Diabetesmedikamente

Praxistest bestanden: SGLT-2-Hemmer gegen Herzschwäche

20. Apr 2018

Menschen mit Typ-2-Diabetes, die einen SGLT-2-Hemmer zur Blutzuckersenkung einnehmen, müssen weniger häufig wegen Herzinsuffizienz in eine Klinik eingewiesen werden. Dies ergab eine unabhängig finanzierte Analyse von Krankenversicherungsdaten aus den USA, deren Ergebnisse im Fachjournal ‚The BMJ‘ veröffentlicht wurden.

Hände halten ein kleines Herz

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Typ-2-Diabetes geht mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen einher.  Bereits im Stadium des Prädiabetes treten Erkrankungen der Herzkranzgefäße häufiger auf als in der Normalbevölkerung.

In der Diabetes-Fachwelt bekamen daher die oralen Antidiabetika aus der Wirkstoffgruppe der SGLT-2-Hemmer, auch Gliflozine genannt, große Aufmerksamkeit, als sich in zwei Studien (EMPA-REG-OUTCOME, CANVAS) ein deutlicher Vorteil der SGLT-2-Hemmer in Bezug auf Herz-Kreislauf-Komplikationen sowie die Gesamtsterblichkeit zeigte.

SGLT-2-Hemmer: unabhängig getestet unter Praxisbedingungen

Doch können diese Effekte auch in der Routinebehandlung erzielt werden? Dies ist möglich, bestätigt nun eine US-amerikanische Registerstudie, die rückwirkend die Daten von rund 225 000 Typ-2-Diabetikern auswertete. Anders als die oben genannten Studien wurde diese Analyse nicht vom pharmazeutischen Hersteller des Medikaments finanziert.

Weniger Klinikaufenthalte aufgrund von Herzschwäche

Ergebnis: Im betrachteten Zeitraum von rund einem halben Jahr zeigte sich unter der Therapie mit dem SGLT-2-Hemmer Canagliflozin ein vermindertes Risiko für Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzschwäche (um 30 Prozent reduziert im Vergleich zur Therapie mit DPP-4-Hemmern, 39 Prozent geringer im Vergleich zu GLP-1-Agonisten, und um 49 Prozent reduziert im Vergleich zur Therapie mit Sulfonyharnstoffen).

Auch traten unter Canagliflozin weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle auf als unter den Vergleichspräparaten DPP-4-Hemmer und Sulfonylharnstoffen. Die Daten bestätigten damit im Wesentlichen die Ergebnisse der CANVAS Studie. 

Die Autoren räumten ein, dass Register-Studien im Vergleich zu kontrollierten, randomisierten Studien immer eine beschränkte Aussagekraft hätten. In diesem Fall läge aber ein deutlicher Vorteil darin, dass die betrachteten Patienten einen realistischen Querschnitt durch die Population der Diabetespatienten in den USA darstellten. Die Daten wurden zu einer Zeit erhoben, als die Ergebnisse der oben genannten Pharma-Studien noch nicht veröffentlicht waren. Die Ärzte waren also in der Auswahl der verschriebenen Medikamente noch unbeeindruckt von möglichen positiven Effekten auf das Herz-Kreislaufsystem.

Zukünftige Studien müssen zeigen, ob sich die Daten auf alle SGLT-2-Hemmer übertragen lassen, oder ob die verschiedenen Gliflozine unterschiedlich wirken in Bezug auf den Herz-Schutz. Canagliflozin ist auf dem deutschen Markt seit 2014 nicht mehr verfügbar, seitdem das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) dem Wirkstoff einen Zusatznutzen abgesprochen hatte.

Quelle:

Patorno, E. et al.: Cardiovascular outcomes associated with canagliflozin versus other non-gliflozin antidiabetic drugs: population based cohort study. In:  BMJ, 2018;360:k119

Aerztezeitung.de: Gliflozin gegen Herzschwäche – das klappt im Praxisalltag. Artikel vom 10. April 2018 (letzter Abruf: 20. April 2018)


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