Diabetesforschung

Neues von der Impfung gegen Typ-1-Diabetes

18. Aug 2017

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes attackiert das Immunsystem die eigenen Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Forschende aus dem vereinigten Königreich haben nun versucht, die irrläufigen Abwehrkräfte umzuerziehen.

Insulinspritze

© miss_mafalda/Fotolia

Der aktuelle Schwerpunkt beim Diabetesinformationsdienst stellt die Mediathek in den Mittelpunkt. Hier stehen zahlreiche Interviews und Videos zur Verfügung, die verschiedene Sachverhalte rund um das Thema Diabetes verständlich erläutern und vertiefen. So auch das Video „Kurz und einfach: Typ-1-Diabetes erkennen und vorbeugen“.


Wie im Beitrag beschrieben, handelt es sich bei Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunkrankheit, bei der der Körper die eigenen Insulin produzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse angreift. In der Folge gerät der Blutzucker außer Kontrolle. Ein aktueller Ansatz der Forschung ist eine Impfung gegen Typ-1-Diabetes: ähnlich wie bei einer Hyposensibilisierung bei Allergien, soll der Körper an das Insulin und damit die Inselzellen gewöhnt werden.

Spritze hält Insulinbedarf konstant

In Fachmagazin ‚Science Translational Medicine‘ haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Cardiff und London nun neue Ergebnisse zum Thema Impfung gegen Diabetes vorgestellt. Die Forschergruppe hatte im Rahmen einer Phase 1b-Studie mit dem Namen MonoPepT1De neunzehn neu diagnostizierten Typ-1-Patientinnen und Patienten ein halbes Jahr lang alle zwei oder vier Wochen eine Insulinvorstufe (Präinsulin-Peptid) unter die Haut gespritzt. So sollte sich der Körper an das Insulin gewöhnen und das fehlgeleitete Immunsystem überlistet werden. Zum Vergleich erhielten acht weitere Patienten ein Scheinmedikament (Placebo). Die Forscher beobachteten beide Gruppen über zwölf Monate hinweg und verglichen die Ergebnisse.

Während der Insulinbedarf in der Kontrollgruppe um rund 50 Prozent anstieg, blieb der Insulinbedarf in der Gruppe der geimpften Patienten stabil - unabhängig davon, ob die Impfung alle zwei oder vier Wochen stattgefunden hatte. Zudem zeigten immunologische Marker im Blut der behandelten Probanden an, dass die Zerstörung der Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse womöglich verlangsamt werden konnte.

Allerdings sprachen nicht alle Probanden auf die Therapie an. Einer der Gründe hierfür könnte sein, dass das Immunsystem nicht nur auf das geimpfte Peptid, sondern noch weitere Proteine der Bauchspeicheldrüse reagiert.

Den Forschern war es nach eigenen Angaben also gelungen, zumindest bei einem Teil der Patienten das Immunsystem umzuerziehen und die verbleibenden Inselzellen zu schützen. Darüber hinaus zeige die Studie, dass die Methode wirkt und sicher ist, so die Autoren. Allerdings seien zum Zeitpunkt der Diagnose typischerweise bereits große Teile der Inselzellen zerstört, wie sie zu bedenken geben.

Trotz geringer Fallzahlen und einem relativ kurzen Beobachtungszeitraum macht die Studie Hoffnung, ist aber vermutlich noch nicht der entscheidende Schritt. Ein belgisches Pharmaunternehmen hat sich bereits die Rechte an dieser und einer weiteren ähnlichen Technologie gesichert.

Quellen:
Alhadj Ali, M. et al.: Metabolic and immune effects of immunotherapy with proinsulin peptide in human new-onset type 1 diabetes. In: Science Translational Medicine, 2017, DOI: 10.1038/nature23305. 

Cardiff University: ‘Retraining’ the immune system. Pressemitteilung vom 10. August 2017


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