Ernährung

Süßstoff oder Zucker in den Kaffee?

25. Jul 2017

Menschen, die auf ihr Gewicht achten, ersetzen häufig den Löffel Zucker durch Süßstoff, und greifen auch bei Erfrischungsgetränken eher zu künstlich gesüßten Light-Produkten als zum zuckerhaltigen Original. Doch ist Süßstoff wirklich dafür geeignet, das Körpergewicht zu kontrollieren? Ein kanadisches Forscherteam kommt jetzt in einer Übersichtsstudie zu dem Schluss, dass der langfristige Verzehr von Süßstoff eher ein erhöhtes Risiko für schweres Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herzerkrankungen nach sich zieht.

Zucker oder Süßstoff in den Kaffee? © hjschneider / Fotolia

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Zahlreiche Studien haben sich bereits mit dem Thema Süßstoff beschäftigt – mit uneinheitlichen und schwer vergleichbaren Ergebnissen. Die Forscherinnen und Forscher der Universität Manitoba, Kanada, wollten Licht ins Dunkel bringen und speziell die Frage beleuchten, wie sich dauerhafter Süßstoff-Konsum auf den Body Mass Index (BMI) und verschiedene damit in Zusammenhang stehende Parameter auswirkt. Mittels einer umfassenden Literaturrecherche wählten sie 37 Studien aus, die die folgenden Kriterien erfüllten:

  • Studienteilnehmer/innen älter als 12 Jahre
  • Studiendauer mindestens sechs Monate
  • Primäres Beobachtungsziel: Veränderung des Body Mass Index (BMI)
  • Sekundäre Beobachtungsziele: Veränderung des Körpergewichts, Risiko für schweres Übergewicht, Zuckerstoffwechselstörungen, metabolisches Syndrom, Bluthochdruck, Erkrankungen des Herzens oder der Nieren.

Die ausgewählten Studien umfassen die Daten von mehr als 400.000 Menschen, die im Durchschnitt über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachtet wurden. Es handelt sich um dreißig Beobachtungsstudien und sieben randomisierte klinische Studien mit Kontrollgruppen.

Kein Vorteil durch Süßstoff

Das Ergebnis: Die randomisierten klinischen Studien, die eine kürzere Beobachtungzeit von durchschnittlich sechs Monaten aufweisen, zeigen keinen zuverlässigen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Süßstoff und der Reduktion von Körpergewicht, BMI oder Taillenumfang. In den Beobachtungsstudien mit längerer Beobachtungszeit (von durchschnittlich zehn Jahren) steht der Verzehr von Süßstoff dagegen in signifikantem Zusammenhang mit einem langsamen Anstieg der Parameter Körpergewicht, BMI oder Taillenumfang. Die Beobachtungsstudien zeigen darüber hinaus auch Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für schweres Übergewicht, Bluthochdruck, metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes, Schlaganfälle und Herzkreislauferkrankungen. Leider lagen aus den kontrollierten, randomisierten Studien keine Daten vor, um diese Ergebnisse zu untermauern.

Fazit: Eine positive Wirkung des Einsatzes von Süßstoff zur Kontrolle des Körpergewichts konnte in den ausgewerteten Studien nicht belegt werden. Die Tendenz ging eher in die entgegengesetzte Richtung, nämlich zu einer Risikoerhöhung durch die dauerhafte Einnahme von Süßstoffen.

Die Autoren betonen, dass es notwendig wäre, mehr kontrollierte, randomisierte Studien zu diesem Thema durchzuführen - angesichts der Tatsache, dass Millionen von Menschen weltweit künstliche Süßungsmittel konsumieren. Nur in kontrollierten Studien kann eine Ursachen-Wirkungs-Beziehung sauber nachgewiesen werden.

Quellen:
Azad, B. M. et al.: Nonnutritive sweeteners and cardiometabolic health: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials and prospective cohort studies. In: CMAJ, 2017, July 17; 189:E929-39. doi: 10.1503/cmaj.161390

Aerzteblatt.de: Künstliche Süßungsmittel: Bisherige Studien zeigen eher Nachteile für die Gesundheit. Artikel vom 18. Juli 2017 (letzter Abruf: 25.07.2017)


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