Schwangerschaftsdiabetes

Stillen schützt vor Typ-2-Diabetes

29. Jul 2016

Eine Stilldauer von mehr als drei Monaten führt zu langfristigen Veränderungen des Stoffwechsels. Dies schützt Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes davor, im weiteren Verlauf Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Die Ergebnisse des interdisziplinären Forscherteams von Helmholtz Zentrum München, TU München und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung sind im Fachmagazin ‚Diabetologia‘ nachzulesen.

Stillen schützt vor Typ-2-Diabetes

© Dmytro Vietrov-Fotolia

Vier Prozent aller schwangeren Frauen in Deutschland entwickeln einen Schwangerschaftsdiabetes. Obwohl sich ihr Blutzuckerspiegel nach der Entbindung zunächst wieder normalisiert, erkrankt jede zweite Betroffene innerhalb der nächsten zehn Jahre an einem Typ-2-Diabetes. Mittlerweile ist zwar bekannt, dass Stillen dieses Risiko um 40 Prozent senken kann, warum das so ist, ist aber noch unverstanden.

Aus früheren Untersuchungen weiß man, dass sich ab einer Stilldauer von drei Monaten ein Schutzeffekt einstellt, der bis zu 15 Jahre nach einem Schwangerschaftsdiabetes anhalten kann. In einer aktuellen Studie untersuchten die Forscher nun, welche Stoffwechselvorgänge dafür verantwortlich sein könnten.
Für ihre Analysen untersuchte das Wissenschaftlerteam knapp zweihundert Patientinnen, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickelt hatten. Die Studienteilnehmerinnen unterzogen sich einem oralen Glukosetoleranztest (oGTT) und gaben zuvor nüchtern und im Testverlauf eine Blutprobe ab. Diese verglichen die Wissenschaftler hinsichtlich 156 verschiedener, bekannter Stoffwechselprodukte. Die Entbindung lag zu diesem Zeitpunkt im Schnitt dreieinhalb Jahre zurück.

Die Stoffwechselprodukte der Frauen, die länger als drei Monate gestillt hatten, unterschieden sich deutlich von jenen, die kürzere Stillzeiten hatten. Das längere Stillen führt zu einer veränderten Produktion von Phospholipiden und verringerten Konzentrationen von verzweigtkettigen Aminosäuren im Blutplasma der Mütter.

Dies ist auch insofern interessant, weil die betroffenen Stoffwechselprodukte schon in früheren Studien mit Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht wurden. Die Ergebnisse der Studie liefern Hinweise auf krankheitsrelevante Stoffwechselpfade, die durch den Stillvorgang beeinflusst werden und daher dem Schutzeffekt zu Grunde liegen könnten. Stillen stellt somit eine kostengünstige Interventionsmaßnahme dar, langfristig das Risiko für Typ-2-Diabetes bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes zu senken. 

Für die Zukunft möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Erkenntnisse in konkrete Handlungsempfehlungen umsetzen. „Frauen mit Gestationsdiabetes stillen durchschnittlich seltener und kürzer im Vergleich zu nicht-diabetischen Müttern“, so Studienleiterin Dr. Sandra Hummel. „Das Ziel ist nun, Strategien zu entwickeln, die langfristig das Stillverhalten insbesondere von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes verbessern.“

Quellen:

Much, D., et al.: Lactation is associated with altered metabolomic signatures in women with gestational diabetes. In: Diabetologia, 2016, epub ahead of print. doi:10.1007/s00125-016-4055-8

Helmholtz Zentrum München: Stillen verändert den mütterlichen Stoffwechsel und schützt bis zu 15 Jahre vor Diabetes, Pressemitteilung vom 20. Juli 2016


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