Diabetes-Prävention

Vitamin D schützt offenbar nicht vor Stoffwechselerkrankungen

24. Nov 2017

Die Rolle von Vitamin D bei der Entstehung von Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes wird kontrovers diskutiert. Eine aktuelle Untersuchung in ‚The Lancet Diabetes & Endocrinology‘ hat nun zahlreiche Studien zusammengeführt und kommt zu dem Ergebnis: Die Gabe von Vitamin D beugt einem gestörten Glukosestoffwechsel nicht vor.

© ExQuisine/Fotolia

Vitamin D ist wichtig für den Kalzium-Haushalt sowie den Knochenaufbau und beeinflusst auch das Immunsystem. Unser Körper bildet es bei Kontakt mit dem UV-B Anteil der Sonnenstrahlen. Immer wieder wurde für Vitamin D zudem ein positiver Effekt gegen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes diskutiert. So hatten frühere Studien einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und Schwangerschaftsdiabetes nahegelegt. Auch für Typ-1-Diabetes wurde berichtet, dass bei Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes deutlich erniedrigte Vitamin D-Spiegel vorliegen. Andererseits hatte Vitamin D-Mangel keinen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit.

Analyse von zahlreichen Publikationen

In der aktuellen Untersuchung wollte ein französisches Forscherteam neuere Daten heranziehen und schauen, ob sich die Gabe von Vitamin D tatsächlich nicht positiv auf Krankheiten abseits der Knochen auswirkt, wie eine Vorgängerarbeit 2012 berichtet hatte. Dazu werteten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen neben randomisierten Studien auch Übersichtsarbeiten (Metaanalysen) aus: Insgesamt waren es 202 Einzelartikel und  87 Übersichtsarbeiten, die von Januar 2013 bis Mai 2017 publiziert worden waren.

Untersucht wurde der Effekt auf zahlreiche (nicht-skelettale) Krankheiten, darunter auch Störungen des Zuckerstoffwechsels und Adipositas. Eingeschlossen waren Probandinnen und Probanden aller Altersklassen und explizit auch schwangere Frauen.

Die schlichte Antwort auf das Experiment lautete: nein. Den Forschern zufolge gab es keine Hinweise darauf, dass die Gabe von Vitamin D einen Effekt auf die Prävention und Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen hat. Eine neue Erkenntnis sei nur, dass die Einnahme von Vitamin D möglicherweise Infektionen der oberen Atemwege und Asthma-Exazerbationen vorbeuge.

Ursache oder Wirkung?

Dass die meisten Studien keine oder nur eine geringe Risikoreduktion durch Vitamin D zeigten, sei überraschend, schreiben die Autoren, denn in den meisten Beobachtungsstudien seien niedrige Vitamin D-Konzentrationen mit großen Erkrankungsrisiken und schlechtem Überleben verbunden und die Gabe von Vitamin D verringerte die Gesamtmortalität signifikant um drei Prozent. Möglicherweise sei der Sachverhalt aber anders herum: Ein schlechter Vitamin D-Status könne die Konsequenz schlechter Gesundheit sein und nicht deren Ursache.

Auffällig war, dass von ursprünglich 87 identifizierten Metaanalysen 52 ausgeschlossen werden mussten, da sie veraltet oder von schlechter Qualität gewesen seien. Ob sich mit einer besseren Datenlage ein anderes Bild ergeben hätte, ist nachträglich nicht zu klären. Die Autoren gehen aber davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren mindestens 1.000 weitere Studien zur Vitamin D-Gabe veröffentlicht werden. 


Quellen:
Autier, P. et al.: Effect of vitamin D supplementation on non-skeletal disorders: a systematic review of meta-analyses and randomised trials. In: The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2017, DOI: 10.1016/S2213-8587(17)30357-1

Medscape Deutschland: Metaanalyse zu Vitamin D mit ernüchterndem Ergebnis: Wenige profitieren – und die auch nur geringfügig. Artikel vom 9. November 2017


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