Epigenetik

Übergewicht schlägt sich auch auf dem Erbgut nieder

22. Dez 2016

Die Festtags-Pfunde lagern sich nicht nur auf den Hüften, sondern auch auf der DNA ab. Das ist das Ergebnis einer großen internationalen Studie, die nun im Fachjournal `Nature` veröffentlicht wurde. Sie zeigt, dass ein erhöhter Body Mass Index zu epigenetischen Veränderungen an fast 200 Stellen des Erbguts führt - mit Auswirkungen auf die Gene.

Übergewicht schlägt sich auch auf dem Erbgut nieder.

© norman blue - Fotolia.com

Während sich unsere Gene im Laufe des Lebens kaum verändern, kann unser Lebensstil direkten Einfluss auf deren Umgebung ausüben. Wissenschaftler sprechen hier vom Epigenom (griechisch epi: auf, an, bei), also alles, was auf und um die Gene geschieht. Bisher kaum untersucht wurde, wie sich das Epigenom durch Übergewicht verändert. Übergewicht begünstigt Folgeerkrankungen wie Diabetes, Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen.

Große Studie zu Body Mass Index und Epigenetik

Das internationale Forscherteam unter Federführung des Helmholtz Zentrums München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, überprüfte in einer groß angelegten Studie mögliche Zusammenhänge zwischen dem Body Mass Index (BMI) und epigenetischen Veränderungen.

Dazu untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Blutproben von über 10.000 Frauen und Männern aus Europa. Ein größerer Teil darunter waren Bewohner Londons mit indischer Abstammung, die laut den Autoren ein hohes Risiko für Fettleibigkeit und Stoffwechselkrankheiten haben. In einem ersten Schritt mit 5.387 Proben ermittelte das Forscherteam 207 Genorte, die abhängig vom BMI epigenetisch verändert waren. Diese Kandidaten testeten sie dann an Blutproben von weiteren 4.874 Probanden und konnten 187 davon bestätigen. Weitere Untersuchungen und Langzeitbeobachtungen wiesen zudem darauf hin, dass ein Großteil der Veränderungen eine Folge des Übergewichts war und nicht dessen Ursache.

Signifikante Änderungen auch an Entzündungsgenen

Signifikante Veränderungen entdeckten die Forscher vor allem an Genen, die für den Fettstoffwechsel sowie für Stofftransport zuständig sind, aber auch an Entzündungsgenen. Darüber hinaus konnte das Team aus den Daten epigenetische Marker identifizieren, anhand derer sich das Risiko für einen Typ-2-Diabetes vorhersagen ließ.

Die Studienergebnisse erlauben neue Einblicke, welche Signalwege durch Fettleibigkeit beeinflusst werden. Daraus könnten neue Strategien entstehen, wie man Typ-2-Diabetes und andere Folgen des Übergewichts vorhersagen und bestenfalls verhindern kann, so hoffen die Wissenschaftler.  Im nächsten Schritt wollen die Forscher untersuchen, wie sich die epigenetischen Veränderungen im Einzelnen auf die Aktivität der darunter liegenden Gene auswirken.

Quelle:

Wahl, S. et al.: Epigenome-wide association study of body mass index, and the adverse outcomes of adiposity. Nature, 2016. doi:10.1038/nature20784

Helmholtz Zentrum München: Epigenetik - Übergewicht schlägt sich auch auf dem Erbgut nieder. Pressemitteilung vom 22.12.2016

 

 


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