Folgeerkrankungen

Neuropathie: Diagnose via Smartphone-Vibration

26. Jan 2018

Verdacht auf Neuropathie bei Patienten mit Diabetes und die Instrumente zum Nachweis sind nicht zur Hand? Kein Problem, solange die Ärztin oder der Arzt ein Smartphone dabei hat! Eine neue App unterstützt mit Hilfe der Vibrationsfunktion des Smartphones bei der Diagnose von Sensibilitätsstörungen. In einer Studie zeigte sich die App herkömmlichen Screening-Methoden sogar überlegen. Die Ergebnisse sind nachzulesen im Fachjournal ‚Foot and Ankle Surgery‘.

Neuropathie-Diagnose via Smartphone © Production Perig - Fotolia.com

© Production Perig - Fotolia.com

Bei allen Formen von Diabetes mellitus kann eine Schädigung der peripheren Nerven auftreten. Je länger der Diabetes bereits besteht, desto häufiger entwickelt sich eine diabetische Neuropathie, die für die Betroffenen sehr unangenehm sein kann. Weitere Komplikationen wie zum Beispiel ein diabetischer Fuß können die Folge sein. Ärzte empfehlen daher ein Screening auf diabetische Neuropathie zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bei Typ-2-Diabetes und spätestens fünf Jahre nach Diagnosestellung bei Menschen mit Typ-1-Diabetes. Die Untersuchung sollte im Jahresrhythmus wiederholt werden.

Dabei testet der Arzt oder die Ärztin das Vibrationsempfinden an verschiedenen Stellen der Beine und Füße mithilfe einer 128-Hertz-Stimmgabel. Ein 10-Gramm-Monofilament dient dazu, Druck- und Berührungsempfinden zu prüfen.

Diagnostik 2.0 – Smartphone-App erkennt Neuropathie

Ein britisches Forscherteam entwickelte nun eine Anwendung für Smartphones, die bewirkt, dass der Motor des Handys gleichmäßig in einer Frequenz von ca. 25 Hertz vibriert. In einer randomisierten Studie prüften sie, ob ‚NeurAppathy‘ Sensibilitätsstörungen ähnlich zuverlässig erkennt wie der Test mit Stimmgabel oder Monofilament.

An der Studie nahmen 21 Patienten mit bekannter diabetischer Neuropathie, 19 Patienten ohne Diabetes, aber mit einer Fraktur an den unteren Gliedmaßen, sowie 21 Personen ohne Diabetes und ohne Verletzung als Kontrollpersonen teil. Alle drei Instrumente wurden an verschiedenen Körperstellen getestet. Ausschlaggebend war die Auskunft der Probanden, ob sie eine Berührung spürten oder nicht.

Handy-App genauer als herkömmliche Messmethoden

Nach Auswertung der Testergebnisse zeigte sich, dass das Handy mit Vibrations-App sowohl dem Monofilament als auch der Stimmgabel an Genauigkeit überlegen war.  Sowohl erkrankte als auch nicht-erkrankte Personen konnten durch ‚NeurAppathy‘ mit einer höheren Wahrscheinlichkeit richtig identifiziert werden als mit den herkömmlichen Instrumenten.

Nach Einschätzung der Autoren habe die Handy-App den Praxistest bestanden. Die Methode sei nicht nur einfach anwendbar, breit verfügbar und kostengünstig, sondern konnte auch die medizinisch erforderliche Zuverlässigkeit der Testergebnisse zeigen. Für einen breiten Einsatz in der Neuropathie-Diagnostik ist es jedoch noch zu früh. Die Ergebnisse sind derzeit noch nicht auf alle Handymarken übertragbar und die App ist nicht als diagnostisches Messinstrument zugelassen.

 

Quellen:

May, J.D. et al.: Mobile phone generated vibrations used to detect diabetic peripheral neuropathy. In: Foot and Ankle Surgery, 2017, Volume 23 , Issue 4 , 281 - 284 

Aerztezeitung.de: Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel. Artikel vom 18. Januar 2018 (letzter Abruf 25. Januar 2018)


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