Typ-1-Diabetes

Versteckspiel der Betazellen

21. Feb 2017

Durch welche Strategien gelingt es einer Untergruppe von Betazellen in der Bauchspeicheldrüse, sich jahrelang gegen den Angriff durch das körpereigene Immunsystem bei Typ-1-Diabetes zu schützen? Antworten auf diese Frage gibt ein Forscherteam der US-amerikanischen Universitäten Yale, Harvard und MIT in ihrer aktuellen Publikation. Könnten die ‚versteckten’ Zellen wieder in insulinproduzierende Betazellen umgewandelt werden, würden neue Methoden zur Behandlung des Typ-1-Diabetes in greifbare Nähe rücken.

Langerhanssche Inseln - Betazellen

© 7activestudio - Fotolia.com

Die Betazellen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse produzieren Insulin und regulieren damit den Blutzuckerspiegel. Beim gesunden Menschen sind sie sehr wandlungsfähig und passen sich im Laufe des Lebens an unterschiedliche Stoffwechselanforderungen an.

Die Anzahl der Insulinproduzenten steigt beispielsweise mit zunehmendem Körpergewicht oder während einer Schwangerschaft. Der Zuckerhaushalt funktioniert reibungslos, solange dieses dynamische Gleichgewicht nicht gestört wird. Die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes führt durch einen Angriff des körpereigenen Immunsystems zu einer bislang irreversiblen Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen.

Neue Ansätze, die funktionale Betazellmasse wieder herzustellen, beschreiben US-amerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der aktuellen Publikation im Journal ‚Cell Metabolism’. Sie untersuchten, wie sich im Verlauf der Entstehung von Typ-1-Diabetes in der Bauchspeicheldrüse zwei verschiedene Arten von Betazellen entwickeln.

Während die einen dem eigenen Immunsystem zum Opfer fallen, durchlaufen die anderen eine Art Programmänderung. Sie verändern die molekularen Marker auf ihrer Oberfläche, die sie als reife Betazellen ausweisen und produzieren Moleküle, die den Immunangriff verhindern. Sie fahren ihre Eigenschaften zurück zu einem früheren - stammzellähnlichen - Entwicklungsstadium, in dem sie gegen die Autoimmunreaktion geschützt sind und sich weiterhin teilen können. Die Produktion von Insulin stellen sie jedoch ein.

Eine Vielzahl von zellulären Stoffwechselwegen ist an dieser Verwandlung beteiligt. Nachweisen konnte die Forschergruppe die Abläufe sowohl im Mausmodell als auch in der Zellkultur mit menschlichen Zellen.

Ziel der Wissenschaftler ist es, die ‚versteckten’ Zellen wieder zu insulinproduzierenden Betazellen regenerieren zu können. In Arzneimitteltests suchen sie nach einer Substanz, die die Betazellen wieder zur Ausreifung und zur Insulinproduktion anregt. Gelingt ihnen dies, wäre das ein wichtiger Schritt in Richtung der Behandlung von Typ-1-Diabetes.

Quelle:

Rui, J. et al.: β Cells that Resist Immunological Attack Develop during Progression of Autoimmune Diabetes in NOD Mice. In: Cell Metabolism, 2017, (Epub ahead of print)

EurkAlert: Yale scientists study how some insulin-producing cells survive in type 1 diabetes, Pressemitteilung vom 9. Februar 2017 (letzter Abruf: 20.02.2017)

 

Zum Weiterlesen:

Stammzellen gegen Diabetes? Das Experteninterview mit Prof. Lickert

 


zum Seitenanfang
Druckversion