Diabetesforschung

Typ-1-Diabetes-Risiko bei Neugeborenen

06. Apr 2018

Eine verbesserte Risikoberechnung hilft, Kinder ab Geburt zu identifizieren, die ein mindestens 25-fach erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes haben. Der Test wurde in ‚PLoS Medicine‘ veröffentlicht und kommt bereits in einem europaweiten Präventionsprojekt zu Typ-1-Diabetes zum Einsatz.

Typ-1-Diabetes-Risikotest © GordonGrand - Fotolia

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Typ-1-Diabetes, die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter, entwickelt sich schleichend. Lange bevor Symptome auftreten, beginnt das Immunsystem in einer fehlgeleiteten Reaktion, insulinproduzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse zu zerstören. Um diesen Prozess möglicherweise zu verhindern, ist eine frühe und zuverlässige Abschätzung des Krankheitsrisikos nötig. Bisher untersuchten Wissenschaftler dafür zum Beispiel zwei Gene im sogenannten HLA-System (Humanes Leukozyten-Antigen), einer Gruppe von Genen, die zentral für die Funktion des Immunsystems sind, oder sie suchten nach weiteren Typ-1-Diabetes-Fällen in der Familie. Beide Methoden sind jedoch unzureichend: 90 Prozent aller erkrankten Kinder haben keinen Verwandten ersten Grades (Eltern oder Geschwister) mit Typ-1-Diabetes. Die Analyse der beiden HLA-Genotypen kann bestenfalls Kinder identifizieren, die ein Krankheitsrisiko von fünf Prozent besitzen. Zum Vergleich: Das Risiko für den breiten Bevölkerungsdurchschnitt beträgt 0,4 Prozent.

Analyse von Diabetes-Risikogenen

Ein internationales Forscherteam entwickelte einen Risiko-Score als Messlatte für das Diabetesrisiko. In einer prospektiven Studie bezogen die Wissenschaftler bis zu 41 Typ-1-Diabetes-Risikogenregionen mit ein. Sie nutzten dazu Daten von über 3.000 Kindern, die an der TEDDY-Studie* teilnehmen und die keine Verwandten mit Typ-1-Diabetes haben.

Mithilfe des Risiko-Scores ließen sich Kinder aufspüren, deren Risiko, bis zum sechsten Geburtstag ein frühes Stadium des Typ-1-Diabetes zu entwickeln, mehr als zehn Prozent betrage, so die Autoren der Studie. Im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt bedeute das ein mindestens 25-fach erhöhtes Risiko. Das Verfahren sei den bisherigen Methoden damit deutlich überlegen.

Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Babys

Der Test wird bereits in einem großen klinischen Studienprojekt zur Prävention von Typ-1-Diabetes angewendet. Im Rahmen der Freder1k-Studie können Eltern in Bayern, Niedersachsen und Sachsen ihr Baby in der Geburtsklinik oder bei einem der ersten Kinderarzt-Besuche kostenlos auf das Typ-1-Diabetes-Risiko untersuchen lassen. Krankenhäuser und Forschungsinstitute in Schweden, Großbritannien, Polen und Belgien nehmen ebenfalls teil. Insgesamt wollen die Wissenschaftler in den kommenden Jahren über 300.000 Babys testen. Kinder, bei denen ein erhöhtes Risiko festgestellt wird, können an einer Studie teilnehmen, die der Entstehung von Typ-1-Diabetes vorbeugen soll.

Möglicherweise lässt sich das Modell zur Risikoberechnung auch auf andere Autoimmunkrankheiten bei Kindern übertragen, so die Hoffnung der Autoren.

Quellen:

Bonifacio E. et al.: Genetic scores to stratify risk of developing multiple islet autoantibodies and type 1 diabetes: A prospective study in children. In: PLoS Medicine, 2018, DOI: 10.1371/journal.pmed.1002548

Helmholtz Zentrum München: Abschätzung des genetischen Risikos für Typ-1-Diabetes verbessert. Pressemitteilung vom 04.04.2018 (Letzter Abruf: 05.04.2018)

 

*TEDDY (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) erforscht Einflussfaktoren auf die Entstehung von Typ-1-Diabetes. In insgesamt sechs Zentren in den USA, Finnland, Schweden und Deutschland verfolgen Wissenschaftler dazu über 8000 Kinder mit Typ-1-Diabetes-Risikogenen von der Geburt bis zum 15. Lebensjahr. Die US-amerikanischen Gesundheitsbehörden National Institutes of Health und Centers of Disease Control and Prevention sowie die Juvenile Diabetes Research Foundation finanzieren das Projekt.


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