapieerfolgs sowie der Vermeidung psychischer Komplikationen durch die Erkrankung.

Die Autoren werten ihre Studie als wichtiges Indiz, um weitere Arbeiten zu dieser Messmethode anzustoßen und mögliche Folgekomplikationen bei den Patienten zu verhindern. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Hersteller von Geräten zur kontinuierlichen Glukosemessung und ist auf der Seite clinicaltrials.gov gelistet.

 
Quellen:
Lind, M. et al.: Continuous Glucose Monitoring vs Conventional Therapy for Glycemic Control in Adults With Type 1 Diabetes Treated With Multiple Daily Insulin Injections - The GOLD Randomized Clinical Trial. In: JAMA, The Journal of the American Medical Association, 2017, doi: 10.1001/jama.2016.19976

Universität Göteborg: Continuous glucose monitoring lowers blood sugar in the long term for type 1 diabetes. Pressemitteilung vom 25. Januar 2017.


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