Diabetes-Medikamente

Teure Insulinanaloga unter der Lupe

14. Aug 2018

Haben hochpreisige Basalinsulinanaloga einen Vorteil gegenüber günstigeren Verzögerungsinsulinen bei Typ-2-Diabetes? Diese Frage stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der US-amerikanischen Yale University und lieferten die Antwort im Fachmagazin ‚JAMA‘.

© Fotolia/Thomas Brugger

Zunächst zur Erklärung: Bei der Insulintherapie von Diabetes kommen häufig Basalinsuline (auch Verzögerungsinsuline) zum Einsatz. Sie geben das Hormon über einen längeren Zeitraum ab und halten den Blutzucker entsprechend lange stabil. Eine Untergruppe davon bilden die sogenannten Neutral Protamin Hagedorn (NPH) Insuline, die nach dem dänischen Wissenschaftler Dr. Hans Christian Hagedorn benannt sind, der sie bereits 1936 entwickelte. Ihre Herstellung ist laut der aktuellen Studie relativ günstig. Ihnen gegenüber stehen die langwirksamen Insulinanaloga, die im Vergleich laut den Autoren zwei- bis zehnmal teurer sind.

Diese beiden Wirkstoffgruppen verglichen die Wissenschaftler in der aktuellen Studie: Dazu werteten sie rückblickend die Daten von 25.489 Menschen mit Typ-2-Diabetes aus. 1.928 davon hatten Insulinanaloga, 23.561 NPH-Insuline als Ersttherapie erhalten. Zur Verfügung gestellt hatte die Daten ein Versicherer, der als einer von wenigen noch NPH-Insuline bevorzugt. Der Beobachtungszeitraum lag zwischen 2006 und 2015, das Durchschnittsalter bei rund 60 Jahren.

Kaum Unterschiede bei Unterzuckerungen und Langzeitblutzucker

Konkret untersuchten die Forscher die Anzahl der unterzuckerungsbedingten Krankenhausaufenthalte. Bei den Insulinanaloga waren das 39, umgerechnet 11,9 Fälle pro 1.000 Personenjahre, bei den deutlich öfter verwendeten NPH-Insulinen 354 also 8,8 Fälle pro 1.000 Personenjahre. Die Auswertung der US-Forscher ergab in dieser Hinsicht also keinen signifikanten Unterschied. Auch auf den nach einem Jahr als HbA1c gemessenen Langzeitblutzucker hatte die Wahl des Wirkstoffs keinen unterschiedlichen Effekt.

Zumindest bei den gemessenen Kriterien hätten die teureren Insulinanaloga also keinen Vorteil, so die Autoren. Anfügen muss man allerdings, dass die Wirkstärke und die Wirkdauer von NPH-Insulinen stark variieren können. Darüber hinaus sind sie in der Praxis nicht ganz so einfach zu handhaben wie die teurere Konkurrenz: Der milchig-trübe Bodensatz im Präparat muss vor dem Spritzen durch wiederholtes Kippen und Schwenken erst sorgfältig gelöst werden.

 

Quelle:
Lipska, K. et al.: Association of Initiation of Basal Insulin Analogs vs Neutral Protamine Hagedorn Insulin With Hypoglycemia-Related Emergency Department Visits or Hospital Admissions and With Glycemic Control in Patients With Type 2 Diabetes. In: JAMA, 2018, DOI:10.1001/jama.2018.7993


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