Folgeerkrankungen

Nieren, Netzhaut und Nerven im Blick behalten

28. Feb 2017

Schädigungen der kleinen Gefäße bei Menschen mit Diabetes rechtzeitig erkennen – zum Schutz von Nieren, Augen und Nerven: Anfang des Jahres hat die American Diabetes Association (ADA) ihre jährlichen Empfehlungen zu Screening, Diagnose und Therapie im Fachjournal ‚Diabetes Care‘ veröffentlicht.

Nieren, Netzhaut und Nerven im Blick behalten

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Die meisten Folgeerkrankungen bei Diabetes mellitus basieren auf Durchblutungsstörungen der großen und kleinen Gefäße. Schneller als bei stoffwechselgesunden Personen entwickeln sich arteriosklerotische Ablagerungen in den Blutgefäßen, die über die Jahre zu gefährlichen Verengungen führen können. Schädigungen der Nieren, der Netzhaut im Auge oder der peripheren Nerven beruhen auf einer Minderdurchblutung kleiner und kleinster Blutgefäße.

Bei Typ-1-Diabetes reicht es, mit dem Screening auf Gefäßschädigungen fünf Jahre nach der Diagnosestellung zu starten. Bei Typ-2-Diabetes kann bereits bei Diagnosestellung eine Schädigung vorliegen, daher sollten die betreffenden Organsysteme jährlich überwacht werden.

20 – 40 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Diabetes leiden an chronischer Niereninsuffizienz. Erstes Anzeichen für eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion ist eine vermehrte Ausscheidung von Eiweiß (Albumin) mit dem Urin. Die amerikanische Diabetes-Fachgesellschaft ADA rät zu einer jährlichen Bestimmung des Albumin-Gehalts im Morgenurin und der Berechnung bestimmter Parameter, die Auskunft über die Filtrationseigenschaften der Nieren geben.

Bei sinkender Nierenleistung ist für Patienten mit Typ-2-Diabetes die richtige Wahl und Dosierung der antidiabetischen Medikamente entscheidend. So gibt es Medikamente, die eine positive Wirkung auf die Nieren haben, und andere, die bei zu geringer Nierenleistung nicht mehr oder nicht mehr in entsprechender Dosierung gegeben werden dürfen. Darüber hinaus trägt die richtige Einstellung des Blutdrucks entscheidend zur Gefäßgesundheit bei.

Auch der Gang zum Augenarzt sollte zur Routine eines Diabetes-Patienten gehören. Bleiben anfängliche  jährliche Kontrollen ohne Befund, kann auf einen zweijährigen Rhythmus gewechselt werden. Engmaschig sollten Frauen mit Kinderwunsch beobachtet werden. In der Schwangerschaft kann sich eine Netzhautschädigung (Retinopathie) schnell verschlechtern.

Etwa ein Viertel aller Diabetespatienten entwickelt im Laufe des Lebens ein diabetisches Fußsyndrom. Bei jedem Arztbesuch sollte daher eine kurze Betrachtung der Füße erfolgen. Ohne Befund reicht für eine ausführliche Untersuchung wieder die Jahresfrist . Dabei sollten die Haut, mögliche Verformungen und Entzündungen, Schuhe und Einlagen sowie das Gangbild und der Fußabdruck einem genauen Check unterzogen werden.

Die Hälfte der Betroffenen mit Nervenschäden spüren keine Symptome, da ihnen das Schmerzempfinden abhandengekommen ist, welches dem Schutz vor Verletzungen dient. Empfindet man jedoch keine Schmerzen, können sich schwerwiegende, irreparable Gewebsschäden entwickeln, die schließlich sogar eine Amputation der betroffenen Gliedmaßen erforderlich machen können.

Insgesamt entsprechen die Empfehlungen der amerikanischen Fachgesellschaft weitgehend den Praxisempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).  

Quellen:

American Diabetes Association: Microvascular complications and foot care. Sec. 10. Standards of Medical Care in Diabetes, 2017. In: Diabetes Care, 2017, 40 (Suppl. 1): S88–S98

Braunwarth, A.: Die kleinen Gefäße von Diabetikern im Fokus: Wie Sie Niere, Netzhaut und Nerven schützen. In: Medical Tribune, 3. Februar 2017, Nr. 5, S. 10

Deutsche Diabetes Gesellschaft (Hrsg.): Praxisempfehlungen Nephropathie bei Diabetes. Diabetologie 2016; 11 (Suppl 2): S93-S98

Deutsche Diabetes Gesellschaft (Hrsg.): Praxisempfehlungen Diabetische Retinopathie und Makulopathie. Diabetologie 2016; 11 (Suppl 2): S99-S104

Deutsche Diabetes Gesellschaft (Hrsg.): Praxisempfehlungen Diabetische Neuropathie. Diabetologie 2016; 11 (Suppl 2): S82-S92


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