Adipositasforschung

Neuer Wirkstoff liefert gute Ergebnisse bei seltenem Gendefekt

30. Aug 2016

Ein Forscherteam an der Berliner Charité hat den Wirkstoff Setmelanotide bei übergewichtigen Patienten mit einem seltenen Gendefekt getestet. Die Therapie führte zu einem starken Gewichtsverlust und wurde gut vertragen. Bisher wurden allerdings erst zwei Probandinnen getestet und es muss geklärt werden inwieweit der Einsatz des Wirkstoffs bei Übergewichtigen ohne Gendefekt sinnvoll ist.

Adipositasforschung: Neuer Wirkstoff liefert gute Ergebnisse bei seltenem Gendefekt

© Daniel Coulmann / Fotolia.com

Starkes Übergewicht, auch Adipositas genannt, kann eine Vielzahl gesundheitlicher Probleme nach sich ziehen. Mit Ausmaß und Dauer steigt beispielsweise die Gefahr, dass sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Aus vielerlei Gründen schaffen es Übergewichtige oft nicht, sich selbst aus dem komplexen Dilemma zu befreien. Gegenregulationsmechanismen des Körpers, der sein Gewicht konstant halten will, müssen durch intelligente Strategien überlistet werden. Forscher arbeiten weltweit an Wirkstoffen, die eingesetzt werden könnten, wenn Maßnahmen wie Diät, Bewegung und Lebensstiländerung erfolglos bleiben.

Ein deutsches Team hat sich nun dem Eiweißhormon Setmelanotide (auch RM-493) gewidmet, was bereits in verschiedenen Studien zu Adipositas und Diabetes untersucht wird. Es bindet und aktiviert einen Zellrezeptor mit dem Namen MC4R, der für die Vermittlung des Sättigungsgefühls im Gehirn zuständig ist.

Diesen Wirkstoff gaben die Wissenschaftler zwei Probandinnen, die unter einem Gendefekt leiden, der die Signalübertragung durch MC4R nicht mehr zulässt. Die beiden 21 und 26 Jahre alten Patientinnen wogen zu Beginn der Phase-II-Studie jeweils über 150 Kilogramm. Bei beiden zügelte das Medikament den Appetit nach eigenen Angaben deutlich und ermöglichte so einen extremen Gewichtsverlust. Über einen Zeitraum von 42 Wochen verlor die erste Patientin 51 kg (ausgehend von 155 kg), die zweite Patientin konnte ihr Gewicht binnen 12 Wochen von 152,8 auf 132,3 kg reduzieren.

Obwohl die Teilnehmerzahl mit zwei Probanden extrem gering ist und der Gendefekt nach Schätzungen der Forscher weltweit bei weniger als 50 Menschen vorkommt, schaffte es die Pilotstudie (vermutlich wegen der extremen Ergebnisse) in das renommierte Fachjournal ‚New England Journal of Medicine‘. Nun wollen die Forscher prüfen, ob die Therapie mit Setmelanotide auch für Patienten mit anderen Gendefekten und sogar Übergewichtigen ohne Gendefekt in Frage kommt. Das, so die Autoren, müssten weitere Studien zeigen und sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar.

Quellen:

Kühnen, P. et al.: Proopiomelanocortin Deficiency Treated with a Melanocortin-4 Receptor Agonist. In: The New England Journal of Medicine, doi: 10.1056/NEJMoa1512693

Charité – Universitätsmedizin Berlin und am Berlin Institute of Health: Erfolgreiche Appetitregulation bei adipösen Patienten - Charité-Wissenschaftler präsentieren Ergebnisse von klinischer Studie. Pressemitteilung vom 3. August 2016


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