Verbreitung

Neuer Diabetes-Atlas für Deutschland

24. Feb 2017

Die Zahl der Menschen mit Diabetes mellitus steigt weltweit stetig an, Deutschland macht dabei keine Ausnahme. Eine neue Studie des Versorgungsatlas zeigt, dass mittlerweile eine von zehn Personen hierzulande betroffen ist. Auffällig waren die starken regionalen Unterschiede, die sich aus den anonymisierten Daten von rund 70 Millionen Kassenpatienten ergaben.

Versorgungsatlas

Durchschnittliche standardisierte Prävalenz des Typ-2-Diabetes der Jahre 2013 bis 2015. Quelle: Goffrier/www.versorgungsatlas.de

Für die aktuelle Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die bundesweiten Abrechnungsdaten der Vertragsärzte im Zeitraum 2009 bis 2015. Damit ermittelten sie die Diabetes-Prävalenz, also den prozentualen Anteil der Bevölkerung, der an Diabetes mellitus erkrankt ist. Dieser stieg von 8,9 Prozent im Jahr 2009 auf 9,8 Prozent im Jahr 2015.

Regional aufgeschlüsselt ergaben die Daten ein Ost-West-Gefälle bei der Verteilung: In Ostdeutschland lag der durchschnittliche Anteil für Typ-2-Diabetes im Jahr 2015 bei 11,6 Prozent, während sie in Westdeutschland nur bei 8,9 Prozent lag. Als extreme Beispiele sind die Kreise Starnberg (Bayern) und Prignitz (Brandenburg) genannt: Hier lag die Häufigkeit von Typ-2 Diabetes bei 6,5 beziehungsweise 14,2 Prozent.

Auch die Neuerkrankungsraten (Inzidenzen) des Typ-2-Diabetes waren in Ostdeutschland höher als in Westdeutschland. „So lag beispielsweise die Inzidenz der 60 bis unter 80 Jahre alten Männer im Jahr 2014 in Ostdeutschland bei 2,61 Prozent, während sie in Westdeutschland bei 2,17 Prozent lag“, heißt es in dem Bericht.

Die Gründe für die regionalen Unterschiede sind aus den Daten nicht direkt zu ermitteln. Die Wissenschaftler spekulieren, dass hier möglicher Weise gesellschaftliche (sozioökonomische) Faktoren wie das oft riskante Gesundheitsverhalten von einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen eine Rolle spielen könnten. Aber auch genetische Unterschiede in den jeweiligen Regionen könnten den Autoren zufolge in Frage kommen ebenso wie Umweltfaktoren wie beispielsweise Schadstoffbelastung, Luftverschmutzung oder dauerhafte Lärmbelastung. Diese Risikofaktoren werden alle im Rahmen des Diskussionsteils genannt, sind also nicht durch Daten belegt, sondern Erklärungsansätze. Konkret ableiten kann man aber, dass in den am meisten betroffenen Regionen ein erhöhter Bedarf für Präventionsarbeit herrscht.

Unter dem Strich zeigt die Studie, dass jedes Jahr in Deutschland rund 500.000 Menschen zum ersten Mal die Diagnose Diabetes-Typ-2 erhalten. Auf lange Sicht sei zu vermuten, dass diese Zunahme sich durch die Alterung der Gesellschaft verstärkt, da sich die Krankheit meist im höheren Lebensalter entwickelt, so der Bericht.  


Quellen:
Goffrier, B. et al.: Administrative Prävalenzen und Inzidenzen des Diabetes mellitus von 2009 bis 2015. In: Versorgungsatlas, 2017 doi: 10.20364/VA-17.03

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland: In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus. Pressemitteilung vom 23. Februar 2017.


zum Seitenanfang
Druckversion