Neuer Schalter für das Sättigungsgefühl

01. Mär 2016

Ein deutsches Forscherteam hat einen neuen Mechanismus entdeckt, der die Wirkung des Sättigungshormons Leptin steuert. Das Enzym HDAC5 wirkt demnach als zentrale Stellgröße für das Hungergefühl und bietet daher einen möglichen Angriffspunkt gegen den Jo-Jo-Effekt.

HDAC5

HDAC5 (rot) spielt eine wichtige Rolle für die Kontrolle der Nahrungsaufnahme, die durch Nervenzellen (grün) vermittelt wird. Quelle: Helmholtz Zentrum München

Warum werden wir dick und warum ist es für viele oft schwer, das Gewicht zu halten? Wissenschaftler um Dr. Paul Pfluger vom Helmholtz Zentrum München haben nun einen neuen Baustein im komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren identifiziert. Sie fanden heraus, dass das Enzym HDAC5 (Histon-Deacetylase 5) einen wesentlichen Einfluss auf die Wirkung des Hormons Leptin hat. Leptin wird vom Fettgewebe bei zunehmender Masse in den Körper abgegeben. Es signalisiert dem Gehirn, dass die Fettspeicher voll sind und erzeugt ein Sättigungsgefühl.

Laut den Wissenschaftlern ist HDAC5 ein wichtiges Bindeglied in der Kommunikation zwischen dem Fettgewebe und den Hungerzentren im Gehirn. Die Experimente hätten gezeigt, dass die Produktion und Aktivität von HDAC5 in unserer Schaltzentrale des Energiehaushalts, dem sogenannten Hypothalamus, durch fettreiche Ernährung, vergrößerte Fettspeicher und das Sättigungshormon Leptin erhöht wird. So könne der Körper den Füllzustand der Fettgewebsspeicher erkennen und seine Nahrungsaufnahme anpassen.

Störung des Signalwegs führt zu Übergewicht

In einem Versuchsmodell konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Körper ohne HDAC5 deutlich schlechter auf Leptin reagiert – man spricht von einer Leptinresistenz. Entsprechende Tiere zeigten eine erhöhte Nahrungsaufnahme und wiesen im Vergleich verstärkt Adipositas auf, wurden also dick. Durch gezielte Aktivierung von HDAC5 konnte das Team diesen Effekt umkehren und die Tiere verloren an Gewicht.

„Die Wiederherstellung der Leptin-Sensitivität ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur nachhaltigen Gewichtsreduktion und der Bekämpfung von möglichen Folgeerkrankungen des Übergewichts wie etwa Typ-2-Diabetes“, sagt Studienleiter Paul Pfluger. „Neben den unabdingbaren Veränderungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten könnte man künftig möglicherweise auch gezielt die Leptinwirkung durch Medikamente beeinflussen, um den Abnehmprozess zu unterstützen. Ob HDAC5 aber bereits als ‚Target‘ für die Bekämpfung der Adipositas und des Jo-Jo Effektes bei Menschen geeignet ist, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen“, so Pfluger.

Quellen:

Kabra, DG et al.: Hypothalamic Leptin Action is Mediated by Histone Deacetylase 5. In: Nature Communications 2016, doi: 10.1038/NCOMMS10782

Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt: Helmholtz-Wissenschaftler entdecken neuen Schalter für das Sättigungsgefühl. Pressemitteilung vom 29.02.2016 (letzter Abruf 29.02.16)

 

Weitere Informationen:

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