Suchtfaktor? - Essenslust ist im Gehirn verankert

09. Okt 2015

Bei Menschen mit starkem Übergewicht könnten bestimmte Strukturen und Verknüpfungen im Gehirn verantwortlich für die übermäßige Lust auf Essen sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung spanischer und australischer Wissenschaftler, die auf dem diesjährigen Europäischen Jahreskongress der Neuropsychopharmakologen in Wien vorgestellt wurde. Die Ergebnisse unterstützen die These, dass Übergewicht einen Suchtfaktor haben kann.

Suchtfaktor? - Essenslust ist im Gehirn verankert

Bild: Fotolia

Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie Veränderungen in den Hirnstrukturen übergewichtiger und normalgewichtiger Menschen, nachdem diese reichlich Essen angeboten bekommen hatten. Dabei beobachteten die Forscher zunächst das Essverhalten der Teilnehmer. Nach dem Essen legten sie den Probanden Bilder von den Speisen vor, um den Essensdrang wieder zu aktivieren. Dabei untersuchten sie deren Hirnaktivität per Magnetresonanztomografie (MRT).

Bei den Übergewichtigen im MRT reagierten die Hirnregionen, die für das Belohnungssystem verantwortlich sind, deutlich stärker auf die Essensbilder als bei den Normalgewichtigen. Darüber hinaus entdeckten die Wissenschaftler auch Unterschiede in der Verknüpfung der beiden Hirnareale, die für visuelle Eindrücke sowie für Freude aktiv sind. Bei den Übergewichtigen war diese stärker ausgeprägt als bei den normalgewichtigen Teilnehmern. Solche starken Verknüpfungen kennt man auch bei Süchtigen.

Offen bleibt allerdings die Frage nach der Henne und dem Ei. Möglicherweise verursachen in der Tat Veränderungen in bestimmten Hirnaktivitäten den vermehrten Drang nach Essen. Denkbar ist aber auch der umgekehrte Zusammenhang, dass ein stärkerer Essenskonsum die Gehirnaktivitäten beeinflusst. Die Wissenschaftler hoffen nun, über weitere Untersuchungen solche neuronalen Spuren im Gehirn quasi als Biomarker etablieren zu können. Vorstellbar wäre ihnen zufolge, die Erkenntnisse für künftige Pharmakotherapien und Techniken der Gehirnstimulation zu nutzen, die stark Übergewichtigen helfen, ihre Essensaufnahme besser zu steuern.


Quelle:

Study shows that food may be addictive: research indicates food carving is „hard-wired“ in the Brain. Pressemitteilung des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) vom 30. August 2015

Weiterführende Informationen:

Wie entsteht Adipositas?

 

Die Rolle des Gehirns bei der Entstehung von Adipositas und Diabetes

 


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