Diabetesprävention

Sport und Spiel: auch Diabetes-Risikokinder profitieren

12. Okt 2018

Auch Kinder mit erstgradigen Verwandten mit Typ-1- oder Schwangerschaftsdiabetes können ihren Zuckerstoffwechsel durch Bewegung verbessern. Somit ist körperliche Aktivität nicht nur bei Kindern mit Typ-2-Diabetes-Risiko eine sinnvolle Präventionsstrategie. Darauf schließen Forscherinnen und Forscher anhand einer Studie im Magazin ‚Diabetic Medicine‘.

Kind auf Trampolin

© ImagoPhoto / fotolia

Kinder und Jugendliche mit erstgradigen Verwandten (Eltern oder Geschwister) mit Typ-1-Diabetes haben im Verlauf des Lebens ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit und dadurch auch für eine Insulinresistenz, eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes. Bislang war aber unklar, ob sich dieses Risiko, ähnlich wie bei einer Vorbelastung für Typ-2-Diabetes auch durch körperliche Aktivität verringern lässt.

Um dieser Frage nachzugehen, untersuchten die Autoren die Daten von 234 Kindern im Alter von durchschnittlich zehn Jahren. Alle hatten mindestens ein Elternteil oder ein Geschwister mit Typ-1-Diabetes oder eine Mutter mit Schwangerschaftsdiabetes. Die Wissenschaftler erhoben stoffwechselbezogene Daten, Entzündungsbotenstoffe (Zytokine) im Blut sowie Angaben zur körperlichen Aktivität der Kinder. Zudem wurde ein oraler Glukose-Toleranz-Test durchgeführt. Der Test gibt Auskunft darüber, wie gut der Stoffwechsel mit dem in großen Mengen zugeführten Zucker umgeht.

Aktiv sein gegen das Diabetes-Risiko

Die Ergebnisse zeigten, dass moderate bis starke körperliche Aktivität der Risikokinder mit besseren Testresultaten einhergingen, so die Autoren. Zum einen wurde der zugeführte Zucker schneller wieder abgebaut. Zum anderen wiesen die aktiveren Kinder auch niedrigere Insulin- und C-Peptid-Spiegel auf. Die Forschenden werten es als gutes Zeichen, wenn der Körper in der Lage ist, den Zucker zu verstoffwechseln, ohne die Insulinausschüttung zu steigern. Wären die Werte für das Insulin und das gleichzeitig freigesetzte C-Peptid erhöht, ließe das darauf schließen, dass der Stoffwechsel überfordert ist und versucht, dies durch erhöhte Hormonmengen auszugleichen.

Vor allem konnten die Autoren zeigen, dass sich die Wirkung des Hormons Insulin (Insulinsensitivität) durch körperliche Aktivität signifikant verbesserte. Das könne indirekt bedeuten, dass Sport als quasi Therapie auch bei Typ-1-Diabetes hilfreich sein könnte und die Betazellen entlastet. Keine Zusammenhänge ergaben sich hingegen für den Body-Mass-Index, den Blutdruck oder die Entzündungsbotenstoffe.

Bewegung wirke sich auch bei Kindern mit einer genetischen Vorbelastung für Diabetes sehr positiv auf den Stoffwechsel aus, schlussfolgern die Autoren. Aus diesem und vielen anderen Gründen könne es sich also durchaus lohnen, hin und wieder das Smartphone zur Seite zu legen und gemeinsam vor die Tür zum Spielen zu gehen.

Quellen:

Ungethüm, K. et al.: Physical Activity is Associated with Lower Insulin and C-peptide during Glucose 1 Challenge in Children and Adolescents with Family Background of Diabetes. In: Diabetic Medicine, 2018, DOI: 10.1111/dme.13819

Helmholtz Zentrum München: Geht raus zum Spielen! Pressemitteilung vom 10.10.2018 (letzter Abruf: 12.10.2018)



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