Versorgungsforschung

Regionale Unterschiede in der Behandlung von Typ-1-Diabetes

04. Dez 2018

Wie die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes behandelt wird, hängt auch davon ab, wo die Patientinnen und Patienten in Deutschland wohnen. Ein deutsches Forscherteam hat die regionalen Unterschiede genauer untersucht. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Zeitschrift 'Diabetes Care' veröffentlicht.

Deutschlandkarte

© vege / Fotolia

Die Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation ist ein deutschlandweites Register, in welches die Daten von 416 Diabeteszentren einfließen. Das Forscherteam hat die Daten von über 29.000 Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes im Alter unter 20 Jahren nach regionalen Gesichtspunkten ausgewertet: 

  • Übergewicht tritt häufiger in sozial schwachen Regionen* auf. Die Häufigkeit liegt hier durchschnittlich bei 15,5 Prozent, und in sozial starken Gegenden bei 11,8 Prozent.
  • Patienten in sozial schwachen Regionen erhalten seltener langwirksame Insulinanaloga (64,3 Prozent gegenüber 80,8 Prozent in sozial starken Regionen).
  • In sozial schwachen Regionen verwenden weniger Patienten kontinuierliche Glukoseüberwachungssysteme (CGM) (3,4 Prozent gegenüber 6,3 Prozent in sozial starken Regionen).
  • Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c ist im Durchschnitt in den sozial schwachen Regionen höher (8,07 Prozent) im Vergleich zu durchschnittlich 7,84 Prozent in den sozial stärkeren Gebieten.
  • Allerdings: Gefährliche Unterzuckerungen treten in sozial schwachen Gegenden seltener auf. Bezogen auf einhundert Patientenjahre treten in den schwächsten Gebieten 6,9 schwere Unterzuckerungen (Hypoglykämien) auf. In den sozial starken Regionen kommen 12,1 Ereignisse zusammen.

Behandlung von Typ-1-Diabetes: moderne Technik nutzen

Die Autoren schlussfolgern, dass sich durch den Einsatz moderner Mess-Systeme wie CGM oder Insulinpumpen die Blutzuckerkontrolle bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes in sozial schwachen Gebieten verbessern ließe.

*) Die soziale Situation einer Region in Deutschland bewertet der sogenannte ‚German Index of multiple Deprivation 2010 (GIMD 2010)‘. Dieser berücksichtigt Einkommen, Arbeitsplätze, Bildung, Sozialkapital, Umwelt und Sicherheit. Die sozial und wirtschaftlich schwächsten Regionen finden sich dabei vor allem in den neuen Bundesländern mit Ausnahme des Großraums Berlin, die stärksten Regionen in Bayern, Baden-Württemberg, dem Rhein-Main-Gebiet sowie den Ballungsräumen Hamburg, Bremen, Köln-Bonn und Düsseldorf.

Quellen:  

Marie Auzanneau et al.: Area Deprivation and Regional Disparities in Treatment and Outcome Quality of 29,284 Pediatric Patients With Type 1 Diabetes in Germany: A Cross-sectional Multicenter DPV Analysis. In: Diabetes Care, 2018, DOI https://doi.org/10.2337/dc18-0724

Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD): Regionale Unterschiede bei der Behandlung von Typ-1-Diabetes und der Zusammenhang mit Deprivation. Pressemitteilung vom 28. November 2018


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