Diabetes-Prävention

Sexualhormon hilft dem Stoffwechsel

10. Apr 2018

Warum haben Frauen nach den Wechseljahren ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes? Diesem Phänomen wollten Schweizer Forscherinnen und Forscher auf den Grund gehen. In ‚JCI Insight‘ stellen die Genfer Autoren neue Erkenntnisse vor, wie das Hormon Östrogen (auch Estrogen) den Stoffwechsel schützt.

© Zerbor/Fotolia

Geschlechtshormone können den Blutzuckerspiegel beeinflussen und teilweise auch für dessen Schwankungen verantwortlich sein. Vor allem aber nach den Wechseljahren (Menopause) sei das Risiko für Typ-2-Diabetes bei Frauen besonders erhöht, erklären die Autoren der aktuellen Arbeit mit Verweis auf große Bevölkerungsstudien. Umgekehrt  hätten Frauen mit einer Hormon-Ersatztherapie ein um rund 35 Prozent geringeres Risiko für die Krankheit.

Die Wissenschaftler wollten wissen, warum das so ist und untersuchten dazu Mäuse, die selbst kein Östrogen herstellen konnten. Behandelten sie die Tiere mit dem Hormon, verbesserte sich deren Glukose-Toleranz. Eine Eigenschaft, die vor einem Typ-2-Diabetes schützt, so die Autoren.

In weiteren Untersuchungen fand das Forschungsteam heraus, dass die Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse auf das Östrogen reagieren, indem sie das Stoffwechselhormon GLP-1 ausschütten. GLP-1 (Glukagon-ähnliches Peptid-1) wiederum bewirkt eine bedarfsgerechte verstärkte Insulinausschüttung und fördert unter anderem das Sättigungsgefühl nach dem Essen. Anschließend untersuchten die Forscher zudem die Östrogenwirkung auf die sogenannten L-Zellen im Darm, da sie den Alpha-Zellen sehr ähneln. Auch sie reagierten mit vermehrter GLP-1 Ausschüttung auf das Sexualhormon.

Die Ergebnisse bestätigten die Wissenschaftler anschließend auch an menschlichen Zelllinien und Gewebeproben. Konkret sei es vor allem einer von drei möglichen Östrogen-Rezeptoren, der die stoffwechselfördernde Wirkung des Hormons vermittelt. Die Forscher hoffen durch ihre Erkenntnisse auf neue Therapieoptionen, indem man gezielt diesen einen Östrogen-Rezeptor ansteuert und aktiviert. Inwiefern sich bis dahin Hormonersatztherapien zur Prävention von Diabetes eignen, diskutieren die Forscher kritisch: Zwar sei deren mögliche Wirkung auf den Stoffwechsel positiv, allerdings sei die Einnahme von Hormonen über einen Zeitraum von mehreren Jahren mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen verbunden. 

Die grundsätzliche Erkenntnis aus der Studie lautet also zunächst: Durch den Verlust von Östrogen in den Wechseljahren geht die Ausschüttung von GLP-1 durch die Alpha- und L-Zellen in Bauchspeicheldrüse und Verdauungstrakt zurück, weshalb das Risiko für Diabetes steigt.

 

Quellen:
Handgraaf, S. et al.: 17-β Estradiol regulates proglucagon-derived peptide secretion in mouse and human α- and L cells. In: JCI insights, 2018, DOI: 10.1172/jci.insight.98569

Universität Genf: Diabetes: a new insight of the protective role of oestrogens. Pressemitteilung vom 5. April 2018


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